Winnenden

Kärcher mit neuem Rekordumsatz

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Kärcher-Chef Hartmut Jenner im Gespräch mit Chefredakteur Frank Nipkau. © Ramona Adolf

Winnenden. Kärcher bleibt weiter auf Wachstumskurs: Im vergangenen Jahr hat der Winnender Weltmarktführer für Reinigungstechnik einen neuen Rekordumsatz mit 2,33 Milliarden Euro erzielt. Das ist ein Plus von knapp fünf Prozent. Das berichtete Kärcher-Chef Hartmut Jenner im Gespräch mit unserer Zeitung.

Video: Kärcher-Chef Hartmut Jenner erklärt die neue Hochdruckpistole.

„Wir haben unser Planziel erreicht“, sagte Jenner. „Wir haben vor allem im November und Dezember gut abgeschnitten.“ Auch die Währungsturbulenzen haben das Ergebnis beeinflusst. „Der Euro war 2016 stark und ist erst zum Ende schwächer geworden“, erklärt Jenner. Rechnet man die Währungseinflüsse heraus, liegt das Wachstum im vergangenen Jahr sogar bei sieben Prozent.

„Wichtig für uns: Wir sind stärker gewachsen als der Weltmarkt für Reinigungstechnik“, sagt der Kärcher-Chef. „Der Weltmarkt ist höchstens um 2,5 Prozent gewachsen. Wir waren doppelt so stark.“ Sehr gut lief das Geschäft in Asien und in Europa. Russland und Brasilien, die Sorgenkinder im Jahr 2015, haben sich inzwischen erholt. Schwächer war der arabische Raum. In den USA dagegen hat Kärcher seine Ziele nicht erreicht, so Jenner.

Die USA sind zweitwichtigster Markt

Die USA sind für Kärcher der zweitwichtigste Markt. Kärcher hat dort mehrere Standorte und rund 1100 Mitarbeiter, der Hauptsitz ist in Denver. Das größte Kärcher-Gebäude überhaupt mit 60 000 Quadratmetern – eine Fläche so groß wie das ehemalige Pfleiderer-Areal am Winnender Bahnhof – steht in Arkansas. Und Kärcher hat eine Fabrik in Mexiko. Genauer gesagt in einer grenznahen zollfreien Sonderwirtschaftszone, aus der Waren nur in die USA ausgeführt werden dürfen.

Nun lehnt aber der neue amerikanische Präsident Donald Trump den Freihandel ab und zieht gegen Produktionsverlagerungen von Firmen nach Mexiko zu Felde. Ist Trump nun auch ein Problem für Kärcher? Hartmut Jenner bleibt gelassen: „Das wird eine andere Art von Politik. Aber es ist noch zu früh, um die Signale richtig zu deuten.“ Er verweist darauf, dass 70 Prozent der in den USA produzierten Kärcher-Geräte im Land bleiben. Außerdem habe Kärcher in den USA genügend Flächen zur Verfügung, um auf Veränderungen reagieren zu können. Jenner: „Wir lassen uns nicht verrückt machen.“

"Freier Handel hat viele Vorteile gebracht"

Trump steht für die wachsende Kritik an der Globalisierung, dem weltweiten Austausch von Menschen, von Gütern und Dienstleistungen. „Wir schaffen es bisher nicht, den Mehrwert der Globalisierung zu verdeutlichen“, sagt Jenner selbstkritisch. Dabei habe der freie Handel den Menschen Vorteile gebracht: die geringe Arbeitslosigkeit oder dass viele Güter erschwinglich geworden sind, weil sie nicht mehr mit den Kosten für Zölle und andere Handelshindernisse belastet werden.

Und die Globalisierung hält auch bei Kärcher die Jobmaschine am Laufen – auch in Winnenden und Schwaikheim. 11 862 Mitarbeiter zählte Kärcher Ende 2016 auf der ganzen Welt. Ein Plus von 529 Personen. 2657 Menschen arbeiten für Kärcher in Winnenden (plus 48) und 270 in Schwaikheim (plus 13). In Winnenden wird für sieben Millionen Euro ein neues Gebäude errichtet. Hier werden künftig Waschanlagen getestet. Außerdem entstehen weitere Büros für 220 Mitarbeiter. In Schwaikheim wird eine Million Euro investiert.

20 000 Bewerber am Standort Winnenden

Kärcher wird auch in diesem Jahr weitere Mitarbeiter einstellen, vor allem für neue digitale Produkte. „Wir haben viele Ideen, jetzt geht es an die Umsetzung“, sagt Jenner. Einzelheiten werden aber noch nicht verraten.

Auf eine Zahl ist Jenner besonders stolz: 20 000 Menschen haben sich im vergangenen Jahr allein am Standort Winnenden für einen Job bei Kärcher beworben. „Wir haben viel in die Marke investiert“, sagt Jenner, „das zahlt sich jetzt aus.“

Verkaufsschlager Hartbodenreiniger

Das neue Kärcher-Experience-Center: Das Gebäude ist mit roten Ziegeln verkleidet, die aus dem Abbruch der alten Ziegelei Pfleiderer stammen. Für die Architektur wird Kärcher mit dem Deutschen Ziegelpreis ausgezeichnet. Hier präsentiert die Firma ihre Geräte. Und in diesem Jahr gibt es zahlreiche Neuheiten zu bestaunen. Mehr als 100 neue Geräte bringt Kärcher auf den Markt.

Eine der spannendsten Innovationen ist eine neue Hochdruckpistole. Bei herkömmlichen Pistolen ist der Abzug in der Mitte des Griffes. Hier ist der Abzug vor dem Griff und der Rückstoß des Hochdruckreinigers hält die Pistole in der Luft. Der Vorteil: weniger Kraftaufwand für die Mitarbeiter, die Hand wird geschont, die Arbeit wird leichter. „Sie können die Pistole mit nur zwei Fingern halten“, freut sich Jenner und setzt den Hochdruckreiniger in Betrieb.

Full Control (volle Kontrolle) heißt eine weitere Neuheit. Auf der Pistole sitzt eine Fernbedienung, mit deren Hilfe der Druck reguliert werden kann. Die Fernbedienung gibt die Befehle sofort über Funk an das große Reinigungsgerät weiter.

Ein Verkaufsschlager ist der neue Hartbodenreiniger FC5. „Wir haben bereits 50 000 Geräte verkauft“, berichtet Jenner. „Sie sind ständig ausverkauft, so hoch ist die Nachfrage.“ Wer Steinboden, Laminat oder Parkett reinigen will, muss sich nicht mehr mit Saugen und Wischen herumplagen. Das erledigt der neue Reiniger in einem Arbeitsgang. Wein oder Nutella auf dem Boden? Kein Problem mit dem neuen Gerät, sagt Jenner. Und selbst die Walzen reinigt die Maschine selber.

Es gibt einen Staubsauger, der plötzlich ganz klein wird, weil man das Gestänge einfahren kann. Es gibt einen neuen leichteren Fenstersauger. Jenner ist stolz auf eine neue Akku-Saugmaschine, die 40 Prozent weniger Strom verbraucht.