Winnenden

Feuerwehr Backnang übt für radioaktive Unfälle

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Messgeräte für den Strahlenschutz: In Backnang steht ein Notfallcontainer, den Rettungsdienste in Katastrophenfällen vor Ort fahren können. © Feuerwehr Backnang

Backnang. Bei der Feuerwehr in Backnang steht seit neuestem eine Notfallstation: Sollte es zu einer radioaktiven Verseuchung kommen, wird dieser Container auf einen Lkw geladen und vor Ort gebracht. Wie bei solchen Gefahren vorzugehen ist, lernten Feuerwehrleute von einem Strahlenschutzspezialisten aus Speyer.

Zu den Aufgaben der Feuerwehr gehört es nicht nur, Feuer zu löschen und Menschen aus verunfallten Fahrzeugen zu retten. Auch für Unfälle mit gefährlichen Stoffen müssen die Männer und Frauen gerüstet sein – und dazu gehört auch Radioaktives. Denn mit zunehmenden Transporten auf Straße und Schiene steigt auch das Risiko eines Zwischenfalls.

Im Katatsrophenfall wird der Container zum Unfallort gefahren

Im Bereich des Strahlenschutzes ist die Feuerwehr Backnang besonders ausgestattet. Neben Material zum Nachweis von Strahlung und zur Reinigung von radioaktiv kontaminierten Einsatzkräften, ist in Backnang auch ein sogenannter Abrollbehälter „Notfallstation“ stationiert. Notfallstationen sind Einrichtungen des Katastrophenschutzes, die bei einem Unfall mit Austritt radioaktiver Strahlung zum Einsatz kommen. Es handelt sich um Container, die mit Gerätschaften und Ausrüstung beladen ist. Im Katastrophenfall wird der Container auf einen Lkw verladen, zum Bestimmungsort gefahren, dort abgeladen und aufgebaut. In der Backnanger Notfallstation befindet sich unter anderem umfangreiche Messtechnik, die radioaktive Stoffe erkennt. Im Fall eines kerntechnischen Unfalls können betroffene Personen damit auf mögliche Kontamination geprüft und versorgt werden. Auch kann die Strahlenbelastung damit eingeschätzt werden. Aufgebaut und betrieben wird eine solche Notfallstation von Ehrenamtlichen der Hilfsorganisationen, die im Bevölkerungsschutz mitwirken. Das sind die Feuerwehren, das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst sowie bei Bedarf das Technische Hilfswerk.

Eine von elf Notfallstationen steht in Backnang

Elf solcher Stationen, so eine Pressemitteilung des Landratsamts, hat das Land Baden-Württemberg angeschafft – die Feuerwehr Backnang hat eine. Baden-Württemberg ist das erste Bundesland, das die Empfehlungen der Strahlenschutzkommission umsetzt. Die Anschaffung der Stationen ist Teil der Planungen zum Notfallschutz, die die Bundesländer nach der Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima angepasst haben.

Wer eine solche Notfallstation vor Ort hat, muss sie auch bedienen können. Marc Vidmayer, Sachverständiger für Strahlenschutz, Ausbilder an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz und Fachberater der Feuerwehr Speyer im Bereich Strahlenschutz unterwies rund 25 Frauen und Männer aus Backnang, Fellbach und Winnenden auf dem Gelände der Feuerwehr Backnang.

Geringes Risiko für Unfälle mit Gefahrstoffen im Kreis

Übrigens: Der Rems-Murr-Kreis, so die Backnanger Feuerwehr, habe im Vergleich zu anderen Landkreisen ein verhältnismäßig geringes Risiko für Unfälle mit Gefahrstoffen. Das hätten auch die Einsatzzahlen der vergangenen Jahre bestätigt. Gerade aus diesem Grund sei es jedoch wichtig, sich mit stetiger Übung und Ausbildung auch auf außergewöhnliche Einsatzlagen vorzubereiten.