Winnenden

Edmund Baur: Ein Ritter im Rems-Murr-Kreis

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So sieht ein Ritter von heute aus: Ganz klein ist an Edmund Baurs Revers das Malteserabzeichen zu sehen. © ZVW/Laura Edenberger
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Hier trägt Edmund Baur (ganz links) sein Rittergewand, die Kukulle. Sehr schön verziert ist darauf das Malteserkreuz aufgestickt. Bei feierlichen Anlässen, wie beispielsweise bei dieser Segnung eines Einsatzwagens, tragen die Malteserritter diesen Überwurf. © Rainer Lauschke

Winnenden. Ein Ritter ist von edlem Gemüt und Geblüt, trägt Schwert, Schild und Rüstung und reitet auf einem Pferd. Na ja, so träumen wir und so spielen die kleinen Buben. Das echte Ritterleben hat heute damit fast nichts mehr zu tun. Aber tatsächlich gibt es noch Ritter im Rems-Murr-Kreis. Echte! Sehr wenige – mit einem konnten wir sprechen.

Also das mit dem Schwert, „das können Sie sich abschminken“, sagt Edmund Baur. Obwohl: „Habt vor Augen die Bereitschaft eurer Vorgänger im Orden, Witwen, Waisen und alle Hilfsbedürftigen unter Einsatz des Lebens mit dem Schwert zu beschirmen und den katholischen Glauben vor den Feinden zu verteidigen.“ Das sagt der Malteser-Vizepräsident bei der Aufnahme der neuen Ritter in den Orden. Und bevor er das sagt, wird das Schwert gezogen und gezeigt.

Schwert ist Verweis auf alte Zeiten

Das Schwert: Nun ja, es ist schon längst nur noch ein Symbol, ein Verweis auf die alten Zeiten, als die Malteser-Ritter wirklich auszogen, die Pilger und heiligen Stätten der Christenheit zu schützen. So um etwa 1140 rum war das und währte nach der Vertreibung aus dem Heiligen Land und durch turbulente Zeiten hindurch bis ungefähr – tja, so genau kann man’s nicht sagen. Auf Zypern, Rhodos und Malta, also im 13., 14. und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts kämpften die Ritter auf jeden Fall. „Dienste in der militärischen Verteidigung des christlichen Glaubens“ heißt das im Buch „Der Malteserorden in Deutschland“. Und da heißt es auch: „Im 19. Jahrhundert konnte dies ihre Aufgabe nicht mehr sein.“

Romantik ade: Verkleidung gibt’s nicht

Edmund Baur also, der Architekt aus Birkmannsweiler, längst im Ruhestand, seriös und auf der Straße mit Sicherheit absolut unauffällig, zieht nicht die Klinge. Er hat nicht mal eine, mal abgesehen von jenen Gebrauchsgegenständen, die in der Küche zur Zerteilung von Gemüse oder Fleisch dienen. Er trägt auch nicht und niemals, was Bubenherzen höher schlagen lässt. Kein Schild, keine Lanze, kein Kettenhemd, keinen Helm mit Visier zum Runterklappen, keinen Federbusch darauf und von Pferd auch weit und breit keine Spur. Und doch ist er Ritter. Aber was ist denn das dann für ein Ritter?

Staufer-Spektakel an historischen Quellen orientiert

Also, zu besonderen Festlichkeiten kann Edmund Baur wenigstens mit einem wunderbaren, schwarzen Gewand mit Stickerei aufwarten. „Kukulle“ heißt es und „Cool!“ würden die von Rittern träumenden Buben heute dazu sagen. Und ja, sagt Edmund Baur, den verkleidungsfreudigen Ritterspielen in der Waiblinger Talaue, Staufer-Spektakel heißen sie und laufen stets parallel zum Altstadtfest ab, kann er durchaus was abgewinnen. Sie sind vergnüglich, bunt, durchaus an historischen Quellen orientiert und damit auch ein bisschen lehrreich. Sehr wohl lässt sich, so man will, im bunten Treiben rauslesen, wie das Leben damals war. Vielleicht, sagt Baur, könnte man mal ein Malteserzelt dort aufstellen und vorführen, wie in den romantischen Ritterzeiten die Krankenpflege aussah.

