Winnenden

Kärcher: Erstmals mehr als 13 000 Mitarbeiter

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Hat keine Angst vor Veränderungen: Kärcher-Chef Hartmut Jenner (53). © Schneider / ZVW

Winnenden. Neue Rekordmarken bei Kärcher: Der Umsatz ist auf 2,525 Milliarden Euro gestiegen. Erstmals hat das Unternehmen weltweit mehr als 13 000 Mitarbeiter. „2018 war ein gutes Jahr“, sagt Kärcher-Chef Hartmut Jenner. „Auch wenn das wirtschaftliche Umfeld schwieriger geworden ist.“ Ein wichtiges Thema wird immer konkreter: die Digitalisierung.


Wie verändert die Digitalisierung unsere Gesellschaft und unsere Unternehmen? Darüber hat ZVW-Chefredakteur Frank Nipkau mit Kärcher-Chef Hartmut Jenner im Podcast "Die Woche" gesprochen. Hören Sie jetzt die neue Folge bei iTunes, Spotify oder direkt hier.


Der neue Umsatzrekord liegt ein Prozent über dem Ergebnis des Vorjahres. Rechnet man die Effekte bei der Umrechnung von ausländischen Währungen in Euro und Sondereffekte heraus, ergibt sich ein Plus von 5,5 Prozent, sagt Hartmut Jenner. „Vor allem im vierten Quartal war das Wachstum etwas langsamer. Die Märkte sind vorsichtiger geworden.“ Die Automobilbranche beispielsweise hält sich derzeit bei Investitionen zurück. Die Gründe liegen auf der Hand: die drohenden Strafzölle in den USA, der befürchtete Handelskrieg der Amerikaner mit Europa oder der immer noch ungeregelte Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Handelsschranken haben langfristig keinen Erfolg

Jenner warnt vor Nationalismus und Handelsschranken. „Das hat langfristig noch nie Erfolg gebracht.“ Aber neben den Risiken der Weltwirtschaft sieht er vor allem die Chancen. Der steigende Wohlstand in Asien, vor allem in China, bietet Kärcher neue Absatzchancen. „Die Wertschätzung der Reinigung nimmt zu“, hat Jenner beobachtet. „Hygiene und Sauberkeit werden immer wichtiger.“

Mit dem Umsatz ist auch die Zahl der Mitarbeiter gewachsen. Auf mittlerweile 13 027 Personen weltweit. Das sind mehr als 700 neue Stellen, die Kärcher im vergangenen Jahr geschaffen hat. Dahinter steht die Ausweitung der Auslandsaktivitäten in Weißrussland, Bulgarien und Slowenien. 100 neue Kärcher-Center gingen an den Start. 730 davon gibt es inzwischen. „Wir sind auf dem Weg zu 1000 Centern“, sagt Hartmut Jenner. „Das ist ein ganz wichtiges Standbein für den Verkauf unserer Produkte.“

Winnenden und Schwaikheim profitieren vom Wachstum

Winnenden und Schwaikheim profitieren weiter vom Wachstum bei Kärcher. In Winnenden hat Kärcher nun 2755 Mitarbeiter (ein Plus von 13 Personen) und in Schwaikheim 296 (ein Plus von 12). Die Summe verdeckt aber die Entwicklung, die dahintersteht. Kärcher hat inzwischen die Hochdruckreiniger-Produktion an den Standort im Oberen Bühlertal (Kreis Schwäbisch-Hall) verlagert. Damit hat Winnenden im vergangenen Jahr 90 Mitarbeiter verloren und konzentriert sich im gewerblichen Bereich auf Scheuersaugmaschinen. Gleichzeitig wurden rund 100 Stellen in Winnenden neu geschaffen. Und der Personalaufbau geht weiter, verspricht Hartmut Jenner. „Wir haben noch viele offene Stellen.“

 

 

Knapp 130 Millionen Euro hat Kärcher im vergangenen Jahr weltweit investiert. In Winnenden gab es einen Neubau für den Bereich Waschtechnik von der Entwicklung bis zum Versuch. Weitere Gebäude am Stammsitz sind in Planung. Da will sich Hartmut Jenner aber noch nicht in die Karten schauen lassen. „Ich informiere zuerst unsere Mitarbeiter.“

Neuer Unkrautreiniger für Privathaushalte

100 neue Produkte hat der Weltmarktführer für Reinigungstechnik auf den Markt gebracht, 50 neue Patente angemeldet. Es gibt erstmals einen Unkrautreiniger für Privathaushalte, der das lästige Grün aus den Fugen von Steinplatten herausholt. Der Hartbodenreiniger, ein Kärcher-Verkaufsschlager, erhält einen kleineren Bruder. Auf eines ist Hartmut Jenner besonders stolz: „Wir haben seit 30 Jahren Akku-Geräte im Programm. Die Kunst des Elektromotors beherrschen wir.“

Jenner setzt auf Digitalisierung. Kärcher hat jetzt das erste reine Digitalprodukt auf den Markt gebracht: Connected Cleaning. Das ist eine Software, die eine Plattform bietet für alle Daten rund um Reinigung und Maschinenpark und mit deren Hilfe die Reinigung gesteuert werden kann. Über Regensensoren, Bewegungsmelder oder die Anzahl der Autos in einer Tiefgarage kann dann automatisch ermittelt werden, ob ein erhöhter Reinigungsbedarf im Gebäude besteht oder nicht.

Mit bedarfsgerechter Reinigung können 20 bis 30 Prozent der Ressourcen eingespart werden, rechnet Hartmut Jenner vor. Die Branche warte auf solche Angebote, weil sie derzeit Probleme habe, ausreichend Personal zu finden. Der Kärcher-Chef ist sicher: „Alle werden von solchen Lösungen profitieren.“


Saubere Denkmäler

Von Deutschland über Mexiko bis Israel hat Kärcher insgesamt 17 Baudenkmale im restauratorischen Sinne gereinigt. Darunter finden sich der Chorraum des Ulmer Münsters, die Außenfassade der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle, ein Kunstbrunnen am mexikanischen Nationalmuseum für Anthropologie und die Außenfassade der Erlöserkirche in Jerusalem.