Bikertreff verabschiedet sich
Urbach. Vierzigmal hat der MC Urbach ein Motorradtreffen organisiert. So auch am Samstag. Es war allerdings das letzte. Aus, Schluss, vorbei. Alles hat halt seine Zeit, auch so ein Motorradtreffen, zu dem noch vor 30 Jahren rund 1000 Biker nach Urbach strömten. Jetzt gehört es der Vergangenheit an. Indes: Von Wehmut war wenig zu spüren, wiewohl die Resonanz nicht gar so schlecht war.
Aber auch nicht gut genug, um die Verantwortlichen des Urbacher Motorradclubs vielleicht doch noch umdenken zu lassen. Vermutlich haben sie Recht nach dem Motto „lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“. Samstag, kurz 19 Uhr, Platz hinter der Auerbachhalle, wo das Fest stattfindet. Gerade mal 13 Motorräder sind geparkt. Und die Anzahl der Besucher ist durchaus überschaubar.
Die Besucher aus Urbach bleiben aus
Die Mannen von „Rock 44“, die musikalisch für den Abgesang des Motorradtreffens zuständig sind, machen Soundcheck. Das zieht sich, was aber nicht weiter stört, denn der Zulauf hält sich nach wie vor in bescheidenen Grenzen. Nach und nach trudeln die Besucher ein. Vornehmlich Biker-Freunde aus Buhlbronn, Haubersbronn und Plüderhausen. Sie sind mit dem MC freundschaftlich verbunden. Leute aus Urbach? So gut wie Fehlanzeige. MC-„Präsi“ Adrian Heinz, den alle nur „Gonzo“ nennen, fühlt sich bestätigt im Beschluss des MC, das Motorradtreffen sterben zu lassen: „Siehst du, nicht mal die kommen.“ Genau 48 Mitglieder hat der MC. Seit seines Bestehens sind es immer um die 50 herum. Das Problem: Es sind durchweg die Gleichen, Nachwuchs gibt es so gut wie keinen. Und deshalb arbeiten immer dieselben, wenn’s ein Fest zu stemmen gilt. 20 sind auch an diesem Samstag im Einsatz. Plus zehn, die Freunde, aber keine Mitglieder sind. Das nutzt sich mit der Zeit ab. Vor allem dann, wenn beim Bikertreffen unter dem Strich nichts übrig bleibt, im Gegenteil, wenn draufgezahlt werden muss und das Defizit nur durch das Plus, das beim legendären Nachfasching erwirtschaftet wird, ausgeglichen werden kann.
Früher war nicht alles, aber vieles anders
Da dauerte das Motorradtreffen drei Tage. Freitags ging’s los, am Samstagabend hat’s in jeglicher Hinsicht gekracht, und am Sonntagmorgen sind die Biker mit schweren Köpfen aus ihren Zelten gekrochen, haben gefrühstückt und sich wieder auf den Heimweg gemacht. Zum Beispiel nach Schlutup bei Lübeck. Mitglieder des dortigen MC waren jahrelang zu Gast in Urbach, ebenso die des Touringclubs Regensburg, um nur zwei zu nennen. Ja, jünger waren damals alle. Und Familie hatten die Wenigsten. Auch die Urbacher MCler nicht. Und so sind sie halt oft übers Wochenende zu den Treffen bei befreundeten Clubs gefahren. Zum Gegenbesuch.
Mit der Familiengründung werden die Kinder wichtiger als die Motorräder
Irgendwann blieb der Besuch aus, damit logischerweise auch der Gegenbesuch. Die Biker wurden Familienväter beziehungsweise die Bikerinnen Mütter. Die Kinder standen jetzt im Mittelpunkt, nicht mehr das PS-starke und schnelle Zweirad. Es wurde höchstens noch zu Spritztouren aus der Garage geholt. 1985 erschien Calo Rapallo in Strapsen auf der Bühne Damit war auch der Niedergang des Schorndorfer Treffens eingeläutet. Vorbei die Zeiten, in denen Calo Rapallo in Strapsen auf der Bühne stand (1985 war das) und das Zelt zum Kochen brachte. Vorbei die Zeit, als das Treffen am Nagelsee (dort fand es anlässlich des Zehnjährigen statt) im Morast zu versinken drohte. Vorbei allerdings auch die Zeiten, in denen es zur berühmten fortgeschrittenen Stunde regelmäßig Stress gab. Und nicht nur das. Da konnten schon mal die Fäuste fliegen.
„Gonzo“ sagt heute rückblickend: „Das muss ich mir nicht mehr antun.“
Der MC reduzierte sein Treffen auf zwei Tage, hatte damit aber nicht das Problem vom Hals, dass eine Zeltwache gestellt werden musste. Die übernahmen auch immer die Gleichen, und die hatten irgendwann die Nase voll. Außerdem ging die Anziehungskraft weiter zurück. Dann war das Fest nur noch an einem Tag – und künftig findet es gar nicht mehr statt. „Alles hat ein Ende“, sagte „Gonzo“ am Samstag bei der Begrüßung der Gäste. Zum ersten Mal stehe er heute auf der Bühne „und auch zum letzten Mal“. „Nicht wehmütig“ wolle man sein, „sondern wir freuen uns, dass es so schön war“. In den früheren Jahren. Es folgten drei kräftige „Gib Gas, gib Gas, gib Gas“. Die Gruppe „Rock 44“ rockte, wie es sich für ein Motorradtreffen gehört. Um 1 Uhr war Feierabend, die Besucher zogen friedlich nach Hause. Das war nicht immer so.

