Winnenden

Eine kleine Pizzeria rollt durch Winnenden, Leutenbach und Schwaikheim

Pizza-Mobil
In diesem Lieferwagen bäckt Dennis Kleefeld direkt vor dem Haus eines Pizzabestellers. © Gabriel Habermann

Sich Pizza für den Fernsehabend nach Hause oder auch zur Nachtschicht liefern lassen, dieser Service ist allseits bekannt. Man kann sich auch selbst ins Auto setzen und den belegten Hefeteigfladen im Ristorante oder am Automaten abholen. Doch seit einem Jahr gibt es in Deutschland auch Pizza-Mobile. Es sind Foodtrucks, die mit Elektrobackofen, Tiefkühltruhe, Kühlschränken, Waschbecken und edelstahlglänzender Arbeitsfläche fürs Zubereiten frischer Pizzen ausgestattet sind. Der Bäcker ist auch der Fahrer und überdies sein eigener Chef. Dennis Kleefeld zum Beispiel, 19 Jahre jung. „Ich habe mich im August selbstständig gemacht als Franchisenehmer von Fabio Gandolfo“, erzählt der Remshaldener, der seinen Firmensitz in Leutenbach hat. Neben der Nellmersbacher Oldtimerwerkstatt hat er eine nagelneue Garage mit Strom- und Wasseranschluss gemietet. Dort reinigt er seine rollende Pizzeria abends, befüllt morgens alles frisch und startet dann zu festen Standorten (vor Supermärkten, auf Wochenmärkten) oder zu den Personen oder Firmen, die bei ihm vorbestellt haben.

Im Ofen befinden sich Steinplatten zum Herausziehen

Dieses Mal ist die Winnender Zeitungsredaktion die Kundschaft. Dennis Kleefeld hat Glück, findet gleich vor dem Hairkiller-Friseur an der Wallstraße einen Parkplatz und fängt an, aus zwei Teigkugeln das Mittagessen für die Redakteure zu machen. Ruck, zuck sind sie mit dem großen Wellholz ausgerollt, mit Tomatensoße bestrichen und schön dick mit Käse belegt. Für den Herrn gibt’s Salamischeiben, die Dame wählte vegetarisch, dafür holt Dennis Kleefeld eine Tüte gemischtes Tiefkühlgemüse heraus und streut Paprika, Zucchini, Auberginen großzügig auf den Käse. Mit etwas Knoblauchöl bekommt diese Variante noch etwas Pep und Schärfe, auch Zwiebeln wären als zusätzliche Komponente noch spontan denkbar gewesen.

Der Ofen hinter Dennis Kleefeld heizt derweil vor, statt Metallblechen befinden sich darin herausziehbare Steinplatten! Die ersten Pizzen des Tages backen darauf etwa in fünf Minuten schön knusprig, wenn der Ofen im Dauerbetrieb ist, dauert’s nur noch drei Minuten. „Ich kann darin zehn kleine oder fünf große Pizzen mit 38 Zentimeter Durchmesser gleichzeitig machen“, sagt Dennis Kleefeld. Wenn Corona irgendwann mal in Schach gehalten werden kann und es wieder große Veranstaltungen, Feiern und Festivals gibt, ist das Pizzamobil für einen größeren Andrang perfekt ausgerüstet. „Für solche Fälle habe ich dann einen Mitarbeiter, zusammen können wir bis zu 80 Personen verköstigen.“

In Supermärkten und in der Systemgastronomie gejobbt

Dennis Kleefeld hat in Remshalden seinen Realschulabschluss gemacht und seit seinem 16. Lebensjahr in verschiedenen Lebensmittelberufen gejobbt, im Supermarkt, als Jugendschutztester und in einer Systemgastronomie im Stuttgarter Milaneo, die er mittags auch ganz allein bewältigt hat. Familiär vorgeprägt ist er diesbezüglich nicht, der Vater ist Schlosser und arbeitet als Maschinenbediener, die Mutter ist Hausfrau und jobbt inzwischen in Biomärkten.

Eine Ausbildung hat der schlanke junge Mann nicht. Aber er hat sich den Franchisegeber Fabio Gandolfo, den schlagersingenden Pizzabäcker und Erfinder des Pizzamobils, genau angeschaut – und der ihn. „Ich durfte mehrere Tage in Fulda in seinen Restaurants mithelfen, und dessen Pizzabäcker zeigte mir, wie’s geht.“ Auch bei einer Frau in Wertheim arbeitete Dennis Kleefeld drei Wochen mit, sie war vor einem Jahr die erste Pizzamobilistin und hat inzwischen zwei Fahrzeuge am Start. Die ersten Monate liegen nun hinter Dennis Kleefeld, es lief gut an. „Die meisten Kunden ahnten gar nicht, dass ich direkt mit dem Truck komme – und die meisten fragen dann, ob ich aus Hamm komme.“ Das Kennzeichen wird der 19-Jährige bald ändern, noch hat er den 3,5-Tonner vom Fahrzeugausstatter gemietet, bald will er den Wagen finanzieren und mit WN- oder BK-Schild versehen.

„Ich finde es toll, mein eigener Chef zu sein und mit vielen verschiedenen Leuten in Kontakt zu kommen“, glaubt Dennis Kleefeld, das Richtige für sich gefunden zu haben. Schwierig ist für ihn indes noch der Umgang mit enttäuschten Kunden. „Es kam schon öfter vor, dass Leute spontan am Telefon bestellen wollten. Aber wenn ich durch Vorbestellungen dann schon zu bestimmten Adressen fahren muss, kann ich sie eben nicht einfach mit aufnehmen.“ Dafür fehlte bisweilen den Anrufern das Verständnis, und wenn sie sich dann noch mit einer negativen Internetbewertung rächten (obwohl diese Leute die Pizza ja nicht probiert hatten), war wiederum Dennis Kleefeld ziemlich geknickt.

Der Geschmackstest unserer Zeitung indes fällt positiv aus, die Pizza ist lecker. Wer probierfreudig ist, für den gibt es immer wieder Neues. Zurzeit eine Gourmet-Variante mit Ziegenkäse, Feigen und gerauchtem Schinken. Oder eine süße Variante mit Nutella und Smarties. Fabio Gandolfo denkt sich immer wieder etwas aus, sei es die Herzform-Pizza für romantische Abende oder die vegane Pizza mit pflanzlichem Ersatzkäse.

Sich Pizza für den Fernsehabend nach Hause oder auch zur Nachtschicht liefern lassen, dieser Service ist allseits bekannt. Man kann sich auch selbst ins Auto setzen und den belegten Hefeteigfladen im Ristorante oder am Automaten abholen. Doch seit einem Jahr gibt es in Deutschland auch Pizza-Mobile. Es sind Foodtrucks, die mit Elektrobackofen, Tiefkühltruhe, Kühlschränken, Waschbecken und edelstahlglänzender Arbeitsfläche fürs Zubereiten frischer Pizzen ausgestattet sind. Der Bäcker ist auch

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