Winnenden

Erich Wahlenmeier will nur noch in der Werkstatt hinter "Raumausstattung Sauer" arbeiten

wahlenmeier
Ulrike und Erich Wahlenmeier übergeben das Geschäft „Raumausstattung Sauer“ zum Jahresende in jüngere Hände. Und wie geht es für die beiden weiter? © Benjamin Büttner

Eine größere Veränderung im Geschäftsleben der Stadt kündigt sich an, und sie betrifft alle, die Teppichböden, Gardinen und Rollos, Tapeten und Parkett von hoher Qualität und eingebaut oder angebracht von einem Meisterbetrieb zu schätzen wissen. Kurzum alle, die renovieren oder ihre neue Wohnung ausstatten wollen, oder diejenigen, die ein gebrauchtes Wohnmobil oder einen Wohnwagen frisch polstern und mit modernen Stoffen beziehen lassen wollen. Also: Erich Wahlenmeier und seine Frau Ulrike, beide 59 Jahre alt, übergeben am Jahresende das Fachgeschäft „Raumausstattung Sauer“ an einen neuen Inhaber, Jürgen Gal.

„Es war ein Glücksfall für diesen Handwerkerbetrieb, einen Nachfolger zu finden“, sagt Erich Wahlenmeier. Noch bis Samstag, 19. Dezember, sind er und seine Frau in den Verkaufsräumen an der Ringstraße, Ecke Wilhelmstraße, zwischen Kronenplatz und Aral-Tankstelle, persönlich anzutreffen. Bis dahin gewähren sie auf alle Waren aus dem Bestand 40 Prozent Rabatt. „Wir haben vereinbart, dass Herr Gal die Lagerware nicht übernimmt“, sagt Ulrike Wahlenmeier. Das ist in ihren Augen fair und sinnvoll, denn der frühere Lehrling, der seit 17 Jahren sein eigenes Unternehmen in Winnenden hat, möchte mit neuer Ware und so, wie es ihm vorschwebt, im Januar neu starten. Übrigens wird dann auch der Name „Sauer“ für das Geschäft Geschichte sein. „Wir hatten ihn beibehalten, weil das 1931 durch Hermann Sauer gegründete und 1961 von Helmut Sauer übernommene Geschäft einfach eine Institution in Winnenden ist.“ Lachend ergänzt Ulrike Wahlenmeier, dass sie, vor allem aber ihr Mann, deshalb bis heute immer wieder als Frau und Herr Sauer angesprochen werden ...

Seit der Ausbildung eng mit dem Betrieb verbunden

Immerhin arbeitet Erich Wahlenmeier nun aber auch schon 43 Jahre im Laden und seinen Werkstätten. Er hat hier 1978 seine Raumausstatter-Ausbildung begonnen – und ist Winnenden treu geblieben. 1985 machte er den Meisterbrief (gefolgt 1996 vom Parkettleger-Meisterbrief). Dazwischen aber tat sich viel, das Unternehmen wuchs und ging sozusagen schleichend an Erich Wahlenmeier über: 1992 gründete er die Sauer-Bodenbeläge GmbH und übernahm die Geschäftsführung der Raumausstattung. In diesem Jahr stieg auch Ulrike Wahlenmeier mit ein.

1998 hat Helmut Sauer den Betrieb komplett an Wahlenmeier übergeben. Witzigerweise fing genau in diesem Jahr Jürgen Gal seine Ausbildung an der Wilhelmstraße an, der jetzige Nachfolger. Ist ja fast unheimlich, wie sich alles im Rückblick gefügt hat! „Die Geschichte wiederholt sich“, sagt Ulrike Wahlenmeier lachend.

Das zweite Standbein hat mit Kärcher zu tun

Und so kann der im Dezember 60 werdende Erich Wahlenmeier auch sein Vorhaben in die Tat umsetzen, dass er mit Erreichen dieses runden Geburtstags aufhört. Geht er wirklich ganz, sagt Winnenden Adieu, kümmert sich nur noch um die vier, bald fünf Enkelkinder, den Garten und das Gewächshaus und darum, was er aus dem selbst gezogenen Gemüse am Abend Schönes kochen wird? Oder sattelt er mit seiner Frau für einige Wochen oder Monate das Wohnmobil und sagt: Wir sind dann mal weg? Erich Wahlenmeier lächelt sein stilles, unaufdringliches, uneitles Lächeln und sagt: „Noi“. A bissle Arbeit darf’s no sei. In zwei Werkstatträumen im rückwärtigen Teil des Gebäudes entwickelt Erich Wahlenmeier Prototypen oder stellt Kleinserien für die Firma Kärcher und Kärcher Futuretech her. „Die Geschäftsbeziehung geht auf Hermann Sauer und Alfred Kärcher zurück“, erzählt der 59-Jährige. „Wir machen Filter und Beutel für Staubsauger und Planenteile, zum Beispiel Abdeckungen.“ Dieses zweite Standbein der Familie Wahlenmeier wird den Namen „Sauer“ beibehalten, ein Mitarbeiter und ein Lehrling aus der bisherigen Mannschaft werden hier übernommen.

