Winnenden

Hier kostet die Hundesteuer am meisten

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Hunde im Winnender Tierheim (vor etlichen Jahren): Wer beide zu sich nimmt, zahlt 396 Euro Hundesteuer. Archiv-Foto. © Habermann / ZVW

Winnenden. Die Hundesteuer wird erhöht. Zwar wehrten sich einzelne Gemeinderäte eifrig und mit leidenschaftlichen Diskussionsbeiträgen dagegen, aber eine Mehrheit blieb unberührt von den Argumenten und Hundegeschichten und stimmte für den Vorschlag der Stadtverwaltung, 132 Euro jährlich für den ersten Hund zu verlangen.

Zwölf Jahre war Ruhe bei der Hundesteuer, nur die Kampfhunde-Halter wurden mit höheren Abgaben belegt. Der ganz normale erste Hund im Haushalt kostete 120 Euro im Jahr. Martina Schrag von der Stadtkämmerei erklärte den Gemeinderäten, dass die Hundesteuer bei dem Satz von 120 Euro allmählich ihre „Lenkungswirkung“ verlöre. Die Leute schaffen wieder mehr Hunde an. Seit der Hundezählung von 2011, als 888 Hunde in Winnenden registriert waren, blieb die Zahl zunächst für einige Jahre unter 900. Seit 2016 sind 962 gemeldete Hunde in der Stadt, und in diesem Jahr rechnet Schrag damit, dass die Zahl von 1000 Hunden erreicht wird. Da wolle die Verwaltung gegensteuern. Aber nicht alle Gemeinderäte sehen das ein. Einige zweifeln die Steuerungswirkung insgesamt an, glauben nicht, dass mit höherem Steuersatz die Zahl der Hunde sinkt. Andere argumentieren, dass Winnenden mittlerweile auch mehr Menschen hat. Die Zahl der Hunde pro Haushalt sei nicht unbedingt gestiegen. Ali-Stadtrat Christoph Mohr, selbst Hundehalter, stört sich auch an der Zahl 1000: „Ich sehe darin keine Zielgröße.“

 

Wenige Befürworter, aber viel Zustimmung für die höhere Steuer

„Jetzt sind wir wieder an der Spitze im Rems-Murr-Kreis“, meinte Mohr, „warum wir so teuer sein sollen, verstehe ich wirklich nicht.“ „Es ist nicht zwingend notwendig, die Hundesteuer zu erhöhen“, meinte Dr. Jürgen Hägele (FDP), „Hundehalter sind oft ältere Menschen, die nicht so viel Rente beziehen. Die abzustrafen mit einer höheren Hundesteuer finde ich nicht notwendig.“ Nicole Steiger (FDP) störte sich an dem starken Anstieg von einem Jahr aufs andere: „Wir erhöhen die Beiträge für Kinderbetreuung stufenweise. Wäre das bei der Hundesteuer nicht auch möglich?“ Das müsste man dann eben von Jahr zu Jahr neu beschließen, meinten andere Stadträte.

„Nach zwölf Jahren eine Erhöhung – das trage ich mit“, erklärte SPD-Sprecher Andreas Herfurth. Thomas Traub (CDU) sieht es gleich: „Wir werden zustimmen. Nach zwölf Jahren erhöhen wir um zehn Prozent.“ Die Befürworter der Erhöhung redeten nicht viel, aber sie blieben in der Mehrheit: 16 Stadträte stimmten für den höheren Satz, acht dagegen – damit ist er beschlossen und tritt ab 1. Januar in Kraft.

Muss eigentlich der zweite Hund unbedingt das Doppelte kosten?

Christoph Mohr hatte noch eine andere Vorschrift im Visier: Dass der zweite Hund glatt und sauber das Doppelte kostet wie der erste, sieht er gar nicht ein: „Der 1,5-fache Satz würde auch reichen. München, zum Beispiel, erhebt auch für den zweiten Hund nur den einfachen Satz.“ Er selbst hatte bis vor kurzem zwei Hunde und für den zweiten immer den doppelten Steuersatz bezahlt, obwohl er gegen diese hohe Besteuerung ist. Bekannte hätten ihn gefragt: „Warum meldsch den zwoita Hond ned bei jemand andersch a?“ Verlockt ein hoher Steuersatz zu illegalen Steuertricks? Wer weiß?

OB Holzwarth nahm Mohrs Vorschlag auf und stellte ihn zur Abstimmung: 1,5-facher statt zweifacher Steuersatz für den Zweithund. Der Vorschlag fiel durch, weil nur zwei Stadträte dafür stimmten. Folglich kostet der zweite Hund ab Januar 264 Euro Hundesteuer jährlich.


Kampfhunde

Halter von Kampfhunden bezahlen für den ersten Hund 840 Euro Hundesteuer jährlich, für den zweiten 1680 Euro. Diese Sätze waren im Gemeinderat unumstritten. Sie sind einsame Spitze im Rems-Murr-Kreis.