Winnenden

Glasfaser zu teuer: Kein superschnelles Internet

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Schon jetzt ist Schwaikheim in Sachen Internet gut aufgestellt. Damit das so bleibt, hat die Gemeinde eine Studie in Auftrag gegeben, um einen Überblick über weitere Maßnahmen zu haben. © Habermann/ZVW

Schwaikheim. Bezogen auf den Rems-Murr-Kreis ist Schwaikheim in Sachen Breitbandversorgung sehr gut aufgestellt. Damit das so bleibt, hat die Gemeinde eine Untersuchung angestellt, wie das Netz weiter verbessert werden kann. 14 Millionen Euro würde die Maßnahme im gesamten Ort kosten. Hoffnungen auf eine Förderung braucht die Gemeinde dabei kaum zu wägen.

Die meisten Kosten fallen für Tiefbauarbeiten an. Denn beim superschnellen Internet sind Kabelschutzröhrchen für jedes Gebäude vorgesehen, durch welche Glasfaserkabel bis ins Haus gelegt werden. In der Gesamtaufstellung sind hierfür Kosten von mehr als neun Millionen Euro aufgelistet. Jürgen Deller von der Backnanger Firma TKT-Telekonsult, der im Auftrag der Gemeinde den Istzustand und die weiteren Schritte für Schwaikheim untersucht hat, prognostiziert darüber hinaus eine Preissteigerungsrate von mindestens 3,5 Prozent, vorausgesetzt Schwaikheim nimmt den Ausbau selbst in die Hand. Für die Untersuchung hat die Gemeinde eine Förderung von 42 000 Euro erhalten.

„Das Material selber, die Glasfaserkabel, sind im Vergleich zu Kupfer relativ günstig“, erklärte Deller dem Schwaikheimer Gemeinderat. Durch die verhältnismäßig dünnen Leerrohre würden mehr als 90 Glasfaserkabel passen, dabei bräuchte man nur sechs von ihnen. Das System sei zukunftsweisend. Denn im Vergleich zu den dünnen, nicht abgeschirmten Kupferkabeln, die ursprünglich für die Telefonie vorgesehen waren, ist die Datenübertragung bei Glasfaser aus heutiger Sicht nahezu unendlich.

Aktuell Kupferleitungen bis zum Multifunktionskasten

Aktuell sind die Schwaikheimer mit VDSL2 versorgt, was bedeutet, dass eine Glasfaserleitung bis zum sogenannten Multifunktionshaus besteht und von dort aus die Verbindung per Vectoring über Kupferleitungen weiter bis zum Haus erfolgt. Schwaikheim ist damit gut aufgestellt, so Deller. Das bedeutet aber auch, dass die Gemeinde vorerst nicht auf einen Bundes- oder Landeszuschuss hoffen braucht. Diese sind aktuell für schlechter aufgestellte Kommunen vorgesehen. Für superschnelle Anschlüsse müssen acht sogenannte POP3-Standorte verteilt im Ort eingerichtet werden. Sie können als Schacht im Boden eingebaut oder als grauer Kasten am Straßenrand stehen, ähnlich wie es sie jetzt schon gibt. Von dort aus werden die Glasfaserleitungen weiter zum Röhrchenverteiler geleitet und dann in die Häuser. Leitung und Anbieter sind unabhängig voneinander und damit die Anbieter frei wählbar.

Bei künftigen Sanierungen eingeplant

Die Gemeinde will nun bei Straßensanierungen Leerrohre im Boden verlegen, so dass später einmal nur noch die Glasfaserkabel eingezogen werden müssen. Außerdem hofft sie fürs Erste auf einen externen Anbieter, der in das superschnelle Internetnetz in Schwaikheim investieren möchte.

Das Resultat der Untersuchung hat der Gemeinderat ohne ein Nachfragen oder Kommentar zur Kenntnis genommen. Dabei müsste der Gemeinderat heute aktiv werden, wenn die superschnelle Verbindung in den kommenden zehn, 15 Jahren stehen soll. Vielleicht will er aber erst einmal ein anderes Millionenprojekt bewältigen, bevor das Gremium wieder einen Kopf für solche Dinge hat: die Neue Ortsmitte.

Superschnell im Internet unterwegs

Beim superschnellen Internet handelt es sich um einen Glasfaseranschluss bis ins Haus (FTTB), der eine Datenübertragung von bis zu einem Gigabyte oder mehr ermöglicht. Die Steigerung wäre etwa in einem Hochhaus eine Glasfaserleitung in jede Wohnung (FTTH). Glasfaser bietet eine uneingeschränkte Datenübertragung. Einzige Einschränkung, so Deller, der Preis, den die Nutzer zahlen wollen.

Solch ein superschnelles Internet wird benötigt, wenn beispielsweise mehrere Personen im selben Haushalt zur selben Zeit einen Streaming-Dienst in Anspruch nehmen. Außerdem verspricht er etwa einen Zeitgewinn beim Hochladen großer Datenmengen oder dem Arbeiten mit der Internetwolke (Firmennetzwerk). Eine Rolle wird es in der Zukunft auch beim autonomen Fahren spielen, wobei Informationen wie dass ein Fußgänger die Straße überquert, rechtzeitig von außen aufgenommen und dann an das Auto weiter geleitet werden.