„Die anderen neun Mitarbeiter und den zweiten Lehrling übernimmt Herr Gal“, sagt Erich Wahlenmeier. „Es ist mir sehr recht, dass ich nach 28 Jahren die große Verantwortung für die vielen Mitarbeiter abgeben kann.“ Da auch er nicht jünger werde, sei es zunehmend „hart, jede Stunde einen anderen Termin zu haben und zwischendurch Kunden im Geschäft zu bedienen“. Vor allem wenn bei der Montage beim Kunden vor Ort mal irgendetwas klemmt, ein Teil fehlt oder sich aus sonstigen Gründen hinauszögert, kommt das ganze eng gezurrte Zeitgerüst durcheinander und sorgt für Hetzerei und Stress.

Der Chef fühlt sich gerade wie ein Sänger auf Abschiedstournee

Diese Lösung, sich auf einen Teil des früheren Geschäfts zurückzuziehen, hat durchaus Charme. „In kleinem Umfang kann ich Herrn Gal noch helfen“, sagt Erich Wahlenmeier. Auf keinen Fall aber wird er größere Aufträge übernehmen. „Seit die Stammkunden wissen, dass ich aufhören will, sagen manche: , Ich kaufe die Markise nur, wenn Sie sie noch montieren!’“, erzählt der 59-Jährige lachend. Er versteht das aber nicht als Erpressung, sondern dass Raumausstattung auch viel mit Vertrauen zu tun hat: „Du kommst in Haus und Wohnung der Kunden überallhin, viele geben dir außerdem den Schlüssel, wenn etwas zu renovieren ist und sie nicht da sind. Das ist nicht selbstverständlich und muss man sich erarbeiten.“

Engagement in und für die Stadt ist für ihn selbstverständlich

Schade findet Erich Wahlenmeier, dass er das 90-Jahr-Jubiläum der Firma nun nicht mehr feiern wird. Nett sei hingegen, dass einige Kunden und in der Stadt wichtige Rollen einnehmende Menschen gezielt vorbeikommen, um sich von ihm zu verabschieden. „Ich komm' mir vor wie ein Sänger auf der Abschiedstournee“, witzelt der Handwerksmeister. Doch es ist ja auch so, dass er sich nicht nur in 18 Jahren als Innungs-Obermeister seine Meriten in der Branche verdient hat. Er gab auch Stadt und Bevölkerung etwas von seinem Können, engagierte sich kräftig ehrenamtlich beim 800-Jahr-Jubiläum und dem deshalb veranstalteten Mädlesfest, setzte eine alte Sattlerwerkstatt auf einen Heuwagen und half im Vorfeld den Kostümschneiderinnen mit seinen Profimaschinen aus. In der Folge wurde er auch noch Vorleser bei „Winnenden liest“. Das war 2012. Und auch jetzt ist das Kreativteam mit Herz da, wenn man es braucht: Zu Beginn der Corona-Pandemie stellten die Raumausstatter in kürzester Zeit waschbare Schutzkittel, Hauben und Alltagsmasken aus Stoff her, um dort zu helfen, wo’s an diesen Materialien klemmte.

Eine größere Veränderung im Geschäftsleben der Stadt kündigt sich an, und sie betrifft alle, die Teppichböden, Gardinen und Rollos, Tapeten und Parkett von hoher Qualität und eingebaut oder angebracht von einem Meisterbetrieb zu schätzen wissen. Kurzum alle, die renovieren oder ihre neue Wohnung ausstatten wollen, oder diejenigen, die ein gebrauchtes Wohnmobil oder einen Wohnwagen frisch polstern und mit modernen Stoffen beziehen lassen wollen. Also: Erich Wahlenmeier und seine Frau Ulrike,

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