Winnenden

Dringlichste Aufgabe: Wohnraum

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Im Baugebiet Adelsbach rollen schon die Bagger. © ZVW/Danny Galm
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Holzmarkt
Holzmarktplatz vor einem halben Jahr: Viele Parkplätze, alle besetzt. Mit dem Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses werden es weniger, und der Bedarf steigt. © ALEXANDRA PALMIZI

Winnenden. Die dringlichste aktuelle Aufgabe des Winnender Gemeinderats ist ganz klar: Bürger wünschen bezahlbaren Wohnraum. Vermutlich kennt fast jeder jemanden, der dringend eine Wohnung braucht und der nicht bezahlen kann, was der freie Wohnungsmarkt gerade verlangt. Die nächsten wichtigen Aufgaben sind aus Bürgersicht: Schulen, Parken und Flüchtlinge.

Der Druck bei Wohnungen ist enorm. Aus Stuttgart ziehen Leute zu, die die Stuttgarter Mieten und Kaufpreise nicht mehr verkraften und die Winnender gerade noch bezahlen können. Winnender selbst erleben vor ihrer Nase, wie Wohnungen gebaut werden, deren Mietpreise sie kaum bezahlen können. Die Umfrage unserer Zeitung, bei der 51 von 381 Befragten Wohnraum als die wichtigste Aufgabe des Gemeinderats bezeichnet haben, bestätigt nur eine bekannte Erkenntnis.


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Es muss etwas geschehen bei Wohnungen. Es geschieht auch einiges. Gerade in Winnenden. Ende dieses Jahres beginnt der Bau von Wohnungen im großen Neubaugebiet Adelsbach. Am Stadtrand Richtung Berglen sind gerade viele Wohnungen im Bau und teilweise noch im Verkauf. Und der Gemeinderat zwingt künftig Bauherren von größeren Mehrfamilienhäusern, dass sie auch einen Anteil von Sozialwohnungen bauen. Dieser Zwang zum sozialen Wohnungsbau wurde erst am Montag in einer Diskussion des Verbands der Selbstständigen von Vertretern der fünf Winnender Listen kontrovers diskutiert, aber eine Mehrheit bleibt dabei: Es besteht eine Pflicht zum Bau von bezahlbaren Wohnungen.

Verlust der Gemeinschaftsschule ist noch nicht verschmerzt

Schulen sind das nächstwichtige Thema. Es ist immer die große Aufgabe von Gemeinderäten, für passende Schulgebäude und Schulausstattungen zu sorgen, und das fordern auch 22 der Winnender Befragten ein. Ihnen geht es vor allem um Digitalisierung. Aber einige der Befragten bedauern auch, dass die Gemeinschaftsschule geschlossen und nach Schwaikheim verlegt wurde. Auch diese frühere Gemeinderatsentscheidung wurde am Montag kontrovers diskutiert.

Immer ein Thema im Gemeinderat ist das Parken. Sei es in der Innenstadt, sei es in Wohngebieten. 20 Befragte wünschen sich Verbesserungen beim Parken, und auch in der Diskussion am Montag beim Verband der Selbstständigen (VdS) kamen Wünsche auf.

16 Befragte nennen als wichtigstes Thema von sich aus, ohne dass je konkret danach gefragt worden wäre, das Stichwort „Flüchtlinge“. Die meisten nennen ausführlich das Wort Flüchtlingspolitik – die allerdings in Berlin, vielleicht noch ein bisschen in Stuttgart, aber nicht in Winnenden gemacht wird. Andere nennen Stichworte wie „Integration der Flüchtlinge“ – eine Aufgabe, an der die Stadt mit großem Nachdruck arbeitet.

Die Staus im Berufsverkehr sind ein Thema, das elf Befragte nervt, und weitere elf sind der Meinung, dass das Radwegenetz Lücken hat. Man sieht: Der scheidende Gemeinderat hinterlässt dem neuen Aufgaben.


