Winnenden

Fehlplanung wird wohl Versicherungsfall

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Die Kosten dafür, dass nachträglich die vorgeschriebene Höhe von 4,50 Meter erreicht wird, muss das Architekturbüro tragen. © Büttner / ZVW

Schwaikheim. Ein bisschen druckste die Vertreterin des Architekturbüros auf die Nachfrage von Alexander Bauer, SPD, herum, wer für die entstehenden Mehrkosten beim zu niedrigen Verbindungssteg zwischen Übungsturm und neuem Feuerwehrgerätehaus aufkommen muss. Es werde wohl ein Fall für die Versicherung ihres Büros, so ihre Ankündigung. Ortsbaumeister Rolf Huber stellte klar: Das Büro habe zugesichert, dass es, wenn es verantwortlich sei für den Fehler, die Mehrkosten übernimmt.

Dass die Planer den Fehler angerichtet haben, daran hat Huber selbst keine Zweifel. Die Vertreterin des Büros führte zwar aus, dass der Steg die Minimalhöhe durchaus auf einer Fahrspur erreiche, 4,50 Meter lichte Höhe, in Richtung Industriegebiet, auf der anderen Seite aber eben nicht. Dieses „Halb und halb“ nützt aber nichts. Die Vorgabe lautet 4,50 Meter unter klassifizierten Straßen (hier eine Kreisstraße) und zwar durchgehend. Es läuft vorbehaltlich des Ergebnisses der anhaltenden Prüfung wohl darauf hinaus, dass die Straße aufgegraben wird. Änderungen am Steg oder an den beiden Bauwerken kommen nicht infrage. Die Mehrkosten, derzeit noch nicht abzuschätzen, werden nicht zulasten der Gemeinde gehen. Das ist insofern wichtig, als im Gemeinderat einige Bürgervertreter strikte Einhaltung des Kostenrahmens einfordern.

Bislang Kostenüberschreitung von etwa fünf Prozent

Die Gemeinde hat mittlerweile weitere Aufträge für das neue Feuerwehrgerätehaus vergeben, zuletzt die für die Landschafts- und Verkehrswegearbeiten. Im Gemeinderat sorgten die voraussichtlichen Mehrkosten dort ebenfalls für Rückfragen an das planende Architekturbüro. Auf die öffentliche Ausschreibung hin hatte es zwei Angebote gegeben. Das günstigere liegt zwar knapp 30 Prozent unter dem anderen, mit etwa knapp 365 000 Euro, andererseits aber etwa zehn Prozent über der Kostenberechnung der Planer. Allerdings waren laut diesem in der Berechnung Bauleistungen mit Kosten von rund 14 000 Euro in dieser noch nicht enthalten. Wenn man das rausrechne, bleibe noch ein Plus von etwa sieben Prozent. Bei den Arbeiten gehe es um deutlich mehr Retentionsmaßnahmen als bislang angenommen, die es wegen des schlechten Bodens auf dem Areal brauche. Wobei das Preisniveau seit langem hoch sei, weil die betreffenden Baufirmen gut ausgelastet seien. Es sei schwer, überhaupt Angebote zu bekommen.

Kölz mahnt zur Kostendisziplin

Dass die Preise auf dem Bau davongaloppieren, sei nichts Neues, erwiderte Wolfgang Kölz, CDU-FB, der zum wiederholten Male Kostendisziplin anmahnte. Wenn es an einer Stelle Mehraufwand gebe, sei es Aufgabe der Planer und der Gemeinde, dann eben an anderer Stelle gegenzusteuern. Man sei mittlerweile bei über 95 Prozent der Vergaben angelangt und liege derzeit bei einer Kostenüberschreitung von etwa fünf Prozent, was bei einem Vorhaben in dieser Größenordnung durchaus üblich sei, entgegnete das Architekturbüro.

Für die Rohbauarbeiten steht die Abrechnung noch aus

Es gebe aber noch einen wesentlichen Unsicherheitsfaktor, die Abrechnung für den großen Brocken Rohbauarbeiten stehe noch aus. Die betreffende Firma habe aber signalisiert, dass sie im Bereich der Vergabesumme liegen werde. Es stünden noch die Vergaben für Schreinerarbeiten und die Möbel aus. Man habe ja bereits etwa 10 000 Euro eingespart, beim Steg zwischen dem Feuerwehrgerätehaus und dem Turm auf der anderen Straßenseite. Bei den Landschaftsarbeiten gebe es kaum Möglichkeiten einzusparen, zumal diese bereits Ende September beginnen sollen. Der Fertigstellungstermin, Ende 2019, stehe aber unverändert, versicherten die Planer.


Estrich statt Rüttelklinker

Drei andere Gewerke hatte der Gemeinderat zuvor vergeben, bei denen die jeweils günstigsten Angebotssummen insgesamt rund 5000 Euro unter der Summe der Kostenschätzungen liegen. Die Fliesen- und Plattenarbeiten waren jeweils öffentlich ausgeschrieben. Beim ersten Los kamen sechs Angebot, das günstigste liegt mit rund 116 000 Euro knapp acht Prozent Euro über der Kostenschätzung des Architekturbüros. Beim zweiten Los, ebenfalls für Fliesen- und Plattenarbeiten in der Fahrzeughalle, kamen zwei Angebote, das günstigste ist mit 43 000 Euro fast um die Hälfte günstiger als die Kostenschätzung. Grund ist, dass, nach Absprache mit der Feuerwehr, statt, wie ausgeschrieben, im Lagerbereich statt Rüttelklinker Estrich eingebaut wird, was dort ebenso gut funktioniere, also keine Qualitätseinbuße bedeute, so die Planer. Bei den Maler- und Lackierarbeiten, wo es fünf Angebote gab, liegt das günstigste mit rund 34 500 Euro knapp 34 Prozent über dem Kostenansatz des Architekturbüros. Grund ist laut diesem, dass mehr Aufwand erforderlich ist als zunächst angenommen.