Winnenden

Kaum Verstöße bei Radlerkontrolle in Fußgängerzone

Radfahren in der Fußgängerzone Winnenden_0
Radlerkontrolle in der Fußgängerzone: Strafzettel gibt es keine, aber einen Merkzettel mit den Radlerregeln. © ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden. Es ist keine Kunst, Klagen über renitente Radler in der Fußgängerzone zu hören – aber es ist unglaublich schwer, selbst einen rasenden Radler zu entdecken. Wie schwer es ist, das haben die Polizei und Kräfte des Winnender Ordnungsamts am Montagmittag bei einer Kontrolle erlebt. Wegen Regens waren nur wenige Radler unterwegs, und die wenigen waren brav und im Zweifelsfall einsichtig.

Vor zehn Tagen hatten Stadt und Polizei den Kontrolltag festgelegt. Seither regnete es nie, außer genau an diesem Montagmorgen um sieben. Da war die erste Kontrollstunde, und es kamen, naturgemäß nur wenige radelnde Schüler durch die Fußgängerzone. Mittags dann ist das Radleraufkommen wieder sehr dünn. Die Schüler schwärmen zu Fuß in die Stadt. Die vier städtischen Ordnungshüter und die zwei Polizistinnen ahnten schon, dass sie nur wenigen Radlern begegnen würden.

Überaus vorsichtig und langsam, aber kein Licht am Fahrrad

Und die wenigen benehmen sich verkehrsgerecht, sogar übervorsichtig. Einer steigt ab, schiebt, als er aus 40 Metern Entfernung die Polizeiuniformen sieht und blickt dann doch ungläubig, als ihn die Polizisten trotzdem kontrollieren. Er hat kein Licht und keinen Reflektor vorne an der Lenksäule – das wird moniert. Weiteren, kleineren Schülern geht es ähnlich.

Von der Polizei angehalten zu werden, ist kein Pappenstiel

Monika Epple, Jugendsachbearbeiterin der Polizei, macht den Schülern keinen Stress. Das ist auch nicht nötig. Mancher der Kleineren guckt gleich bedröppelt, weil er vielleicht zum ersten Mal im Leben von der Polizei angehalten wird. Dabei haben alle Kontrollierten Glück: An diesem Tag stellt die Polizei den Radlern keine Strafzettelaus. Sie klärt nur auf. Drei Mädchen kommen mit tadellosen Fahrrädern und steigen schon in der Schlossstraße aus dem Sattel, um zu schieben. Die Kontrolleure loben sie und sagen ihnen, dass sie wirklich queren dürfen. Sie nicken und fahren vorsichtig los.

Die Kontrolleure verteilen sich. Zwei gehen in die obere Markstraße. Vor der Post tut sich wenig. Der übliche Schülerschwarm um die Mittagszeit kommt an diesem Regentag zu Fuß. Zwischen ihnen wuselt etwas wieselflink, man sieht es kaum. Ein kleines Mädchen auf einem Skateroller. Die Polizistin hält es an. Das Mädchen wundert sich: „Ich dachte, das ist doch erlaubt.“ Ist es nicht. „Dann gehe ich rüber zu dem Fahrradweg an der Straße. Darf ich da fahren?“ Darf sie. Sie bekommt noch einen Merkzettel mit und ist schon wieder weiter.

Ausweichmanöver unterhalb vom Marktbrunnen misslingt

Beim Bäcker Haag steht so auffällig das große Polizeiauto, dass ein fahrender Schüler, der von Kreissparkasse herkommt, Tempo gibt, ausweicht und unterhalb vom Brunnen durchwitschen will. Polizistin Monika Epple ist schneller, stellt ihn am Brunnen: „Was hast zu alles falsch gemacht?“ „Ich darf nicht in der Stadt Fahrrad fahren“, sagt der Zwölfjährige. Na ja. Epple erklärt ihm genau, was er darf: Quer fahren geht, längs nicht. Langsam radeln ist erlaubt, schnell radeln nicht ... Und was ist mit seinem Licht am Fahrrad? Oh je. Und die Reflektoren? Fehlen auch. Personendaten werden aufgenommen. Der Junge bekommt eine Mängelliste für seine Eltern, nächste Woche muss er zum Polizeirevier kommen, ein intaktes Fahrrad vorzeigen, und einen unterschriebenen Zettel von seinen Eltern.

Fünf Jungs beobachten die Szene mit Abstand. Sie kapieren: Radeln in der Fußgängerzone unterliegt Regeln, deren Einhaltung manchmal kontrolliert wird. Insofern hat die Kontrolle etwas bewirkt im Bewusstsein von Winnender Jugendlichen.


Strafzettel:

Die größere Störung als jeder Radler an diesem Montag in der Fußgängerzone war ein Taxi. Eine Taxifahrerin fuhr es mit Fahrgast durch die Obere Hauptstraße und näherte sich etwas unverfroren den Beinen der Fahrradkontrolleure, um sich Platz für eine Durchfahrt zu verschaffen.

Im letzten Augenblick bremste die Taxifahrerin doch ab und schaltete den Motor aus.

„Sie müssen eine Ausnahmegenehmigung hinter der Scheibe liegen haben, wenn Sie durch die Fußgängerzone fahren“, sagte der Kontrolleur. Sie bekam den einzigen Strafzettel bei dieser Fahrradkontrolle.