Winnenden

Flüchtlinge in Sporthalle: Auswirkungen auf Sportverein und Schule in Winnenden

Flüchtlinge
Einzug von Flüchtlingen in die Buchenbachhalle im Jahr 2015. Im November dürfte es wieder so weit sein. © Benjamin Büttner

Die Hiobsbotschaft hat den VfR Birkmannsweiler Ende vergangener Woche erreicht: Wie schon 2015 einmal wird die Buchenbachhalle in diesem Winter als Flüchtlingsunterkunft benötigt. Das bedeutet für den Sportverein: Viele Trainingseinheiten fallen aus, ein Kurs wird womöglich ganz gestrichen, das längst geplante Dorffest im Juni wird abgesagt. Und doch zeigt Vorstandsmitglied Marco Kelch Verständnis für die Nöte der Stadt Winnenden und der Menschen, die hier Asyl suchen: „Es ist doch klar: Bevor die Flüchtlinge im Regen stehen, dürfen sie bei uns unters Dach.“ Das habe der Verein schon vor sieben Jahren so gehandhabt, als die Buchenbachhalle über ein halbes Jahr lang als Notunterkunft diente, und das sei auch dieses Mal so. „Wir fangen darüber ganz sicher keinen Streit an“.

Die Situation erinnert an die Jahre 2015 und 2016

Deutschland erlebt aktuell eine Flüchtlingskrise die an die Jahre 2015 und 2016 erinnert. Eine Hauptursache ist der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Doch auch übers Mittelmeer sind zuletzt wieder viele verzweifelte Menschen nach Europa gekommen. 87 Flüchtlinge muss die Stadt in diesem Herbst aufnehmen, fast doppelt so viele wie noch vor Kurzem angekündigt. Die Kapazitäten sind erschöpft, deshalb wird auf die Notlösung Sporthalle zurückgegriffen. Voraussichtlich im November sollen bis zu 50 Menschen in der Buchenbachhalle ein Lager finden.

Die Halle im Winnender Ortsteil wurde auch deshalb erneut ausgewählt, weil hier mit der größeren Birkmannsweiler Halle eine zweite Sportstätte zur Verfügung steht. Sportunterricht wird deshalb im Winter nicht ausfallen. Das bestätigt Carola Bauer, Rektorin der Grundschule Birkmannsweiler.

„Wir werden unseren Schulsport in der Birkmannsweiler Halle machen“, sagt die Schulleiterin im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Belegung am Vormittag sei kein Problem. Allerdings müssten jetzt die Stundenpläne geändert werden: Aus Einzelstunden würden Doppelstunden, weil der Fußweg zur Sporthalle mit rund 750 Metern deutlich weiter ist als zur benachbarten Buchenbachhalle. Viertklässler bräuchten circa zehn Minuten, Erstklässler womöglich mehr als doppelt so lang. Eine „Herausforderung“ sei das, ja, aber diese hätten Schüler und Lehrer auch vor sieben Jahren schon gemeistert, so Carola Bauer.

Trainingseinheiten werden gestrichen oder gekürzt, ein Kurs fällt wohl aus

Den mehr als 900 Mitglieder starken VfR Birkmannsweiler trifft es da schon härter, wenn die Buchenbachhalle auf unbestimmte Zeit nicht mehr zur Verfügung steht. „Die Halle wird im Winter intensiv genutzt“, sagt Marco Kelch, auch von Kindersportschule und VHS. Die Birkmannsweiler Halle kann das nicht kompensieren.

Beispiele: Eine von drei Trainingsstunden der Oberliga-Tischtennisspieler wird im Winter ausfallen. Die Fußballkinder werden statt 90 Minuten nur noch jeweils 45 Minuten Zeit zum Üben haben. Für den Skigymnastikkurs („unser Beitrag zur Verletzungsprävention beim Skifahren“) ist noch keine Lösung gefunden – vermutlich kann er dieses Jahr überhaupt nicht stattfinden. Und die erwachsenen Fußballer, die weiterhin draußen trainieren, und zwar an der Buchenbachhalle, weil das Spielfeld an der Birkmannsweiler Halle zu empfindlich ist, müssen künftig nach dem Umziehen und vor dem Duschen 700 Meter laufen. „Wünschenswert“ wäre aus Sicht von Marco Kelch und der Fußballabteilung, dass Sanitär- und Umkleidecontainer an der Buchenbachhalle aufgestellt würden für die Sportler.

Das Dorffest für Birkmannsweiler im Juni wird abgesagt

Einen weiteren Wermutstropfen für den VfR, aber auch die weiteren Vereine in Birkmannsweiler, nennt Marco Kelch: „Im Juni wollten wir nach der langen Corona-Zeit wieder ein großes Vereinsfest, eigentlich ein Dorffest, machen, um die Buchenbachhalle herum. Das werden wir nicht durchführen können, obwohl die Planungen schon weit fortgeschritten sind.“

Es würden daher schon vereinzelt Stimmen laut, sagt Marco Kelch, die es unfair finden, dass erneut die Sportlerinnen und Sportler in Birkmannsweiler belastet würden, wie schon 2015. Und auch er mache sich durchaus Sorgen: „Die große Unsicherheit ist ein Problem“, sagt das Vorstandsmitglied – was, wenn dem VfR, der noch dabei ist, sein Vereinsheim abzubezahlen, jetzt die Mitglieder davonlaufen, weil das Sportangebot reduziert wird?

Marco Kelch: Belegung in der Stadt würde „größeren Schaden“ anrichten

Im Vorstand herrsche aber bei allem „Zähneknirschen“ auch „Verständnis“ für die Entscheidung der Stadt. Vermutlich sei Birkmannsweiler mit den beiden Hallen noch die verträglichste Lösung. Die Belegung einer Halle in der Kernstadt würde laut Marco Kelch „größeren Schaden“ anrichten. „Die Stöckachhalle und die Stadionhalle scheiden wegen Schulsport aus“, sagt er. Und die Kärcher-Halle? „Das hätte den gesamten Winnender Handball stillgelegt.“

Noch sind diese Hallen auch für die Stadt keine Option. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Lage nicht noch weiter verschärft.

Die Hiobsbotschaft hat den VfR Birkmannsweiler Ende vergangener Woche erreicht: Wie schon 2015 einmal wird die Buchenbachhalle in diesem Winter als Flüchtlingsunterkunft benötigt. Das bedeutet für den Sportverein: Viele Trainingseinheiten fallen aus, ein Kurs wird womöglich ganz gestrichen, das längst geplante Dorffest im Juni wird abgesagt. Und doch zeigt Vorstandsmitglied Marco Kelch Verständnis für die Nöte der Stadt Winnenden und der Menschen, die hier Asyl suchen: „Es ist doch klar:

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