Baur baute Malteser im Kreis Göppingen auf

Krankenpflege – das ist’s, was die Malteser seit jeher machen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1099 bis heute. Aber Herr Baur, was hat denn das zu tun mit unserem Traum von Turnier, Tafelrunde und Minnedienst? Ehrlichkeit, Treue, Ergebenheit und Aufopferung für den anderen – das, sagt Edmund Baur, sind die malteserritterlichen Tugenden. Es ist, sagt er, die Haltung, die einen Ritter ausmacht. Edmund Baur hat für die Malteser unglaublich viel gearbeitet. Pfadfinder war er ursprünglich und in Kinderzeiten. Und musste da natürlich auch einen Erste-Hilfe-Kurs belegen. Und da war’s passiert: Er baute die Malteser im Kreis Göppingen auf, wo er herkommt, gründete den Hilfs- und Rettungsdienst. Seitdem war er immer in Führungsämtern, stieg die Malteser-Karriereleiter immer weiter rauf, bis er 2004 zum Vizepräsidenten deutschlandweit gewählt wurde. Das ist er heute noch. Ehrenamtlich. Wie immer durch die fast 60 Jahre durch. Das darf man durchaus Haltung nennen. Wohl auch Durchhaltevermögen. Aber ritterlich?

Alte Tradition: Der europäische Adel mischt mit

Da kommt halt doch wieder die Geschichte durch. Das ganze Brimborium, gut erhalten und gepflegt seit dem Mittelalter. Der ideale Ritter nämlich war schon damals adlig – von Gemüt und von Geblüt. Vor allem von Geblüt. Die Ritter der Malteser sind noch heute vorwiegend adlig. Im Rems-Murr-Kreis gibt’s, neben Edmund Baur, der definitiv ganz und gar bürgerlich ist, nur noch einen Malteserritter. Der heißt von Stauffenberg und ist Graf. Wer also bei den Maltesern Karriere macht, der landet in den Kreisen, wo die illustren Von-und-Zus beieinander sind. In Kreisen, wo so mancher auf 300 Jahre ritterliche Familientradition zurückblicken kann. So war es immer, so ist’s noch heute. Zumindest in Europa. In Asien oder den USA nicht, sagt Edmund Baur. Da gab’s ja kein Mittelalter und damit auch keine alten Rittersleut.

Wer Ritter werden will, muss vorgeschlagen werden

Wenn jetzt aber ein Bürgerlicher aufgrund seiner Verdienste – und der kann sicher sein, dass es tatsächlich allein aufgrund dieser ist – in so hohe Malteserämter aufsteigt, dann ist’s irgendwie nicht so geschmeidig, wenn der nicht auch Ritter ist. Denn in den hohen Ämtern sind ja hauptsächlich die Ritter zu Hause. Es ist eine Frage des Dazugehörens. Und deshalb wurde Edmund Baur dann auch Ritter. Nein! Bewerben konnt’ er sich nicht. Vorgeschlagen musste er werden. Paten bekam er zur Seite gestellt. Ein Jahr lang wurde er begleitet zu Versammlungen und religiösen Exerzitien. Und dann folgte – nicht der Ritterschlag – aber eben jene Szene mit dem Schwert vom Anfang der Geschichte. Hat doch was von Knappenzeit und Tafelrunde, oder?


Ritterliche Ständeordnung

Edmund Baur ist Ritter des dritten Stands, ein Ehren- und Devotionsritter. Er hat sich den ritterlichen Tugenden und den Normen der katholischen Kirche verpflichtet, ansonsten aber keine Gelübde oder Versprechungen abgelegt. Allerdings, auch hier schon gilt: Wer sich scheiden lässt, fliegt raus.

Bewährt sich ein Ritter des dritten Stands über fünf Jahre, kann er in den zweiten Stand aufsteigen. Diese Ritter heißen Obedienzritter und verpflichten sich zu Gehorsam, Armut und größerer Verbindlichkeit gegenüber den katholischen Ordenszielen. Edmund Baur hat das abgelehnt. Zu viele religiöse Verpflichtungen. Die Armut, im Übrigen, ist eher symbolisch zu verstehen.

Die Ritter des ersten Standes heißen Professritter. Sie verpflichten sich zu Gehorsam, Armut und Keuschheit. Weltweit gibt es nur noch rund 70 Professritter. Zu dicht liegt dieses Leben bei dem Leben von katholischen Geistlichen. Wobei Professritter nicht zeitlebens diese Gelübde einhalten müssen. Mancher ist beispielsweise Witwer.

Bei den Maltesern können auch Frauen zu hohen Ehren aufsteigen. Diese heißen dann allerdings nicht Ritterinnen und auch nicht Burgfräulein, sondern „Damen“.

Übrigens: Auch bei den Johannitern, dem evangelischen Pendant zu den Maltesern, gibt es Ritter. Die Wurzeln der zwei Orden sind ja auch eine. Sie haben auch beide das gleiche Symbol, ein weißes Kreuz auf rotem oder schwarzem Grund. Die vier Arme des Kreuzes sind jeweils in zwei Spitzen geteilt.

Im Rems-Murr-Kreis leben vier Johanniter-Ritter.