Winnenden

Himmlisch: Weinlese im Himmelreich

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Symbolfoto. © Joachim Mogck

Winnenden. Die Weinlese in den höchsten Regionen des Hertmannsweiler Himmelreichs macht immer einen kurzen aber heftigen Eindruck. Der halbe Gemeinderat rückt an, Bürgermeister, Oberbürgermeister und ehemaliger Oberbürgermeister stehen parat und strahlen wie die Sonne und der blaue Himmel. Dann gehts an ein paar Reihen von prächtig gepflegten Rieslingreben. Wahrscheinlich wird kein Weinberg auf Winnender Gemarkung einer solch enormen Personaldichte bearbeitet. Aber der kleine steile Hang liegt auch himmlisch in der Herbstsonne am vergangenen Freitag, und alle, die dort ernten, wissen auch, wie köstlich der Tropfen von diesem obersten Teil der Weinlage schmeckt, denn bei gemeinderätlichen Angelegenheiten wird traditionell dieser Riesling getrunken, solange der Vorrat reicht.

Schlichenmaier gab am Freitag sein Amt als Stadtwengerter ab

Der Gemeinderat darf stolz sein auf seinen Chef im Wengert: Ernst Schlichenmaier aus Hertmannsweiler hat seit 1982 den kleinen Wengert im Auftrag der Stadt gepflegt, gespritzt und geschnitten. Die Stadträte brauchen nur noch zu schneiden. Schlichenmaier gab am Freitag sein Amt als Stadtwengerter ab, bedankte sich bei den Räten und erinnerte daran, warum es diesen Wengert gibt: Die Flurbereiniger wollten dort ursprünglich eine Ligusterhecke pflanzen. "Was glaubet Ihr, was do los wär! Wenn do die Stare und Amsle dinne ghockt wäret." Schlichenmaier ist heute dem damaligen OB Karl-Heinrich Lebeherz dankbar, dass er mit einem Machtwort den Liguster verhindert und einen städtischen Weinberg angeordnet hat. Die hohe steile Lage hat Schlichenmaier so gefallen, dass er sie kaufen wollte.

Aber da spielte OB Fitz dann nicht mit: "Der Stadtwengert ist unverkäuflich", hat er gesagt. Gut, Schlichenmaier arbeitete dann halt im Auftrag der Stadt in dem schönen Wengert. Und Karl-Heinrich Lebherz kam dieses Jahr zur Weinlese dazu, brachte seine alte Öchslewaage mit und eine Rätsche. 97 Grad Öchsle hat der Riesling vom Himmelreich dieses Jahr. Kein Rekord, aber eine gute Spätlese.