Winnenden

Kärcher verlagert 178 Arbeitsplätze ins Werk Bühlertal

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Einblicke in die Produktion im Werk Winnenden. © Frank Nipkau
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Der Blick aus der Drohne auf das Werk Winnenden, das die Hochdruckreiniger-Produktion verlieren soll und das Kärcher-Testgebäude. © Frank Nipkau
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Ein Drohnenbild vom Werksgelände von Kärcher in Winnenden. © Frank Nipkau

Winnenden.
Kärcher verlagert 178 Arbeitsplätze aus dem Werk Winnenden ins Werk Bühlertal. Dort wird künftig die Produktion von Hochdruckreinigern konzentriert. Das Unternehmen will so fünf Millionen Euro im Jahr einsparen. Das gab die Geschäftsführung am Dienstagnachmittag auf einer Betriebsversammlung bekannt.

Das Werk Bühlertal ist etwas mehr als 50 Kilometer von Winnenden entfernt. Die Fahrzeit beträgt rund eine Stunde. In der Region hat Kärcher drei Standorte: das Werk Obersontheim, das Logistikzentrum Obersontheim und das Werk Bühlertal. Rund 1100 Mitarbeiter arbeiten an diesen drei Standorten. In das Werk Bühlertal hat das Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren mehr als 50 Millionen Euro investiert.

Die Produktion der Hochdruckreiniger findet derzeit im Werk Bühlertal und im Werk Winnenden statt. Im Werk Bühlertal stellt das Unternehmen Hochdruckreiniger und Dampfreiniger für private und gewerbliche Nutzer her. Im Werk Winnenden mit insgesamt 295 Arbeitsplätzen werden Scheuersaugmaschinen und Hochdruckreiniger für das Gewerbe produziert. Insgesamt arbeiten für Kärcher in Verwaltung, Entwicklung, Vertrieb und Produktion am Standort Winnenden 2657 Mitarbeiter.

Einsparung von fünf Millionen Euro im Jahr

In den vergangenen Monaten gab es bei Kärcher ein internes Projekt unter Leitung von Produktions-Geschäftsführer Dieter Grajer, um weltweit die Materialflüsse zu optimieren und damit die Herstellungskosten zu reduzieren. Das Problem aus Unternehmenssicht sind die langen Wege zwischen Bühlertal und Winnenden. So wird der Heizkessel für die Hochdruckreiniger im Werk Obersontheim produziert, nach Winnenden transportiert, dort eingebaut, und die fertige Ware wandert wieder zurück in den Landkreis Schwäbisch Hall – ins Auslieferungszentrum nach Sulzdorf.

Außerdem sei der Platz im Werk Winnenden beengt, heißt es. Deshalb gebe es in der Stadt Außenlager für Produktionsteile, etwa beim ehemaligen Betten-Paradies. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Durch die Verkürzung der Transportwege, die Optimierung der Produktion und den Wegfall der Lager erhofft sich Kärcher eine Einsparung von fünf Millionen Euro im Jahr.

Kärcher ist der einzige Hersteller von Hochdruckreinigern, der noch in Deutschland produziert, sagt Frank Schad, Chef der Öffentlichkeitsarbeit. Alle anderen Wettbewerber seien in Billiglohnländer abgewandert. 44 Prozent der Kärcher-Geräte werden in Deutschland hergestellt, obwohl nur 14 Prozent der Geräte hier verkauft werden. Schad: „Wir verlagern nicht nach China wie alle anderen, wir halten unsere Produktion in Deutschland. Aber wir müssen wettbewerbsfähig sein, damit die Arbeitsplätze sicher sind.“

"Wir wünschen uns, dass alle Mitarbeiter mitgehen."

„Wir wünschen uns, dass alle Mitarbeiter ins Werk Bühlertal mitgehen“, sagt Frank Schad. Soziale Härten für Mitarbeiter sollen abgefedert werden. Mitarbeiter, die durch verlängerte Anfahrtswege einen höheren Aufwand haben, sollen einen Ausgleich erhalten. Dazu will Kärcher Gespräche mit dem Betriebsrat führen.

Das Werk Winnenden soll sich auf die Produktion von Scheuersaugmaschinen konzentrieren. „Die Flächen, die wir dort gewinnen werden, können wir nutzen, um die schon bestehende Fertigung von Bodenreinigungsgeräten wirtschaftlicher zu gestalten und nachhaltig auszubauen“, sagt Dieter Grajer.

Im Übrigen will Kärcher am Standort Winnenden weiter expandieren. Auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Pfleiderer wird für sieben Millionen Euro ein weiteres Gebäude gebaut, mit Büros und Versuchsständen für Waschanlagen. 

Für die Anwohner rund um das Werk Winnenden bedeutet die Verlagerung weniger Lkw-Verkehr. Kärcher rechnet mit einer Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen in Höhe von 45 Tonnen pro Jahr. Die Verlagerung soll in mehreren Etappen stattfinden. Der Beginn ist auf den September terminiert, die Verlagerung ins Bühlertal soll Mitte 2018 abgeschlossen sein.

Update
Der Kärcher-Betriebsrat meldet sich zu Wort: Er will für den Erhalt aller Arbeitsplätze am Standort Winnenden kämpfen (mehr dazu).