Winnenden

Ein weltumspannendes Lebensabenteuer

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Tanja Seifert, Frau von Welt. © Seifert

Leutenbach. Sie spricht acht Sprachen, hat mehrmals beruflich den Globus umrundet, einem Formel-I-Fahrer beim Nähen geholfen, für den berühmtesten Rumänen der Welt Socken gekauft, in einem japanischen Zen-Kloster meditiert und einen Stapel Bücher geschrieben: Willkommen im weltumspannenden Lebensabenteuer von Tanja Seifert, 54, aus Weiler zum Stein.

Ein Kinderbuch – es handelt von einer Sonnenblume und beginnt so: „Once I was a little seed.“ Nein, so: „Au dé but, je’é tais une petite graine.“ Nein, so: „Una volta ero un piccolo seme.“ Nein, so: „Una vez fui una pequena semilla.“ Nein, so: „Ich war einmal ein kleiner Samen.“ Denn wenn ich schon so was schreibe, dachte Tanja Seifert, kann ich es auch gleich in ein paar Sprachen übersetzen, bevor ich es als E-Book auf Amazon einstelle.

Die Geschichte vom „Running Smile“, dem laufenden Lächeln, erzählt viel über Tanja Seifert: von Aufbruchslust, Unterwegssein und Neugier auf die Welt; von hippiesker Freigeistigkeit, die nie ins Esoterische wegdriftet, weil sie sich mit handfestem Organisationstalent trifft.

Nach dem Abi wusste sie nicht recht, was tun. Also jobbte Tanja Seifert bei Daimler und nebenbei ehrenamtlich bei der Leichtathletik-EM 1986 in Stuttgart. Das sprach sich herum, ein Daimler-Mensch sagte: Wenn Sie schon wissen, wie das geht, könnten Sie auch gleich für uns zu Olympia 1988 nach Seoul fahren, im Deutschen Haus brauchen wir dort noch eine Hostess. „Bedingung: dass ich Koreanisch lern’.“ Na gut.

Eine Reiseroute: Über Barcelona und Tokio zu König Midas

So rutscht man in was rein: Seifert wurde erst helfende Hand und später Teamleiterin bei Sportveranstaltungen, ob Olympische Spiele im Winter (1992, Albertville, Frankreich) oder Sommer (1992, Barcelona, Spanien), ob bei der Leichtathletik-WM vor der Haustür (1993, Stuttgart) oder am anderen Ende der Welt: Tokio 1991. Dort verbrachte sie einige Zeit in einem Zen-Kloster: Seither steht sie jeden Morgen um fünf Uhr auf und macht eine Stunde Yoga.

Wo immer sie war, eignete sie sich die Sprache an oder baute ihre Kenntnisse aus. Wie geht das? „Wenn man sprechen muss, dann geht’s. Es fällt mir wahrscheinlich auch leicht.“ Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch – aber dass sie sich auch auf Rumänisch verständigen kann, ist eine eigene Geschichte: Über ihre Kontakte in der Sportwelt kam Tanja Seifert zum Job beim berühmtesten Rumänen der Welt.

Er ist König Midas: Ihm wird zu Gold, was er anfasst. 1964 spielte er Eishockey in der rumänischen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen, 1970 gewann er als Tennisspieler die French Open im Doppel – danach startete er erst richtig durch: Nach dem Zusammenbruch des Ceausescu-Kommunismus gründete er eine der ersten rumänischen Privatbanken, eine Versicherungsgesellschaft, einen Auto-Handel, eine Fluggesellschaft, eine Reisebüro-, eine Supermarkt-Kette und eine Fischzucht mit Kaviarproduktion. Er wurde Milliardär; und machte nebenbei Boris Becker groß. Genau: der Mann mit dem Walrossbart.

Durch Tiriac hinter die Kulissen der Formel I gekommen

Tanja Seifert wurde die rechte Hand von Ion Tiriac: Schriftverkehr, Anrufe beantworten, Gäste empfangen, Reisen buchen – und manchmal „habe ich Socken für ihn gekauft, weil er einfach die Zeit nicht gehabt hat. Wenn man für so jemanden arbeitet, sprechen wir nicht von fünf Tagen die Woche und acht Stunden am Tag.“ Die Formel lautet eher: sieben mal zwölf.

„Anfangs habe ich gedacht: ups.“ Tiriac geht kaum als laufendes Lächeln durch, er hat „nicht so die Ausstrahlung von einem Charmebolzen“. Einer seiner Leitsätze: „Das Wichtigste ist nicht, dass die Leute dich mögen, sondern dass sie dich respektieren“. Aber siehe, er hatte Stil: So bestimmend er war – nie wurde er cholerisch.

Eins führt zum andern, wenn man sich nützlich zu machen weiß: Die Tiriac-Connection verschaffte Seifert Zugang hinter die Kulissen der Formel I. „Eigentlich habe ich gar nichts mit Motorsport zu tun gehabt“, aber da saß sie nun am Hockenheimring in einem Backstage-Zelt. Ein Fahrer kam rein, sah sich hilfesuchend um, entdeckte die Fremde und „fragte, ob ich nähen kann“, einen Sponsoren-Sticker anbringen. Während sie sich abmühte, erschien ein Funktionär des Williams-Rennstalls und wurde streng: „Was ich hier mach’?“ Sie: „Ich näh grad.“ Das Ende: Zwölf Jahre lang organisierte sie für Williams Sponsorenabende.

Erfahrungen in einem Büchlein verarbeitet

Heute tritt sie kürzer, mittlerweile gestaltet sie Firmenfeiern, private Feste – und hat sich einen „Sport daraus gemacht, wie es möglich ist, für 200 Leute was auf die Beine zu stellen, ohne dass Sie das ganze Verpackungszeug haben“. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie zu einem Büchlein: „Why less is more – my guide to minimize waste at events“. Warum weniger mehr ist – mein Führer, um Müll bei Events zu minimieren.

Schreiben wurde mit den Jahren ihr Hobby: Lebensratgeber, Erinnerungen, Erzählungen, von „All you need is loving yourself“ bis „Sex am Pool“. Und das Kinderbuch vom laufenden Lächeln? Gibt es auch auf Japanisch – nur müsste sich die Zeitungsredaktion für den Anfangssatz erst die einschlägigen Schriftzeichen besorgen.


Eine Lesung

Am Mittwoch, 23. Oktober, um 19 Uhr liest Tanja Seifert im Hotel Le Meridien in Stuttgart aus ihrem Buch „Urlaubsplagen“ – es handelt von Reise-Erlebnissen. Der Erlös kommt dem Verein „Help 4 Bupsa – Nepalhilfe“ zugute, der die Schule und die Kinder in einem Dorf in Nepal unterstützt.