Winnenden

Krieg in der Ukraine: Winnenden hilft und hofft auf Frieden

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Protestplakate gegen den Krieg und Ukraine-Flaggen beim Friedensgebet auf dem Marktplatz in Winnenden. © Alexandra Palmizi

Wladimir Putins Angriff auf die Ukraine erschüttert auch die Menschen in Winnenden. Am Dienstagabend sind zahlreiche von ihnen auf dem Marktplatz zu einem Friedensgebet zusammengekommen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen hatte dazu eingeladen. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth beschwor in einem Grußwort das friedliche Miteinander in der Stadt. Seine Verwaltung bereitet sich indes auf die Aufnahme von Flüchtlingen vor – und bittet die Bevölkerung um Mithilfe.  Hilfe leistet auch die Feuerwehr: Sie spendet unter anderem einen Schaumwasserwerfer an die Ukraine, mit dem sich brennende Autos und Gebäude löschen lassen.

Nachdenklich, ernst, aber auch hoffnungsvoll war die Stimmung am Dienstagabend auf dem Winnender Marktplatz. Unter Anleitung von Pastor Thomas Mozer von der evangelisch-methodistischen Kirche, Philipp Essich von der evangelischen und Brigitte David von der katholischen Kirchengemeinde wurde gemeinsam gebetet und, begleitet von Volker Franzki am Cello, gesungen: Ein „Herr, erbarme Dich“ aus der orthodoxen Liturgie in der Ukraine, quasi als „Brückenschlag durch Musik“, wie Thomas Mozer es bezeichnet, und das hebräische „Hevenu shalom alechem“: „Wir wünschen Frieden euch allen“.

Schätzungsweise rund 350 Menschen waren dem Aufruf Kirchengemeinden zum Friedensgebet gefolgt, unter ihnen auch Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth.

Holzwarth: Putin trägt Verantwortung für die „skrupellosen Militäraktionen“

Dieser fand deutliche Worte zum Krieg in der Ukraine, dieser „jungen Demokratie“, die nun „vom autokratischen Russland überfallen“ werde, „dessen Präsident Wladimir Putin die Hauptverantwortung für die skrupellosen Militäraktionen“ trage. Jetzt gelte es, bei aller Fassungslosigkeit „kühlen Kopf“ zu bewahren und „kompromisslos für den Frieden“ einzutreten. Holzwarth sprach sich für die Sanktionen gegen Russland aus und auch für die humanitäre und „zwangsläufig“ auch militärische Unterstützung der Ukraine.

Besonders wichtig ist dem Rathauschef, nicht alle Menschen in und aus Russland über einen Kamm zu scheren: „Wir unterscheiden übrigens genau zwischen der fehlgeleiteten russischen Regierung und dem russischen Volk, das hier sicherlich gegen seinen mehrheitlichen Willen in die Irre geführt wird.“ Winnenden baue auf das friedliche Miteinander von Menschen mit russischen und ukrainischen Wurzeln in der Stadt. Von diesen Menschen besitzen laut Holzwarth rund 250 einen russischen und 65 einen ukrainischen Pass.

Der Christdemokrat äußerte den Wunsch, dass diese Winnender „nicht in die Auseinandersetzungen hineingezogen werden, ja sogar dass sie mit uns gemeinsam für die Bürgerkriegsflüchtlinge eintreten und für den Frieden, der so wichtig ist“.

Thomas Mozer: Auf den Marktplatz kommen heißt: „Ich möchte Frieden!“

Pfarrer Thomas Mozer, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Winnenden, kündigte für den kommenden Dienstag ein weiteres Friedensgebet an. „Wir müssen dieser Sprachlosigkeit, dieser Hilflosigkeit, dieser Fassungslosigkeit Raum geben“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. In den Kirchen bei den Gottesdiensten sei dies am vergangenen Sonntag schon geschehen.