Erst das Wohnen, dann die Schulen, dann das Parken – so sieht die Rangfolge der Wichtigkeit von Themen aus, mit denen sich aus Bürgersicht der Gemeinderat befassen soll. Beim Parken haben Bürger zwei Themen: das Parken in Wohngebieten und die Parkplätze in der Innenstadt. 20 von 381 Befragten nennen das Parken als wichtigste Aufgabe. Wie gesagt: Keiner der Befragten wurde auf ein Thema draufgelupft. Alle bekamen die gleiche Frage: „Welches Thema ist Ihrer Meinung nach aktuell das wichtigste, um das sich die Gemeinde kümmern sollte?“

Beim Thema Parken bleiben die Umfrageantworten unserer Befragten einigermaßen ungenau. Wir brachten es in die Diskussion in der Alten Kelter ein, und ein Gast aus dem Publikum fügte die Themen Wohnungsbau und Parkplätze zusammen: Wenn die Stadt ein Neubaugebiet für 600 Bewohner einrichte, dann müsse sie auch in der Innenstadt neue Parkplätze für die Leute aus dem Wohnviertel schaffen, damit sie dorthin zum Einkaufen kommen und nicht gleich, wenn sie ohnehin im Auto sitzen, nach Backnang weiterfahren.

Wie die Probleme gelöst werden sollen, wurde nicht klar

Friseurmeisterin Jutta Brändle wies auf die weggefallenen Parkplätze am Holzmarkt hin. Die spüre sie schon in ihrem Geschäft. Gemeinderäte erklärten, dass das neue Wohn- und Geschäftshaus eine Tiefgarage bekomme und dass Parkplätze erhalten bleiben – aber nicht alle. Am Kronenplatz zeichnet sich für die nächsten Jahre die gleiche Entwicklung ab: mehr Geschäfte, mehr Wohnungen, weniger Parkplätze. Dass der Gemeinderat hier eine Aufgabe hat, anerkannten amtierende Stadträte.

Aber wie die Probleme gelöst werden sollen, wurde nicht klar. Uwe Voral (SPD) empfahl den Leuten, zu Fuß in die Alte Kelter zu kommen und insgesamt kleine Autos zu fahren, damit schmale Parkplätze ausreichen. Die beiden Geschäftsfrauen Sabine Krautter und Ulrike Maurer betonten aber auch, dass die Innenstadt ganz passabel mit Parkplätzen versorgt sei, dass die Plätze außer am Donnerstag meist ausreichen, und dass das kostenlose Parken für zwei Stunden eine sehr attraktive Sache sei.

Mehr Parkplätze vorschreiben?

Was macht man mit der Parkplatzknappheit in Wohngebieten? Sollen für neue größere Wohnungen zwei Stellplätze verlangt werden? Dies schlug Uwe Voral (SPD) vor. Christoph Mohr (ALi) widersprach ihm. Ein Tiefgaragenplatz koste 25 000 Euro, erfuhren die Zuhörer von Bauträger Klaus-Martin Pfleiderer. Mohr möchte nicht, dass sich Wohnungen um solche Summen verteuern, weil man einen zweiten Parkplatz vorschreibe.

Das nächste Problem ist auch, dass Leute ihre Garagen oder Tiefgaragenplätze, wenn sie abschließbar sind, als Lagerräume für alles Mögliche vom Sperrmüll bis zum Brennholzvorrat nutzen und dann ihr Auto auf die Straße stellen, wo die letzten freien Parkplätze dann wegfallen. Deshalb schreibt die Stadt jetzt meistens Carports anstatt Garagen vor.


Und sonst...

  • Mehrmals genannt wurden in unsere Umfrage folgende Themen: „Läden stehen leer, Sportgeschäft fehlt“: 6; „Ganztagsplätze fehlen“: 5; „Wunnebadmodernisierung läuft zu langsam ab“: 5; „Unpünktliche Bahnen, kaputte Aufzüge“: 4, „Saal für 300 bis 400 Personen fehlt (Kultur)“: 2.
  • Auffällig: Siebenmal wurden Themen aus Hertmannsweiler genannt.