Winnenden

Für 5 600 Euro bei Zalando bestellt und nie bezahlt

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Der Mann hatte Frauensachen bestellt, um seine Ex-Freundin zurückzugewinnen. Symbolbild. © Lilienthal / ZVW

Waiblingen/Winnenden. Beim Internet-Modehändler Zalando hat ein 32-jähriger Winnender innerhalb von zwei Jahren Schuhe, Hosen, T-Shirts bestellt und nicht bezahlt. Macht 5 600 Euro Schaden. Der Kfz-Mechaniker war vor Gericht geständig und hielt seine mitangeklagte Freundin heraus. Richterin Dr. Bidell verurteilte nur ihn zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und 80 Arbeitsstunden.

„Das ist ein sehr mildes Urteil!“, sagte die Staatsanwältin mit mahnender Stimme in Richtung des Angeklagten. Sie hatte ein Jahr und drei Monate Haft auf Bewährung gefordert. Beide Seiten verzichteten auf weitere Rechtsmittel, so dass das Urteil gleich wirksam wurde.

Die Richterin befand zwar, dass der Betrug am Online-Versandhändler sehr wohl gewerbsmäßig war, obwohl die Polizei dem Mann und seiner Lebensgefährtin keinen Handel mit den ergaunerten Hosen, Shirts und Schuhen nachweisen konnte. „Sie haben mit den nicht bezahlten Kleidern Ihre Bedürfnisse gedeckt, und das in einer hohen Frequenz und mit hohem Schaden“, begründete Dr. Bidell. Doch sie blieb beim milden Urteil, weil der 32-Jährige nicht wegen Betrugs vorbestraft war. Wegen anderer Delikte aber schon: Körperverletzung, Widerstand gegen Polizisten, Erschleichen von Leistungen. Insgesamt sieben Einträge wies sein Führungszeugnis vor dem Prozess am Waiblinger Amtsgericht auf.

Dr. Bidell folgte in ihrem Urteil der Forderung des Rechtsanwalts. Er hatte einen Strafrabatt verlangt, weil es mit zwei Jahren unverhältnismäßig lang gedauert habe, bis es zum Prozess kam. Fast so lange waren Kleidungsstücke, Laptop und iPhones der Angeklagten konfisziert.

14 Bestellungen verweigert, 33 portofrei zugestellt

Allerdings hat der Versandhändler selbst schwerfällig auf die Betrugsmasche reagiert. Der Winnender bezahlte seine Rechnungen seit 14. Februar 2012 nicht, erst zwei Jahre später erstattete die Firma Anzeige. In dieser Zeit schickte sie dem Mann portofrei 33 Pakete, in denen sich Waren im Wert von 50 bis 700 Euro befanden. Vorsicht, Ironie: Da kommt einem Ladendiebstahl beinahe wie harte Arbeit vor.

Die Kontostände des Angeklagten aus dem Tatzeitraum lagen immer bei plus/minus Null, daraus folgerte die Staatsanwältin: „Sie haben auf zu großem Fuß gelebt, waren weder zahlungsfähig, noch -willig.“ Als Beleg führt sie außerdem an, dass der Mann sechsmal seine E-Mail-Adresse geändert hat, um den automatisch ausgelösten Sperrvermerk bei dem Mode-Versender zu umgehen. „Das nenne ich planvolle kriminelle Energie.“ Die neuen Namen hätten mit seinem wirklichen Namen nichts gemein gehabt. In der Verhandlung gab der Mann die Verschleierungstaktik zu.

Die geschädigte Firma oder ihre Computer durchschauten den Winnender immerhin in 14 Fällen und schickten auf die Bestellung keine Waren raus – sie werden als Betrugsversuche gewertet.

Weil er sich etliche Frauensachen schicken ließ, war auch die in Winnenden wohnende Freundin des Betrugs angeklagt. Der 32-Jährige versicherte aber glaubhaft, dass sie im Tatzeitraum getrennt gelebt hatten und er ihr immer wieder Kleider schenkte, um sie zurückzugewinnen. Vor der Trennung sei es sehr stressig für die Beziehung gewesen, weil er auf die Meisterschule ging. Während der Trennung lebte der Mann bei seinen Geschwistern in Winnenden. „Ich habe damals noch Geld verdient, aber irgendwann den Überblick verloren. Ich habe die Sachen allein bestellt und sie wusste nicht, dass ich sie nicht bezahlt habe.“ Die Aussage des Mannes führte zum Freispruch seiner Freundin.

Das Paar ist seit anderthalb Jahren wieder zusammen, seitdem ist der Mann arbeitslos, erhält aber kein Hartz IV, da seine Freundin eine Arbeit hat.

Wo bleibt die Ware?

Bei der Durchsuchung der Wohnung der Angeklagten fand die Winnender Polizei fast alle der 55 Kleidungsstücke und Schuhe, die nicht bezahlt wurden.

Ein Paar Stücke befanden sich am Tag des Prozesses noch beim Angeklagten zu Hause, sie waren bei der Durchsuchung in der Wäsche oder im Übergangsdomizil des Angeklagten.

Jener vermisst allerdings sechs Paar Schuhe, die ihm gehören, die er einst bezahlt hat.

Beide Angeklagte verzichten auf alle unbezahlten Stücke. Die Staatsanwältin verlangte, dass die noch fehlenden Kleider unverzüglich im Polizeirevier gegen die Privatschuhe des Angeklagten ausgetauscht werden.

Beweismittel werden normalerweise nach Abschluss eines Verfahrens an den Besitzer zurückgegeben. Doch die geschädigte Firma kann die Kleidung nach vier Jahren nicht mehr verkaufen. Die getragenen und nicht mehr top aktuellen Stücke werden weiterverwertet oder notfalls vernichtet.