Winnenden

Familie Altieri backt im Ristorante Italia im SV-Vereinsheim in Hertmannsweiler Pizzen, wie sie sein sollen

Mittagstisch Pizzeria Italia
Maddalena (rechts) mit dem Pizzaschneider. © ALEXANDRA PALMIZI

Geschichten gibt’s, da passt einfach alles: Maddalena und Vincenzo Altieri sind im selben kleinen Ort in der süditalienischen Region Basilikata aufgewachsen, beide entstammen gastronomischen Familien, kennengelernt haben sie sich aber erst in Deutschland. Gefunkt hat es - wie könnte es auch anders sein - in einem Restaurant, in dem beide zur selben Zeit gearbeitet haben, ohne voneinander zu wissen.

Damit die Reporterin weiß, worüber sie schreibt, muss es eine „Margherita“ sein. Ganz „ohne alles“ auf der Pizza kann ich mich auf den puren Geschmack von geschmolzenem Mozzarella-Käse auf Tomaten konzentrieren, mein Gaumen wird auch beim Testen des Teigs nicht abgelenkt. Gerade wenn ich eine Pizzeria noch nicht kenne, bestelle ich gern eine Margherita, weil ich so auch am meisten vom Geschmack des Teigs mitbekomme, an dem sich das Können des Kochs und die Feinheit der Küche meist schon gut erschmecken lassen.

Dieser hier ist einwandfrei: Der Geruch nach frischer Hefe geht vor der ganzen, ebenfalls wohlduftenden Knusprigkeit nicht verloren. Der Rand ist nicht zu hoch. Ihm gilt bei jeder Pizza, die ich verspeise, mein erster Biss - am liebsten, wenn er noch richtig heiß dampft. Im Zentrum der Pizza sammelt sich tomatig-fruchtige Saftigkeit, wie es sich gehört. Ich säbele ein Dreieck heraus, nehme es in die Hand, und die Spitze klappt im heißen Zustand um, kurz abgekühlt bleibt sie waagrecht stehen - so soll es sein. Den Pizzateig, sagt Vincenzo Altieri, stelle er täglich selbst her; die Frische, ergänzt seine Frau Maddalena, sei ihnen bei allen Zutaten das Wichtigste.

Sie kennen sich seit der Kindheit, doch der Zufall führte sie zusammen

Das Ehepaar betreibt seit 2014 das Restaurant im Vereinsheim des SV Hertmannsweiler. Zur Mittagszeit gibt es neben Nudeln täglich drei wechselnde Pizzen, eine davon sei immer die Margherita. Auch wenn bundesweit die Salamipizza die meistgeorderte ist: „Bei uns geht Margherita am besten, deshalb gibt es sie jeden Tag“, betont das Ehepaar Altieri.

Dass die zwei hier gelandet sind, dafür brauchte es ein paar Zufälle. „Schon meine Vorfahren waren Gastronomen in Italien“, erzählt Küchenchef Vincenzo Altieri. Der Kochberuf sei ihm in die Wiege gelegt worden: Bis auf wenige Jahre als Fabrikarbeiter sei sein Arbeitsplatz die Küche. Dasselbe Gastro-Gen hat Maddalena Altieri vererbt bekommen. Eines Tages liefen sich die beiden über den Weg - im Restaurant seines Onkels. „Sie suchten gerade dringend eine Kellnerin“, erzählt Vincenzo Altieri. Er habe große Augen gemacht, als die neue Kollegin dann gefunden war und vor ihm stand. „Ja, was machst du denn hier?“, habe er sie gefragt. Und sie - ebenso verdutzt - habe geantwortet: „Ja wie, du auch hier?“ Denn die beiden kennen sich aus Kindertagen, haben sich nach der Schule aber aus den Augen verloren.

