Winnenden

Grippewelle: Aufnahmestopp in Kliniken

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Symbolbild. © Laura Edenberger

Winnenden/Schorndorf. Land unter in den Rems-Murr-Kliniken in Schorndorf und Winnenden. Die Krankenhäuser sind wegen der Grippewelle voll belegt. Derzeit werden nur Notfälle aufgenommen. Seit Jahresbeginn sind im Rems-Murr-Kreis fast 700 Fälle von Influenza gemeldet worden. Die Zahl der Grippekranken dürfte aber erheblich höher liegen, da nicht jeder Influenzafall im Labor untersucht wird.

 

Die Krankenhäuser in Schorndorf und Winnenden waren zeitweise voll belegt. Die beiden Häuser haben die Aufnahme von Patienten eingeschränkt, teilen die Rems-Murr-Kliniken auf Anfrage mit. Der Grund für die starke Auslastung liege in der aktuellen Grippewelle mit Influenza B und weiteren Atemwegsinfekten, die isoliert werden müssen. „Deshalb mussten wir dazu übergehen, ausgewählte Fälle zu verschieben.“ Für kritische und unaufschiebbare Notfälle seien die Kliniken „selbstverständlich immer erreichbar: Die Notfallversorgung der Menschen ist daher zu jedem Zeitpunkt sichergestellt.“

Rettungsdienste und niedergelassene Ärzte seien über die Lage informiert und werden auf dem Laufenden gehalten, so die Kliniken: „Wir arbeiten derzeit zusammen mit dem DRK an einer Lösung zur besseren Verteilung der Patienten und bemühen uns - auch über eine kontinuierliche Erweiterung unserer Kapazitäten - vergleichbare Situationen zu vermeiden und die Abmeldezeiten so kurz wie möglich zu halten.“

Wie viele Grippefälle gibt es im Rems-Murr-Kreis?

Dem Gesundheitsamt Rems-Murr wurden seit Jahresbeginn 678 Fälle von Influenza gemeldet. Zum Vergleich: Die Zahl der Influenza-Meldungen im Vorjahr lagen bei 467 Fällen. Diese Zahlen geben die Anzahl der Meldungen von Labornachweisen wieder, betont das Landratsamt. „Die tatsächliche Erkrankungszahl ist deutlich höher zu schätzen, da bei vielen Erkrankten kein Labor-Untersuchungsauftrag erteilt wird.“ Zum Beispiel wird auf eine Untersuchung verzichtet, wenn mehrere Personen aus einer Familie erkrankt sind.

Hat die Grippewelle ihren Höhepunkt bereits überschritten?

In den beiden Kliniken hat es seit Jahresbeginn 45 vom Labor bestätigte und stationär aufgenommene Influenza-Fälle gegeben. Die „Hochphase“ lief Anfang Februar an und hält voraussichtlich noch etwas an. Tendenziell hat die aktuelle Grippewelle etwa vier Wochen früher begonnen als in den letzten Jahren und hält länger an, so das Gesundheitsamt über die diesjährige Grippewelle. Dies liege aber innerhalb des erwarteten Zeitraumes. „Wir befinden uns derzeit noch auf der Hochwelle der Influenzaerkrankungen.“

Handelt es sich heuer um eine Grippe wie in all den Vorjahren auch?

Die Ärzte in den Rems-Murr-Kliniken haben beobachtet, dass es sich heuer nicht um die übliche saisonale Grippewelle handelt. Deutlich mehr Patienten als in anderen Jahren suchten die Klinik auf und müssen auch stationär behandelt werden. „Oft erstrecken sich die Krankheitsverläufe über zwei Wochen und die Patienten zeigen auch schwerere Verläufe, was sich in den Laborbefunden widerspiegelt“, so die Pressestelle der Kliniken. Wie schwer es die Patienten erwischt, hänge allerdings auch von der jeweiligen körperlichen Grundverfassung beziehungsweise vorliegenden Grunderkrankungen ab.

Warum hat die übliche Grippeschutzimpfung versagt?

„Offensichtlich war der übliche trivalente Dreifach-Impfstoff in diesem Jahr kaum wirksam“, so die Rems-Murr-Kliniken. Daher empfehle die Ständige Impfkommission dem üblichen Personenkreis die Vierfach-Impfung. Allerdings geschah dies erst, als die aktuelle Impfsaison schon sehr weit fortgeschritten war. Deshalb seien die meisten Patienten noch mit einem trivalenten Impfstoff geimpft worden, so die AOK Ludwigsburg-Rems-Murr auf Anfrage. In Baden-Württemberg sei – anders als in anderen Bundesländern – der Einsatz des quadrivalenten Influenzaimpfstoffs grundsätzlich möglich gewesen. Das Robert-Koch Institut empfehle jedoch keine zweite Impfung mit einem quadrivalenten Impfstoff, es sei denn, es handelt sich um Hochrisikopatienten. Ob diese Bedingung erfüllt ist, müsse der Arzt beurteilen. In jedem Fall übernimmt die Gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für die Influenzaimpfung vollständig und in Baden-Württemberg auch unabhängig vom Alter der geimpften Person. Da sich der Impfschutz aber erst Wochen nach der Impfung aufbaut und die Influenza-Impfsaison bereits weit fortgeschritten ist, sei mit einer flächendeckenden Impfung mit Vierfach-Impfstoffen ab der kommenden Saison zu rechnen.

Wie wird eine Grippe im Krankenhaus behandelt?

Wie eine Grippe im Krankenhaus behandelt wird, hängt zunächst vom Gesamtzustand des Patienten ab. Menschen ohne Grunderkrankungen dürfen das Krankenhaus in der Regel wieder mit fiebersenkenden Medikamenten in der Tasche verlassen. Stationär aufgenommen und isoliert werden hingegen Kinder, die oft etwas anfälliger sind als Erwachsene, oder ältere Menschen beispielsweise mit einer onkologischen Grunderkrankung. Sie können einen Flüssigkeitsverlust durch Fieber und Schwitzen oft nicht adäquat ausgleichen. Isoliert bedeutet, dass der Patient alleine in einem Zimmer liegt und das Pflegepersonal ihn ausschließlich mit Handschuhen, einem Schutzkittel und einer speziellen Atemschutzmaske (FFP2) behandelt. Kommen besonders schwer erkrankte Kinder rechtzeitig, also innerhalb von 48 Stunden, dann können sie gegebenenfalls mit einem Gegenmittel behandelt werden, zum Beispiel Tamiflu. Später werde mit Tamiflu kein Effekt mehr erzielt. Die Virusgrippe Influenza wird ansonsten im Krankenhaus unter anderem mit fiebersenkenden Medikamenten behandelt.


Hände waschen

Die Hygiene-Grundregel lautet: Hände waschen, Hände desinfizieren, größere Menschenansammlungen meiden. Wenn man vom Einkaufen nach Hause kommt und bevor man etwas isst oder sich mit den Händen ins Gesicht fasst, sollte der erste Weg zum Waschbecken sein, empfehlen die Rems-Murr-Kliniken zur Vorbeugung vor einer Ansteckung.

Mit Blick in die Zukunft raten die Ärzte, an einer Grippeimpfung festzuhalten, obwohl in diesem Jahr die trivalente Grippeimpfung nicht erfolgreich. Die Ständige Impfkommission empfiehlt dieses Jahr die bessere quadrivalente Impfung.