Winnenden

Gudrun Obleser (Alte Kelter) zu Kultur in Winnenden: „Was gut ist, kommt wieder“

ObleserKulturschaffende
Gudrun Obleser in der Alten Kelter. In diesem Jahr hat die 81-Jährige hier ihr erstes Heavy-Metal-Konzert erlebt. © Gaby Schneider

Die Menschen und mit ihnen Kunst und Kultur sind zurück in der Alten Kelter. Zwei lange Pandemie-Jahre war hier kaum etwas geboten, Corona-Tests höchstens, doch längst hat der Förderverein seine Arbeit wieder aufgenommen. An seiner Spitze: Gudrun Obleser, die Frau, die an der Paulinenstraße die Fäden in der Hand hält. An der Rückkehr in die Alte Kelter hat die 81-Jährige nie gezweifelt. Sie sagt: „Ich vertraue ins Leben. Und auch in die Kultur. Was gut ist, kommt wieder.“

Gudrun Obleser, früher einmal Lehrerin an der Stöckachschule und 15 Jahre lang im Winnender Gemeinderat aktiv, hat 1994 mit 80 Winnendern den Förderverein Alte Kelter gegründet. Seit dem Umbau füllen sie und ihre Mitstreiter das altehrwürdige Gebäude zuverlässig mit Leben. Obleser managt, wer hier auftreten, ausstellen, vortragen darf und organisiert selbst Veranstaltungen. Als Theaterregisseurin (ins Rampenlicht zieht es die Winnenderin überhaupt nicht: „Da würde ich sterben“) tritt sie regelmäßig mit ihrer Gruppe im „Theater Alte Kelter“ auf.

Für ihr riesiges Engagement hat ihr Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth 2014 die Bürgermedaille in Gold verliehen. Gudrun Obleser und die Alte Kelter sind unabhängig voneinander kaum zu denken.

Geschlossen für alle Zeit? „Es war immer klar, dass es irgendwann weitergeht.“

Da muss es doch schrecklich gewesen sein, als die Kultur im Frühjahr 2020 plötzlich komplett zum Erliegen kam, das Leben aus den 1905 gezogenen Mauern wich. „Ach“, Gudrun Obleser winkt ab, „das war einfach blöd.“ Natürlich sei die Corona-Pandemie für sie ganz persönlich eine schwierige Zeit gewesen. Erst die Angst vor dem Virus, dann die Erleichterung über die Impfung, vielen sei das ja so gegangen.

Was aber die Kultur angeht, das Programm in der Alten Kelter, so habe sie nie daran gezweifelt, die Arbeit irgendwann wieder aufzunehmen. „In meinem Umfeld hat niemand gefragt: Sollen wir die Kelter zumachen für alle Zeit? Es war immer klar, dass es irgendwann weitergeht.“

Weder sind der Alten Kelter die Helfer noch die Zuschauer abgesprungen

Das „Irgendwann“ ist jetzt da und es zeigt sich: Weder die ehrenamtlichen Helfer sind abgesprungen – der Förderverein zählt konstant um die 320 Mitglieder – noch bleibt das Publikum lieber zu Hause. Ein paar weniger Zuschauer als vor Corona, ja, ein paar Euro weniger Einnahmen beim Bücherflohmarkt, okay, aber vor allen Dingen schlage den Veranstaltern von Events in der Alten Kelter die große Freude der Besucher entgegen. Darüber, dass endlich was geht.

In diesem Frühjahr lief das Programm in der Alten Kelter wieder an. Der Veranstaltungsplan reicht bis ins Frühjahr 2023 hinein. Gudrun Obleser sagt: „Mit der Vergangenheit mag ich mich nicht mehr befassen – mein Lebensgefühl arbeitet im Jetzt.“

Im Mai war die 81-Jährige auf ihrem ersten Heavy-Metal-Konzert in der Alten Kelter

Und selbst, wenn im Herbst und Winter das Coronavirus die Plänen für Theateraufführungen (Oblesers Gruppe spielt am 2. Dezember „Hase Hase“ von Coline Serreau) und Konzerte erneut durchkreuzt, „dann müssen wir halt wieder verschieben“.

Aktuell überwiege ganz klar „die Freude, dass das alles wieder möglich ist“– und dass Gudrun Obleser in der Alten Kelter sogar noch echte Premieren erlebt: Im Mai war die 81-Jährige auf ihrem ersten Heavy-Metal-Konzert in der Alten Kelter, organisiert vom Verein „Winnenden goes Metal“. Nach circa einer halben Stunde sei es ihr zwar etwas zu laut geworden, sie habe sich dann aber draußen gut mit den vielen netten Menschen unterhalten. Eine „sehr schöne“ Veranstaltung sei das gewesen. Eine dreitägige Neuauflage ist bereits für den 15. bis 17. September in Planung.

Gudrun Obleser geht es nicht nur um die Kunst an sich. „Alle Kulturveranstaltungen haben eine soziale Wirkung“, sagt sie und nennt als Beispiel den offenen Mitsing-Club (nächster Termin: 29. Juli), in dem bis zu 100 Menschen gemeinsam trällern und für eine ganz besondere Atmosphäre sorgen.

„Wenn man sich die Kultur wegdenkt in dieser Welt, das wäre ja schrecklich“

Philosophische Frage: Verliert die Kultur angesichts der Krisen und Konflikte unsere Zeit nun an Bedeutung oder ist sie im Gegenteil wertvoller denn je? Ganz klar: Antwort b! Gudrun Oblesser hält inne. „Wenn man sich die Kultur wegdenkt in dieser Welt, das wäre ja schrecklich.“

Sie versuche, ihr Handeln nach der Prämisse „Für mich muss es gut sein, für die Welt muss es gut sein“ auszurichten. Dazu gehören Kulturveranstaltungen ebenso wie das „Deutschtraining“, das sie seit einigen Wochen wieder in der Alten Kelter anbietet. Mit zwölf bis 15 Menschen, gut die Hälfte aus der Ukraine, übt die 81-Jährige an drei Vormittagen in der Woche. Die Stadt sei mit diesem Vorschlag an sie herangetreten. „Ein Geschenk“ sei das für sie gewesen. „Ich darf das machen, was mir Spaß macht.“

Die Menschen und mit ihnen Kunst und Kultur sind zurück in der Alten Kelter. Zwei lange Pandemie-Jahre war hier kaum etwas geboten, Corona-Tests höchstens, doch längst hat der Förderverein seine Arbeit wieder aufgenommen. An seiner Spitze: Gudrun Obleser, die Frau, die an der Paulinenstraße die Fäden in der Hand hält. An der Rückkehr in die Alte Kelter hat die 81-Jährige nie gezweifelt. Sie sagt: „Ich vertraue ins Leben. Und auch in die Kultur. Was gut ist, kommt wieder.“

Gudrun

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