Winnenden

Kein Gartenhausgebiet auf dem Waiblinger Berg

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Blick auf einen kleinen Teil des Waiblinger Bergs – unten Wohnhäuser, oben Streuobstwiesen. © Palmizi / ZVW

Winnenden. Die große Mehrheit des Gemeinderats wünscht nicht, dass die Stadt für den grünen Teil des Waiblinger Bergs ein Gartenhausgebiet ausweist. Die Entscheidung am Dienstagabend bedeutet, dass nicht-genehmigte zu große Hütten, Unterstände, versiegelte Terrassen zurückgebaut werden müssen.

Mehr als 50 Wiesenbesitzer oder ihre Pächter haben am Waiblinger Berg Hütten, die größer als 25 Kubikmeter sind. Was der Laie als „Hüttenwerke“ oder „Wildwuchs“ bezeichnet, wurde von der Baurechtsbehörde seit 2015 genau angeschaut und mit den Besitzern diskutiert. Was die zulässigen 20 Kubikmeter umbauten Raum überschreitet, soll nun definitiv weg. Die Landesbauordnung lässt der Stadt und den zum Verwaltungsverband gehörenden Gemeinden Schwaikheim und Leutenbach für Außenbereichsflächen in dieser Hinsicht nur wenig Spielraum.

Landschaft steht der Allgemeinheit zur Verfügung

„Wir haben als Gemeinderäte den Blick aufs Ganze mit unserem Flächennutzungsplan“, äußerte sich Stadtrat Christoph Mohr (Alternative Liste) fast zornig, „und jetzt sollen wir auf Zuruf von Grundstücksbesitzern einen Bebauungsplan machen, um deren Bauten zu veredeln?! Ich bin dagegen, sie nachträglich zu legalisieren. Diese ökologisch hochwertige Landschaft steht der Erholung des Besitzers, aber vor allem auch der Allgemeinheit zur Verfügung.“

Um genau diesen Punkt haben Baurechtler und Hobbygärtner, flankiert von Vertretern vieler Obst- und Gartenbauvereine (OGV), Trampolin für Kinder habe doch niemand mehr Lust, eine Streuobstwiese zu mähen und die Bäume zu schneiden.

Regenwasser-Tanks müssen begrünt werden

„Ich bin zuversichtlich, dass man pragmatische Lösungen findet, um die Freizeitnutzung weiter zu ermöglichen“, sagte Stadtrat Andreas Herfurth (SPD). Tatsächlich kann die Behörde, ohne die gesetzlichen Vorgaben zu brechen, Zugeständnisse machen, die zuletzt im Treffen mit OGV-Vertretern am Montagabend zu deren Zufriedenheit besprochen wurden. Beispiel: Möchte jemand für seinen Gemüsegarten Regenwasser sammeln, darf er dies künftig auch in zwei quadratischen 1000-Liter-Tanks tun, er muss sie aber mit Rankpflanzen begrünen oder hinter einer Hecke verstecken. Und auch Brennholz darf man für den Eigenverbrauch lagern in einem Stapel mit maximal 45 Kubikmetern. Wichtig ist nur, dass es nicht von einem Dach auf Pfosten abgedeckt wird, sondern lediglich mit einer Plane oder Folie.

Lange Zeit, in der die Behörde untätig war

Zwei Stadträte hätten gern einen Bebauungsplan aufgestellt. Petra Schäftlmeier (CDU) würde darin größere Gebäude als 20 Kubikmeter, eine überdachte Terrasse und Schaukeln zulassen. „Der Wildwuchs stört mich auch, aber die Stücklespflege ist ohne hohen Freizeitwert nicht mehr so attraktiv wie noch vor 25 Jahren.“ An dieser langen Zeit, die die Behörde untätig war, in der sie alte Verstöße nicht ahndete und neuen nicht Einhalt gebot, störten sich andere wie die Stadträtin Bettina Jenner-Wanek (CDU): „Dadurch ist viel Vertrauen verloren gegangen.“ Sie und drei weitere Gemeinderäte enthielten sich der Stimme.

Außenbereiche im Verbandsgebiet wichtig

Die Mehrheit aber sieht es jedoch als absolut richtig an, Außenbereiche zum Schutz der Natur wieder so frei wie möglich zu machen, Platz für Obstbäume zu schaffen und die Wiesen auch nicht einzuzäunen. Markus Schlecht vom Stadtentwicklungsamt warnte sogar vor einem Bebauungsplan Waiblinger Berg: „Es hieße, dass andere Wiesenbesitzer im Verbandsgebiet ebenfalls Anträge auf solch ein Sondergebiet stellen würden. Er würde der jetzt eingeschlagenen klaren Linie der Baurechtsbehörde zuwiderlaufen.“ Die Außenbereiche im Verbandsgebiet seien in der Summe wichtig, weil sie mit den noch strenger geschützten Natur- und Landschaftsschutzgebieten vernetzt sind und somit für Tiere und Pflanzen einen noch höheren Wert haben. Speziell am Waiblinger Berg ist sich Markus Schlecht sicher, dass die nächsthöhere Behörde einen Gartenhaus-Bebauungsplan sowieso nicht geduldet hätte: Der grüne Gürtel am Hang, unterhalb des Waldes, dient dem Wohngebiet Schelmenholz als Zone, in der Frischluft entsteht.