Winnenden

Krankheitswelle unter Kindern in Winnenden: Teilweise die halbe Klasse krank

Gretel-Nusser-Kinderhaus
In manchen Winnender Kitas sind die Gruppen nur zur Hälfte besucht – der Rest der Kinder ist krank. © Alexandra Palmizi

Ist das nur so ein Gefühl oder liegt aktuell halb Winnenden flach? Vor allem unter Kindern scheint eine Krankheitswelle zu grassieren. Zudem plagt viele Eltern die Sorge vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus, kurz RSV oder RS-Virus. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern kann es schwere Erkrankungen der Atemwege auslösen, in den meisten Fällen verläuft eine Infektion aber ähnlich wie eine normale Grippe. Wir haben uns in den Winnender Kitas und Grundschulen zum Krankenstand umgehört – und auch versucht, mit einer Kinderärztin zu sprechen ...

Kinderärzte haben alle Hände voll zu tun – und schlagen hörbar Alarm

Das ist aber gar nicht so einfach. Schließlich steckt diese Zunft aktuell knietief in Arbeit und schlägt hörbar Alarm: „Die Situation der Kinderkliniken und vor allem der ambulanten Kinder- und Jugendarztpraxen in Deutschland ist dramatisch“, hatte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) zum Wochenbeginn in einer Pressemitteilung geschrieben. Von überlasteten Kinderkliniken ist die Rede, von Aufnahmestopps in Praxen. Schuld an der verzwickten Lage seien vor allem eine verfehlte Politik, steigende Kosten, immer mehr Patienten bei immer weniger Ärzten – aber eben auch die Verbreitung des RS-Virus und eine Zunahme schwerer Atemwegsinfekte.

Die Kinderarztpraxen sind voll und ein „Sommerloch“ gab es nicht

Unsere Versuche, mit der Winnender Kinderärztin Gabriele Klingler zu sprechen oder mit ihrem Kollegen Dr. med. Michael Hoffmann, waren in dieser Woche nicht von Erfolg gekrönt. Eine Sprechstundenhilfe berichtet uns aber am Telefon: „Wir sind von einer Infektwelle in die nächste gekracht.“ Schon ein Sommerloch habe es praktisch nicht gegeben, die Praxis sei aktuell immer voll. Ihr Job sei jetzt insbesondere die Vorauswahl der wirklich akuten Fälle am Telefon. Aber, versichert die freundliche Frau: „Kinder, die’s nötig haben, bekommen einen Termin.“ RSV sei konkret, also bestätigterweise, nicht das Thema in der Praxis, die Symptome, sprich: Erkrankungen der Atemwege, aber schon. Bronchitis, grippale Infekte, „es zieht alles langsam an“.

Wie Prof. Dr. Rauch, Chefarzt der Kinderklinik am Rems-Murr-Klinikum in Winnenden, berichtet, ist auch dort die Lage angespannt. In der Kinderklinik geht das eindeutig auf die Verbreitung des Virus zurück: „Wir haben eine ganz, ganz starke RSV-Welle“, sagt der Mediziner. Insbesondere Kinder unter zwei Jahren seien betroffen. Spiegelt sich die angespannte Lage auch an den Winnender Kitas und Grundschulen wider?

In manchen Kita-Gruppen sind fast die Hälfte aller Kinder krank

Thomas Pfeifer, der das Amt für Jugend und Familien im Winnender Rathaus leitet, berichtet von einem „hohen Krankenstand“, und zwar „sowohl bei den Kindern, wie auch beim pädagogischen Personal“. In manchen Kitas fehlten zwischen einem Drittel und der Hälfte der Kinder in einzelnen Gruppen. „Nach Meldung der Erzieherinnen/Erzieher leiden die Kinder hauptsächlich unter Atemwegserkrankungen und Fieber, aber auch Magen-Darm-Infektionen, Bronchitis und anderem.“

Inwieweit der Krankenstand also auf das RS-Virus zurückzuführen ist, kann der Amtsleiter nicht sagen. Stand Donnerstagmorgen (1.12.) ist ihm nur ein einziger RSV-Fall aus einer Winnender Kita bekannt.

Das muss nichts heißen: Erstens bleiben viele Infektionen mit dem weit verbreiteten Virus unentdeckt und zweitens melden sich kranke Kinder wie Erwachsene in aller Regel nicht mit dem genauen ärztlichen Befund von der Kita ab. Besondere Sicherheitsvorkehrungen gegen das Virus werden in den Betreuungseinrichtungen laut Pfeifer nicht getroffen. „Allerdings wird seit der Corona-Pandemie ohnehin sehr großer Wert auf Hygienestandards gelegt, die weiterhin umgesetzt werden“, betont er.

Aus den Winnender Grundschulen kommen auf Anfrage unserer Redaktion ganz unterschiedliche Rückmeldungen. Auch hier werden Krankmeldungen nicht mit der Diagnose eingereicht. Welche Rolle RSV spielt, ist also unbekannt. An der Haselsteinschule herrsche „eher ein ,normaler‘ Krankenstand“, schreibt Schulleiterin Anna Lobitz. „Vor zwei Wochen konnten wir eine größere Krankenwelle beobachten, diese Woche ist es wieder ruhiger.“

An der Hungerbergschule hatten sich in der vergangenen Woche in einer ersten Klasse die Reihen deutlich gelichtet: Von 20 Kindern seien an zwei Tagen jeweils nur acht Kinder anwesend gewesen – mehr als die Hälfte war krank. „Starke Erkältungen mit Fieber sind oft die Gründe“, berichtet Rektorin Ulrike Dengler. In dieser Woche ist wieder mehr los: Rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler seien krank, 30 von insgesamt 155 Kindern.

Ähnlich ergeht es der Schulgemeinschaft an der Grundschule Höfen. Schulleiterin Petra Riefler berichtet: „Wir hatten bisher nur in einer ersten Klasse in der vergangenen Woche auffällig viele kranke Kinder mit Husten und Erkältungssymptomen: 10 von 16 Kindern! Inzwischen sind aber fast alle Kinder dieser Klasse wieder gesund.“ In den anderen sechs Klassen seien jeweils zwischen einem und drei Kinder krank – „das ist ganz normal in dieser Jahreszeit. Die Kinder haben entweder eine Erkältung, Fieber oder auch Magen-Darm-Infekte.“

Drei von zwölf Lehrkräften krank – „das ist kaum zu kompensieren“

An der Grundschule Schelmenholz herrscht unter den Kindern ebenfalls ein für Ende November üblicher Krankenstand. Zwei, drei Kinder pro Klasse fehlen erkältet, auch Corona-Fälle sind darunter. Was Schulleiterin Valerie Seiler aktuell mehr Kopfzerbrechen bereitet, sind die kranken Erwachsenen: „Allerdings hat es bei uns die Lehrkräfte erwischt, hier fehlen von zwölf drei. Das ist kaum zu kompensieren“, antwortet sie auf die Anfrage unserer Redaktion.

Ist das nur so ein Gefühl oder liegt aktuell halb Winnenden flach? Vor allem unter Kindern scheint eine Krankheitswelle zu grassieren. Zudem plagt viele Eltern die Sorge vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus, kurz RSV oder RS-Virus. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern kann es schwere Erkrankungen der Atemwege auslösen, in den meisten Fällen verläuft eine Infektion aber ähnlich wie eine normale Grippe. Wir haben uns in den Winnender Kitas und Grundschulen zum Krankenstand umgehört –

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