Winnenden

Kundenstau vor Winnendens Friseursalons

Friseur Kroiss
Ute Heller (rechts) färbt einer Kundin am Montagvormittag die Haare. Beide tragen eine Schutzmaske. Foto: Büttner © Benjamin Büttner

Egal, bei welchem Winnender Friseur man es am Montagvormittag telefonisch probiert: Meistens ist das Besetztzeichen zu hören. „Was heute Morgen zwischen 8 und 9 Uhr los war, war verrückt. Das Telefon schellt und schellt“, sagt Ute Heller, Friseurin bei Kroiss in der Schorndorfer Straße. Wie für sie das Arbeiten nach der sechswöchigen Corona-Pause ist? „In erster Linie bin ich froh, dass wir wieder arbeiten dürfen“, sagt sie, während sie einer Kundin die Haare schneidet. „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Es ist aber schon komisch, dass wir unseren Kunden keine Zeitschriften und auch keine Getränke mehr anbieten dürfen“, sagt sie. Sie glaube, dass gerade die fehlenden Zeitschriften für viele Kunden ein Problem darstellen. „Manche wissen nicht, was sie mit ihrem Kopf machen sollen, wenn sie nichts lesen, und sind dann nervös“, berichtet Heller. Im Mai gibt es bei Kroiss keine Termine mehr. „Wir sind quasi komplett ausgebucht. Nach sechs Wochen Pause wäre es aber auch traurig, wenn es anders wäre“, sagt Ute Heller.

„Hauptsache die Haare sind wieder geschnitten“

Am Montagvormittag war noch kein Kunde da, der in der Corona-Pause selbst zu Schere oder dem Rasierapparat gegriffen hätte und dem dabei möglicherweise etwas misslang. „Kommt vielleicht noch“, sagt die Friseurin mit einem Lächeln auf den Lippen. Schwierig sei es für Friseure im Moment, Handschuhe und Einmalschürzen für die Kunden zu bekommen, erzählt sie.

Stephanie Holz lässt sich gerade die Haare schneiden. Ihren Termin hatte sie eigentlich im April, er wurde verschoben. Sie ist eine der glücklichen Kunden, die direkt am ersten Öffnungstag einen Termin ergatterten. Ob sie keine Angst vor einer Corona-Ansteckung im Salon hat? „Überhaupt nicht. Ich sehe das total entspannt“, sagt sie. Auch mit den fehlenden Zeitschriften und Getränken hat sie kein Problem. „Damit kann man sich arrangieren. Ich komme ja zum Haareschneiden und nicht zum Lesen“, sagt sie. Ein Stück von ihr entfernt, mit deutlich mehr als dem nötigen Mindestabstand von anderthalb Metern, sitzt Kundin Johanna Gerschek. Auch sie hat keine Sorgen oder Bedenken. „Nur um meine Enkel, um mich nicht“, sagt sie. „Ich muss sagen, dass ich beim Friseur immer die Blättchen lese, die ich sonst nie lese. Mir fehlt es schon, dass ich jetzt nicht mehr so über die Prominenz informiert bin“, sagt sie.

Haare werden im Salon gewaschen

Beim Star-Friseursalon in der Bahnhofstraße kommen die Kunden im Minutentakt. Ibo Colak, der den Laden gemeinsam mit seiner Mutter führt, hat die Türe stets geöffnet. Die Kunden rufen rein, ob es einen Termin gibt. „Komm' in 50 Minuten noch mal“, antwortet Ibo Colak ihnen, der die meisten Kunden gut kennt. „Die Kunden kommen ohne Termin, ich gebe ihnen dann einen, wenn sie hier sind“, sagt Colak. Noch hat es sich nicht bei jedem Kunden rumgesprochen, dass ein Termin per Telefon oder E-Mail in den nächsten Wochen nötig ist

Manch einer wartet vor dem Salon. „Ich habe vorher angerufen und gefragt, wie viel los ist“, sagt zum Beispiel ein Wartender. Ob er sich in den vergangenen Wochen die Haare selbst geschnitten hat? „Das habe ich mich nicht getraut“, sagt er und lacht. Angst vor einer Corona-Ansteckung habe er nicht, schließlich sei man bei Ibo gut geschützt.

„Für mich ändert sich eigentlich nicht viel an der Arbeit“, sagt Friseur Ibo Colak. Den Mindestabstand von anderthalb Metern zwischen den Kundenplätzen hat er selbst gemessen, erzählt er. „Wir müssen jedem Kunden die Haare waschen. Es bringt also nichts, wenn man das zu Hause schon macht“, sagt er.

Glücklicherweise hätten sich seine Lieferanten sehr früh um Folienumhänge für die Kunden gekümmert, so dass es bei ihm zu keinen Engpässen kommt.

Kunden sind über jeden Termin froh

Wie er mit dem ersten Öffnungstag zufrieden ist? „Ein Kunde kam ohne Maske. Ich habe ihm dann eine gegeben. Ich wusste, dass nicht wenig los sein wird. Aber wie viele Kunden heute bisher gekommen sind, das ist fast schon katastrophal“, sagt er, geht aber davon aus, dass es sich ab kommender Woche wieder auf das übliche Niveau einpendeln wird.

Kaum anders sieht es beim Friseur am Rathaus aus. Vier Kunden warten mit dem nötigen Mindestabstand vor dem Laden. „Mittlerweile ist es ein bisschen besser“, sagt eine Friseurin gegen 12 Uhr. „Heute Morgen um 9 Uhr war die Hölle los.“ Beschwert habe sich bisher kein Kunde über zu lange Wartezeiten. „Die sind alle froh, überhaupt dranzukommen“, sagt sie. Vor dem Laden wartet Lukas Volz. „Ich bin gerade erst gekommen“, erzählt er. „Ich habe Mittagspause und hoffe, dass noch etwas frei wird.“ Ob er sich vor einer Ansteckung im Friseursalon fürchtet? „Nein“, sagt er. „Und mir ist es egal, dass es keine Zeitschriften und Getränke gibt. Hauptsache die Haare sind wieder geschnitten.“

Egal, bei welchem Winnender Friseur man es am Montagvormittag telefonisch probiert: Meistens ist das Besetztzeichen zu hören. „Was heute Morgen zwischen 8 und 9 Uhr los war, war verrückt. Das Telefon schellt und schellt“, sagt Ute Heller, Friseurin bei Kroiss in der Schorndorfer Straße. Wie für sie das Arbeiten nach der sechswöchigen Corona-Pause ist? „In erster Linie bin ich froh, dass wir wieder arbeiten dürfen“, sagt sie, während sie einer Kundin die Haare schneidet. „Ich habe es mir

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