Winnenden

DRK-Ortsverein Winnenden: Einsatz im Hochwasser-Katastrophengebiet

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Carolin Häußer und Christian Franck vor dem DRK-Krankentransportwagen. © DRK
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Was vom Hochwasser übrig bleibt: Schlamm und Sperrmüll. © DRK

Carolin Häußer und Christian Franck vom Deutschen Roten Kreuz Ortsverein Winnenden waren fast drei Tage im Einsatz im Hochwasser-Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz, um den Rettungsdienst zu unterstützen. DRK-Pressesprecher Christian Siekmann berichtet.

Es war ein anstrengender Einsatz für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte des DRK. Als sie am Samstagmorgen mit dem Notfallkrankentransportwagen, den das Land für den Bevölkerungsschutz zur Verfügung stellt, im Konvoi mit 31 weiteren Wagen losfuhren, wussten sie nur aus den Nachrichten, was sie erwarten könnte. „Autos wurden weggeschwemmt, ganze Häuser sind verschwunden, und weiterhin werden tote Menschen gefunden“, sagt Zugführer und Sanitäter Christian Franck. Die Zustände seien zum Teil katastrophal. Normale Dinge funktionieren nicht mehr. Es gibt keine Grundversorgung: keinen Strom, kein Internet, teils nicht einmal mehr Straßen. Brücken waren zerstört. Auch Funk und Telefon funktionierten oft nicht.

In den ersten Stunden standen Franck und Häußer auf Abruf bereit, um bei Bedarf Altenheime oder andere Einrichtungen zu evakuieren, für Einsätze, bei denen zeitgleich mehrere Krankentransportwagen benötigt werden. Ein Fahrzeug kann zwei Personen liegend befördern.

Später änderte sich der Auftrag des Winnender Teams, die Versorgung der Bevölkerung stand im Vordergrund. Weil ganze Ortsteile nicht mehr zu erreichen waren, standen sie an wichtigen Stellen als Ansprechpartner bereit, halfen direkt oder vermittelten andere Helfer. Unter anderem übernahm das Winnender Team auch die Wundversorgung der Menschen. „Pflaster und Verbandsmaterial waren vor Ort nicht mehr vorhanden“, sagt Rettungssanitäterin Carolin Häußer. „Doch einige Menschen waren verletzt oder verletzten sich bei den Räumungsarbeiten.“

Kollegen bei Starkregen im Einsatz

Einen noch härteren Einsatz hatten Altenpflegerin Isabell Hoffmann und Arzt Hannes Häbich vom DRK-Ortsverein Sulzbach, sie waren bereits am Donnerstag in Rheinland-Pfalz und halfen, in Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Pflegeheim zu evakuieren. Das Erdgeschoss war überschwemmt worden. Nun galt es, gemeinsam mit Feuerwehr und THW 56 Bewohner aus dem ersten und zweiten Stock eines Pflegeheims zu holen - um 2 Uhr nachts, bei Starkregen und ohne Strom. „Die Bewohner wurden auf Pritschen in den Schaufeln von Radladern aus dem Gebäude geholt“, schildert Rettungshelferin Isabell Hoffmann. „Wir haben in vier Stunden mehr als 100 Menschen gesichtet“, die mit den Krankentransportwagen auf nahe gelegene Notunterkünfte verteilt werden mussten.“ Das haben andere DRK-Kollegen gemacht.

Nahrungsmittel und Lebensmittel, die für die Helfer gedacht waren, haben sie noch in der Nacht verteilt, denn nicht nur Heimbewohner wurden evakuiert. „Da waren Menschen, die hatten nichts mehr. Ihr Haus war weggespült oder bis in die zweite Etage von Wasser und Schlamm überschwemmt“, sagt Isabell Hoffmann. „Eine Frau stand vor uns. Sie sagte, sie besitze nichts mehr, außer ihrer kurzen Hose und dem Shirt, was sie am Leib trug.“ Die Bilder dieser Nacht haben die Helferinnen und Helfer geprägt. Erschöpfte Feuerwehrleute hätten in der Anfangszeit auf dem Boden geschlafen.

Beeindruckt vom Ausmaß der Hilfe

Christian Franck ist beeindruckt vom Ausmaß der Hilfsbereitschaft. „Hunderte Fahrzeuge fanden sich am zentralen Bereitstellungsplatz ein. Hilfsorganisationen, Feuerwehr, Bundeswehr. Räumpanzer und Amphibienfahrzeuge warteten auf ihren Einsatz, während über unseren Köpfen Hubschrauber der Bundeswehr flogen.“ Vor Ort folgten sie den Befehlen der Einsatzleitung. „Genau dafür habe ich die vielen Stunden Aus- und Fortbildung investiert, um den Menschen in solch einer Notlage helfen zu können“, sagt Carolin Häußer. Sie und Christian Franck arbeiten hauptberuflich in Winnenden, sie auf dem elterlichen Weingut als Marketingmanagerin, er als Produktmanager bei einem Industrie-Unternehmen. Beide sind froh, dass sie helfen konnten. Doch die Lage sei weiter dramatisch, auch in den nächsten Monaten werde es an vielen Orten nicht möglich sein, zu leben.

Krisenerprobte Struktur

Jeder Sanitäter beim DRK-Kreisverband absolviert einen Praxistag, an dem Inhalte rund um den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz vermittelt werden, und es gibt regelmäßig Übungen. „Doch auf so eine große Schadenslage kann man sich nicht vorbereiten“, ordnet Bereitschaftsleiter Raphael Rojas, Zugführer im Rems-Murr-Kreis, ein. Daher ist wichtig, dass der Kreisverband krisenerprobte Strukturen mit Hunderten Ehrenamtlichen hat – mit Schnelleinsatzgruppen Erstversorgung und Betreuung, Führungsmodulen und psychosozialer Notfallversorgung.

Carolin Häußer und Christian Franck vom Deutschen Roten Kreuz Ortsverein Winnenden waren fast drei Tage im Einsatz im Hochwasser-Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz, um den Rettungsdienst zu unterstützen. DRK-Pressesprecher Christian Siekmann berichtet.

Es war ein anstrengender Einsatz für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte des DRK. Als sie am Samstagmorgen mit dem Notfallkrankentransportwagen, den das Land für den Bevölkerungsschutz zur Verfügung stellt, im Konvoi mit 31 weiteren

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