Die erste eigene Pizzeria eröffneten sie in Pforzheim

Das Leben habe sie wieder zusammengeführt: „Ich wusste, dass es seine Verwandten waren, aber hatte keine Ahnung, dass er zum selben Zeitpunkt dort arbeitet wie ich“, versichert sie. Geheiratet wurde 1991 in Markgröningen, im selben Jahr haben sie ihre erste gemeinsame Pizzeria in Pforzheim eröffnet, und auch Tochter Donata wurde geboren, zwei Jahre später Tochter Filomena, die heute im elterlichen Restaurant mitarbeitet. Auch der Schwiegersohn zählt zum Team, das sich als klassischen Familienbetrieb einstuft.

Nesthäkchen Luigi ist elf und natürlich schon ein großer Pizza-Fan. Die aus dem Ofen vom Papa schmecken ihm am besten - nicht nur ihm. „Wir haben Gäste aus der Kernstadt und aus Nachbargemeinden“, so Maddalena Altieri. Am Mittag eine Pizza - dieses schmackhafte Stück Italien auf die Hand zählt zu einer der schnellsten und beliebtesten Möglichkeiten, satt zu werden und möglichst viel von der Mittagspausenzeit zu haben. „Es geht schnell, ich weiß, dass alles aus frischen Zutaten gemacht ist und dass Preis und Leistung stimmen“, sagt Stammkundin Daniela Bielecki, die als Übersetzerin beim Pressegespräch mitwirkt.

Nach Corona gibt’s auch wieder Fleisch, Fisch und Spezialsoßen

Bei Auftritten und Proben der Hertmannsweilermer Theatergruppe „’s Hemmelreich Komedle“ bewirtet Familie Altieri die Crew und Besucher, darüber konnten sie viele Kontakte knüpfen, den Bekanntheitsgrad stärken und stetig erweitern. Aus vielen Gästen sind Freunde geworden. Was Daniela Bielecki als angenehm empfindet: „Sobald der Küchenchef Zeit hat, kommt er in den Speiseraum, um die Gäste persönlich zu begrüßen und zu plaudern oder anzustoßen.“

Während ihr „Ristorante Italia“ coronabedingt geschlossen ist, ist Pizza im Karton „to go“ erhältlich. Sobald wieder ganz normaler Restaurantbetrieb herrscht, bekommt der Gast dort die klassische Bestellung „Nummer 22 mit doppelt Käse bitte“ ebenso wie gängige typische italienische Fleisch- und Fischgerichte. Für regelmäßige Aktionswochen kramt der Küchenchef traditionelle Gerichte aus der Heimat hervor - etwa die „Öhrchen-Nudeln“ Orecchiette mit einer Soße aus der Rohwurst „Salsiccia“ und „Cima di rapa“ - eine Spezialität aus Apulien auf Basis der Speiserübe Rübstiel. „Darüber freuen sich die Winnender Italiener“, sagen Altieris.

Wem Margherita gewidmet ist – eine kleine Pizzageschichte

Die meisten Schwaben bleiben ihrer Margherita von Altieris treu, die auch nicht von schlechten Eltern ist: Ende des 19. Jahrhunderts schaffte sie es gar in die kulinarischen Hitlisten des Adels. Blättert man in der Geschichte der Pizzaherstellung, so geht der beliebte Teigfladen „ganz ohne alles“ auf den Pizzabäcker Raffaele Esposito aus Neapel zurück. Er soll sie am 11. Juni 1889 erstmals in den italienischen Nationalfarben belegt haben, mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum, und ihr den Namen „Margherita“ gegeben haben - benannt nach der amtierenden Königin. Ihre Majestät Margherita soll derart begeistert gewesen sein, dass die Pizza als salonfähig für den Adel erklärt wurde, wie viele Quellen im Internet es festhalten.

Geschichten gibt’s, da passt einfach alles: Maddalena und Vincenzo Altieri sind im selben kleinen Ort in der süditalienischen Region Basilikata aufgewachsen, beide entstammen gastronomischen Familien, kennengelernt haben sie sich aber erst in Deutschland. Gefunkt hat es - wie könnte es auch anders sein - in einem Restaurant, in dem beide zur selben Zeit gearbeitet haben, ohne voneinander zu wissen.

Damit die Reporterin weiß, worüber sie schreibt, muss es eine „Margherita“ sein. Ganz

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