Das öffentliche Friedensgebet soll auch allen, die nicht in die Kirche gehen, die Möglichkeit bieten, sich einzuklinken, Gemeinschaft zu finden: „Das Ganze hat schon allein dadurch, dass man auf den Marktplatz kommt, einen Demonstrationscharakter: Ich möchte Frieden und nicht diesen sinnlosen Krieg!“

Stadt Winnenden bittet ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, sich zu melden

Mit den Folgen dieses sinnlosen Kriegs beschäftigt sich schon heute die Winnender Stadtverwaltung. Hunderttausende Menschen befänden sich bereits auf der Flucht, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung aus dem Rathaus, Winnenden stelle sich schon jetzt darauf ein, Flüchtlinge aufzunehmen. „Wie viele es sein werden, ist noch ungewiss. Sicher aber ist, dass es einer gemeinschaftlichen Unterstützung bedarf, um die geflüchteten Menschen zu unterstützen und zu begleiten“, schreibt die Pressestelle. Gesucht werden unter anderem Winnender, die Ukrainisch oder Russisch sprechen, die Geflüchteten eine Unterkunft bieten wollen, die sich vorstellen könnten, den Menschen, die hier bald ankommen werden, im Alltag zu helfen, zum Beispiel bei Arztbesuchen.

Wer seine Hilfe anbieten möchte, darf sich an Helfen@winnenden.de wenden mit Name, Vorname und Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und dem Hilfsangebot. Für jegliche telefonische Anfragen zu den ehrenamtlichen Unterstützungsmöglichkeiten stehe Birsen Armac zur Verfügung:0 71 95/1 33 27.

Feuerwehr Winnenden liefert Einsatzkleidung und ein Löschgerät

Apropos Ehrenamt: Ganz praktische Hilfe will auch die Winnender Feuerwehr leisten. Sie beteiligt sich mit anderen Wehren im Rems-Murr-Kreis an einer Spendenaktion der Firma Barth aus Fellbach. „Die Firma hat Geschäftspartner in der Ukraine und am Samstag beschlossen, dass sie etwas für die Menschen dort tun will“, erzählt der Winnender Feuerwehrkommandant Yosh Dollase am Telefon. Daraufhin habe die Feuerwehr in Fellbach Kontakt zu den Kollegen im Kreis aufgenommen. „Wir haben sofort gesagt, dass wir unterstützen wollen“, sagt der Kommandant.

Aus Winnenden geht nun einiges an Ausrüstung in das Kriegsgebiet. „Dabei handelt es sich um ausgemustertes Material. Alles ist allerdings voll funktionsfähig“, versichert Dollase. 26 Einsatzjacken, sieben Hosen, Handschuhe, Stiefel, Helme und Schläuche hat die Winnender Wehr für die Menschen in der Ukraine zusammengepackt. Auch eine Rarität geben die Winnender ab. „Wir werden einen Schaumwasserwerfer mitschicken. Mit Hilfe des Schaumwassergemischs können aus größerer Entfernung Gebäude oder Autos gelöscht werden. Bei uns war das Gerät seit 30 Jahren nicht im Einsatz, aber es funktioniert“, so der Feuerwehrkommandant.

Spendenaufruf in den sozialen Medien: Kleidung, Schuhe, haltbares Essen

Und auch in den sozialen Medien ist die Solidarität mit den Menschen in der Ukraine groß. Über die Facebookgruppe „Wir sind Winnenden“ läuft eine Spendensammlung. Gesucht werden unter anderem Erwachsenenkleidung in sämtlichen Größen, Schuhe, Medikamente und haltbares Essen, etwa in Konserven. Weitere Infos und Kontakt: 01 76/20 71 43 13.

Winnenden zeigt Flagge, hilft und hofft. Beim Friedensgebet auf dem Marktplatz am Dienstagabend sprach Pastor Thomas Mozer bestimmt vielen aus dem Herzen, als er sagte: „Wir hoffen und beten, dass noch Vernunft einkehren möge, ein Stopp der Angriffe erfolgt, eine Umkehr zum Frieden.“

Wladimir Putins Angriff auf die Ukraine erschüttert auch die Menschen in Winnenden. Am Dienstagabend sind zahlreiche von ihnen auf dem Marktplatz zu einem Friedensgebet zusammengekommen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen hatte dazu eingeladen. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth beschwor in einem Grußwort das friedliche Miteinander in der Stadt. Seine Verwaltung bereitet sich indes auf die Aufnahme von Flüchtlingen vor – und bittet die Bevölkerung um Mithilfe.  Hilfe leistet auch

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