Winnenden

Getränke Kastner: Abhol-Markt in Stuttgart schließt - Stärkung für den Standort Winnenden

Getränke Kastner
Hans-Peter Kastner in seinem Getränkemarkt in Winnenden-Birkmannsweiler (Archivfoto). © Alexandra Palmizi

Erst vor einem halben Jahr hat Hans-Peter Kastner seinen Getränkemarkt in Schwaikheim dichtgemacht. Jetzt ist auch in Stuttgart-Vaihingen Schluss: Für Donnerstag und Freitag hat Kastner zum Räumungsverkauf geladen. „Time to say goodbye“, schreibt der 45-jährige Geschäftsmann auf der Facebookseite seiner Firma. Doch was bedeutet das für den im Frühjahr eröffneten Abholmarkt in Winnenden-Birkmannsweiler? „Im Endeffekt ist das eine Stärkung für den Standort Birkmannsweiler“, erklärt Hans-Peter Kastner auf Nachfrage unserer Redaktion, „der Abholmarkt wird definitiv weitergeführt.“ Dass sich sein Geschäftsmodell immer mehr in Richtung Onlinehandel beziehungsweise Lieferservice verschiebt, komme dem Markt in Winnenden sogar zugute.

Erst Schwaikheim, jetzt Stuttgart-Vaihingen – was sind die Gründe für die Schließungen?

Als Hans-Peter Kastner im Juni seinen Schwaikheimer Getränkemarkt nach gerade mal zwei Jahren wieder aufgab, nannte er als Hauptgrund die Umgestaltung der dortigen Ludwigsburger Straße: Dauerbaustelle, wegfallende Parkplätze, Verkehrsberuhigung ... Als Händler, der auf Kunden mit Auto angewiesen ist, sehe er die Grundlage für sein Überleben gefährdet. Gut gelaufen sei der Laden bis dahin.

Doch jetzt folgt die nächste Schließung, diesmal in Vaihingen, wo das Familienunternehmen jahrzehntelang aktiv gewesen ist. Der Schritt sei ihm schwergefallen, sagt Hans-Peter Kastner. „Ich bin gebürtig aus Vaihingen, ich bin dort groß geworden. Hätten wir hier eine entsprechende Fläche gefunden, hätten wir Vaihingen nicht verlassen.“

Woran lag's also? Ist das Unternehmen jetzt doch in Schieflage geraten? Womöglich auch der Standort in Winnenden in Gefahr? Nein, erklärt der Geschäftsmann. Es gebe aber mehrere gute Gründe für die Entscheidung, das Geschäft in Vaihingen aufzugeben und sich „auf Birkmannsweiler zu konzentrieren“.

„Akutes Problem, Nachwuchs und Personal zu finden“

Da wäre zum einen der Personalmangel. „Wir haben – wie alle, behaupte ich mal – ein akutes Problem, Nachwuchs und Personal zu finden“, sagt Hans-Peter Kastner. Sowohl er (Reha-Maßnahme) als auch sein Bruder (Schulteroperation), würden im kommenden Jahr aus gesundheitlichen Gründen monatelang ausfallen. „Die nächsten sechs bis zwölf Monate wären mit dem jetzigen Personalstand nicht zu managen. Wir müssten vier Leute einstellen, um uns zwei zu kompensieren.“ Seine Frau, die bislang den Markt in Vaihingen leitet, werde in Birkmannsweiler gebraucht. Zur Erinnerung: Dort hat Kastner im Frühjahr den Getränkemarkt Gaida abgelöst, die Betreiber waren in Ruhestand gegangen.

Der Standort hat gegenüber dem in Vaihingen einen entscheidenden Vorteil: Er ist viel größer. Insgesamt 2800 Quadratmeter Fläche hat Kastner in dem Winnender Teilort zur Verfügung, davon 600 Quadratmeter Verkaufsfläche. In Vaihingen sind es nur 150 Quadratmeter.

„Wie viele Getränkemärkte kennen Sie noch mit 150 Quadratmetern?“, fragt der Unternehmer und wartet die Antwort gar nicht ab: „Die sterben alle aus.“ Was früher möglich war, sei heute undenkbar: „Auf 150 Quadratmetern kannst du das Sortiment, das du heute für einen Fachmarkt brauchst, gar nicht mehr anbieten.“ In Birkmannsweiler umfasse sein Sortiment rund 1100 verschiedene Getränke, in Vaihingen seien es weniger als die Hälfte.

Hinzu kommt: Die Frachtkosten sind stark gestiegen, viele Lieferanten haben ihre Mindestabnahmemenge erhöht. „Früher sind manche Lieferanten mit einer Palette gekommen, heute müssen wir mindestens zwei oder drei Paletten abnehmen. Das schaffe ich in Vaihingen nicht mehr.“

Lieferservice ist „die Zukunft“ – das spricht für den Standort Winnenden

Ein Lager wird Kastner in Vaihingen allerdings weiterhin unterhalten und daraus seinen Getränke-Lieferservice für die Gegend rund um Vaihingen aufrechterhalten.

Diesen Service bietet Kastner auch rund um Winnenden an. Nach eigenen Angaben macht der (mehr und mehr internetbasierte) Lieferservice schon heute rund 70 Prozent des gesamten Umsatzes der Firma aus.

Arbeitsplätze sollen durch die Schließung des Abholmarkts in Vaihingen nicht verloren gehen. Von 14 Mitarbeitern arbeiten laut Hans-Peter Kastner zehn im Lieferservice. „Wir sehen in diesem Bereich die Zukunft. Das spricht für den Standort Winnenden, wo wir eher die Fläche dafür haben“, sagt der 45-Jährige.

Hinzu kommen langfristige Mietverträge in Birkmannsweiler, anders als in Vaihingen, wo Kastner mit seinem Laden nach eigenen Angaben nur noch von Jahr zu Jahr habe planen können.

Wer übernimmt das leerstehende Geschäft in Schwaikheim? „Sind in Gesprächen“

In Schwaikheim indes ist Hans-Peter Kastner nicht mehr aktiv – außer bei der Suche nach einem Weg aus dem noch immer bestehenden Mietvertrag für den im Frühsommer geschlossenen Laden. „Wir sind in Gesprächen mit potenziellen Nachmietern“, berichtet der Unternehmer. Spruchreif sei aber noch nichts.

Erst vor einem halben Jahr hat Hans-Peter Kastner seinen Getränkemarkt in Schwaikheim dichtgemacht. Jetzt ist auch in Stuttgart-Vaihingen Schluss: Für Donnerstag und Freitag hat Kastner zum Räumungsverkauf geladen. „Time to say goodbye“, schreibt der 45-jährige Geschäftsmann auf der Facebookseite seiner Firma. Doch was bedeutet das für den im Frühjahr eröffneten Abholmarkt in Winnenden-Birkmannsweiler? „Im Endeffekt ist das eine Stärkung für den Standort Birkmannsweiler“, erklärt Hans-Peter

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