Winnenden

Kärcher trotzt Corona: Mehr als drei Milliarden Euro Umsatz

Kärcher
Neuer Trend bei Kärcher: Hartmut Jenner zeigt neue Hochdruckreiniger, die per App gesteuert werden. "Smart Control" nennt das Kärcher. © Benjamin Büttner

Kärcher trotzt weiter der Corona-Krise: Zum ersten Mal hat der Winnender Weltmarktführer für Reinigungstechnik mehr als drei Milliarden Euro Umsatz gemacht. „Wir konnten unternehmerisch durchstarten“, sagt Kärcher-Chef Hartmut Jenner (56). „Dennoch war 2021 kein einfaches Jahr für uns.“

Kärcher-Chef Hartmut Jenner: 25 Prozent Wachstum in der Corona-Pandemie

Die Zahlen sprechen für sich: 3,092 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr. Das ist ein Plus von 13,6 Prozent. Bereinigt man den Umsatz um die Währungseffekte, ist Kärcher sogar in den vergangenen beiden Jahren um 25 Prozent gewachsen, sagt Jenner.

Der Bereich Geschäftskunden hat wieder zugelegt, nachdem 2020 viele Investitionen zunächst gestoppt wurden. „Wichtig für uns ist aber, dass wir wieder über dem Niveau von 2019 liegen, dem Jahr vor der Pandemie“, berichtet der Kärcher-Chef. Außerdem lief das Geschäft mit den Privatkunden weiter gut. „Damit war nicht unbedingt zu rechnen.“

Kärcher hätte sogar noch mehr Umsatz machen können. Aber der weltweite Materialmangel machte auch dem Unternehmen zu schaffen. „Die teils drastischen Verwerfungen in der Lieferkette“, bei den Transporten, das Fehlen bestimmter Teile und die rasant angestiegenen Rohstoffpreise hätten die Arbeit immer wieder behindert.

Mehr als sechs Millionen Euro an Corona-Prämien für Kärcher-Mitarbeiter

„Der Erfolg wäre ohne den Einsatz unserer Mitarbeiter nicht möglich. Dafür bin ich dankbar“, sagt Hartmut Jenner. „Corona hat die Menschen stark beansprucht.“ Kärcher bedankt sich nicht nur mit Worten bei den Mitarbeitern. Mehr als sechs Millionen Euro an Corona-Prämien wurden an die Belegschaft in Deutschland ausgezahlt.

Die Zahl der Beschäftigten weltweit ist um 900 auf jetzt 14.400 gestiegen. Kärcher ist inzwischen mit 150 Firmen in 78 Ländern vertreten. Die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland ist um 230 auf 5280 gewachsen. In Winnenden ist nach Jahren des permanenten Wachstums die Mitarbeiterzahl stabil bei 2800 geblieben. Aber auch hier wird weiter eingestellt. Denn 200 Beschäftigte sind im vergangenen Jahr in Winnenden in Rente gegangen. Ein Trend, der sich in den nächsten Jahren am Unternehmenssitz fortsetzen wird.

Kärcher-Roboter reinigen künftig Supermärkte und Fabrikhallen

Als „großen Zukunftstrend“ sieht Kärcher die Automatisierung der Reinigung und kündigt entsprechende Produkte für die Fachmessen in diesem Jahr an. Roboter sollen künftig Supermärkte, Fabrikhallen oder Flughäfen autonom reinigen. Auch der Wechsel von Wasser, die Eigenreinigung und die Aufladung mit Strom funktioniert automatisch. „Wir haben die Steuerung selbst entwickelt“, erklärt Hartmut Jenner. „Unsere Reinigungsroboter können sogar Sicherheitstüren öffnen und schließen.“ Dabei gehe es nicht vom Ersatz von Arbeitsplätzen, sondern um die Aufrechterhaltung der Reinigungsarbeit. „Viele Dienstleister haben heute große Probleme, überhaupt Personal zu finden.“

Vorerst keine neuen Gebäude am Standort Winnenden

Der Standort Schwaikheim profitiert vor allem vom Wachstum bei Kärcher Futuretech. Das Tochterunternehmen konnte im vergangenen Jahr zwei Großaufträge gewinnen: Die niederländische Armee bestellte ein großes Kontingent an Wasserversorgungssystemen, die Bundeswehr mobile Ausrüstungssätze. In der Folge stieg die Zahl der Beschäftigten in Schwaikheim um 30 Personen auf 340.

Kärcher investiert viel. 125 Millionen Euro waren es 2021, in diesem Jahr sollen es noch mehr werden. Winnenden profitiert davon aber derzeit wenig. Kärcher hat die Pläne für ein Parkhaus mit Betriebsrestaurant am Bahnhof und ein neues Bürogebäude auf Eis gelegt, berichtet Jenner. Denn momentan gibt es keinen Bedarf. Es arbeiten immer noch viele Menschen im Home-Office und das wird auch nach dem Ende der Pandemie so bleiben. Hartmut Jenner rechnet mit einem Hybrid-Modell, sprich dem flexiblen Wechsel zwischen Büro und Arbeitsplatz zu Hause. Kärcher rechnet deshalb nur noch mit einer Auslastung der Büroarbeitsplätze von 70 Prozent.

Investitionen in Obersontheim und Bühlertal

60 Millionen Euro flossen in drei deutsche Standorte, berichtet Kärcher: Im Logistikzentrum Obersontheim (Landkreis Schwäbisch Hall) wird das Hochregallager erweitert und die Lagerkapazität verdreifacht. Das benachbarte Werk Bühlertal wird weiter ausgebaut. Bühlertal ist inzwischen Kärchers größter und modernster Produktionsstandort. Und im Main-Tauber-Kreis entsteht ein neues zentrales Service-Center, in dem die Wartung und Reparatur von Produkten aus zehn europäischen Ländern laufen werden.

Kärcher-Klassiker wie der Dampfreiniger haben sich in der Pandemie-Zeit gut verkauft. Ein anderer Klassiker, der Hochdruckreiniger, wird digitaler. Einige neue Geräte lassen sich inzwischen über eine App auf dem Handy steuern. Wozu braucht ein Hochdruckreiniger eine App? Hartmut Jenner erklärt: „Sie wollen beispielsweise eine Holzbank säubern. Die App sagt Ihnen, wie viel Druck und wie viel Wassermenge dafür notwendig sind. Die Apps werden besser genutzt als gedacht.“

Kärcher trotzt weiter der Corona-Krise: Zum ersten Mal hat der Winnender Weltmarktführer für Reinigungstechnik mehr als drei Milliarden Euro Umsatz gemacht. „Wir konnten unternehmerisch durchstarten“, sagt Kärcher-Chef Hartmut Jenner (56). „Dennoch war 2021 kein einfaches Jahr für uns.“

Kärcher-Chef Hartmut Jenner: 25 Prozent Wachstum in der Corona-Pandemie

Die Zahlen sprechen für sich: 3,092 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr. Das ist ein Plus von 13,6 Prozent.

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