Winnenden

Gyros-Kneipe am Kronenplatz bleibt geschlossen

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Gyros-Kneipe mit verschlossener Tür: Die Stadt als Hausbesitzer wollte die Kneipe nicht mehr verantworten. © ZVW/Danny Galm
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Der Kronenplatz um 1900: Im heutigen Gyros-Laden war die Mosterei Würthele und an der Stelle des „Zirbenwalds“ stand die Restauration zum deutschen Kaiser. © weber

Winnenden.
Gyros Kavalas – das hatte so etwas von einer imaginären Hafenkneipe in Athen. Wie aus einer anderen Zeit steht das nette, alte Backsteinhäusle zwischen dem kantigen Betonbau des „Zirbenwalds“ und dem pragmatischen Geschäftsbau des Naturkostladens. Nur die Taverne hat noch die verspielte Fassade von vor 150 Jahren und steht wie ein wackeliger Oldtimer zwischen zwei Gebrauchtwagen. So schön das Häusle ist: Es hat keine Zukunft mehr.

Der Bagger ist noch nicht bestellt. Noch kann man das Häusle fotografieren und sich über den Anblick freuen. Aber Gyros kriegt der Mensch keine mehr – weder drin in dem kleinen Gastraum noch draußen auf dem Gehweg vor dem Häusle, wo im Sommer etliche Schüler und Kärcher-Beschäftigte ihre Mittagspause genossen. Die Gyros schmeckten würzig und gut in der Kneipe, und der Wirt Stavros ist ein netter, gastfreundlicher Mensch, der auch mal mürrisch werden konnte, und der gerne mit einfachen Mitteln improvisierte, um seine Kneipe am Laufen zu halten.

Das Haus war in einem unhaltbaren baulichen Zustand, wie vom städtischen Immobilienverwalter Ralf Köder zu erfahren war. Die Stadtverwaltung hat beschlossen, es zu schließen, weil Mitarbeiter der Stadt eine Gefahr für die Bewohner sahen. Deshalb kam das Ende der Gyros-Kneipe ziemlich schnell. Zunächst wurde die Familie des Wirts, die im oberen Stock gewohnt hatte, ausquartiert. Sie bekam von der Stadt eine andere Unterkunft vermittelt. Kurz darauf verfügte die Stadt, dass die ganze Kneipe geschlossen wurde. Es sei einfach nicht mehr zu verantworten gewesen.

In der Stadtverwaltung sieht man nur den Abriss als Lösung

Was man sich unter schlechtem baulichen Zustand vorstellen muss, wollte von der Stadtverwaltung niemand sagen. Aus sicherer Quelle war zu erfahren, dass Elektrogeräte und elektrische Leitungen mit Bastelmethoden verlegt und angeschlossen gewesen sein müssen. Angeblich durfte ein bestimmtes Licht nie ausgeschaltet werden, weil sonst der Kühlschrank auch aus gewesen wäre. Die Elektrik muss den Ausschlag gegeben haben für die Schließung. Insgesamt muss das Haus aber schwer angeschlagen sein, so dass innerhalb der Stadtverwaltung der Abriss des Hauses als einzige Lösung gesehen wird. Winnenden verliert damit den beschaulichsten und am meisten improvisierten griechischen Imbiss der jüngsten Zeit.

Wo kriegt man jetzt überhaupt noch Gyros und Souvlaki?

Aber Gyros, Zaziki und Souvlaki bleiben in der Stadt erhalten, nur nicht mehr so nahe am Kärcher-Haupteingang und nicht mehr am Kronenplatz. Griechischen Imbiss bekommt der Mittagsgast weiterhin in der Gyros-Ecke unterhalb des Markthauses gegenüber der Stadtmauer (Entengasse 5) oder im Bacchus-Keller an der Ecke Schorndorfer / Paulinenstraße, wo ein alter Winnender Gewölbekeller ganz griechisch ausgeschmückt ist – kein Schnellimbiss, viel eher ein richtiger Mittagstisch.

Wer vom Kronenplatz heraufkommt, wird mittlerweile in der unteren Hauptstraße bestens versorgt mit allen (nur nicht griechischen) Varianten von Imbiss. Ein größeres türkisches Imbisslokal steht gleich rechter Hand. Wer’s mag, der bekommt weiter oben verschiedene Varianten von Burgers, danach findet er den Pnishi Balkan-Grill und ihm gegenüber noch mal einen türkischen Imbiss, den Arzum. Alle diese Lokale sind um die Mittagszeit ganz gut besucht. Wenn der eine mal keine Plätze mehr hat, findet man bestimmt bei anderen etwas.

Schnellimbiss bekommt man nur wenige Meter weiter immer noch

Und wer den Kronenplatz für schnelle Mittagessen bevorzugt, der findet im Bio-Laden einen Bio-Imbiss, und der kann immer noch zum traditionellen Imbiss von Aphrodite Dimitrakudis im Betonhäusle bei der Fußgängerunterführung. Die Inhaberin macht manche ihre Soßen selbst und ist bekannt für ihre Schaschliks. Mindestens so lange, bis die Baugrube fürs Wohn- und Geschäftshaus am Kronenplatz ausgehoben wird, bleibt diese Schnellgaststätte noch.

Früher waren in dem Haus eine Schnapsbrennerei und Mosterei

Wahrscheinlich wird sie das Backsteinhaus der Gyros-Kneipe noch um einige Monate überleben. Es soll abgerissen und vorerst zum Privatparkplatz für die Bewohner und das Geschäft rechts neben dem Gyros-Imbiss werden. Äußerlich ist es von allen Häusern an dieser Ecke das schönste, und tatsächlich auch das älteste. Es gehörte dem vor einigen Jahren verstorbenen Alfred Würthele und war früher – wie von alten Winnendern zu erfahren ist – eine Brennerei und Mosterei. Vor über einem Jahr hat die Stadt dieses Haus und das Haus Zirbenwald aufgekauft mit dem Ziel, mitzugestalten bei Veränderungen an dieser Stelle.

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Gyros Kavalas – das hatte so etwas von einer imaginären Hafenkneipe in Athen. Wie aus einer anderen Zeit steht das nette, alte Backsteinhäusle zwischen dem kantigen Betonbau des „Zirbenwalds“ und dem pragmatischen Geschäftsbau des Naturkostladens. Nur die Taverne hat noch die verspielte Fassade von vor 150 Jahren und steht wie ein wackeliger Oldtimer zwischen zwei Gebrauchtwagen. So schön das Häusle ist: Es hat keine Zukunft

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