Winnenden

Lars Besa: Neubeginn nach dem Firmen-Brand

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Nach dem Brand ist der Sanitärbetrieb von Lars Besa in Container gezogen, die unweit des eigentlichen Firmensitzes aufgestellt wurden. © Palmizi/ZVW
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Lars Besa freut sich über Unterstützung von allen Seiten.

Leutenbach. Das Firmenschild prangt mit Klebestreifen provisorisch befestigt über einem der weißen Container. „Wir sind wieder genauso schlagfertig wie zuvor“, sagt Firmenchef Lars Besa nach dem Brand in seinem Sanitärbetrieb Anfang März. Die Firma hat sich in den Containern unweit des Firmensitzes fertig eingerichtet. Ein Jahr wird es wohl dauern, bis die Mannschaft wieder in feste Räume zieht.

Die Computer waren alle kaputt, da Ruß bis in die kleinste Ritze vorgedrungen war. Die Datensicherung der Leutenbacher Firma befand sich nebenan im Lager, dort, wo der Brand am 1. März im Sanitärbetrieb von Lars Besa in der Ziegeleistraße ausgebrochen war. „Die war also komplett verbrannt“, sagt der 54-Jährige. Wie kommt man an die Kundendaten, die samt Aufträgen mit Plänen und Kostenvoranschlägen im Betriebsnetzwerk gespeichert waren? Einem der 18 Mitarbeiter von Besa kam der Gedanke, dass es noch einen weiteren Computer gibt, der etwas abseits in einem anderen Raum stand und der ebenfalls an das Firmennetz angeschlossen war. „Der hat zum Glück funktioniert. Nur die letzten vier Wochen haben gefehlt“, meint er.

Verantwortung für die Mannschaft

Die Tage nach dem Brand seien mühsam gewesen, erinnert sich Besa, der in seiner Freizeit oft als Sänger mit der Punk-Band Normahl unterwegs ist. Man steht morgens auf, will ins Geschäft gehen, was aber in der Art und Weise nicht mehr vorhanden war. Als Chef trage man Verantwortung für seine Mannschaft. Viele von ihnen haben Familie und sind der Hauptverdiener. Sie sind auf ihren Job angewiesen, das habe ihn überhaupt motiviert, morgens aufzustehen. Lars Besa ist kein Mensch, der jammert oder sich schnell unterkriegen lässt. „Der Besa, der steht wieder auf!“, sagen Freunde über ihn. „Ich bin ein alter Sportler, keiner, der schnell aufgibt“, sagt Besa und lächelt, während er sich eine Zigarette anzündet.

Brand ging vermutlich von einer defekten Neonlampe aus

Einen Tag nach dem Feuer, das wohl von einer defekten Neonlampe ausging und einen Schaden von rund 150 000 Euro verursacht hat, saßen er und seine Mitarbeiter auf einer Bierbank im hinteren Lager zusammen mit einem Tablet und einem Telefon in den Händen. Es war die Zeit im März, als sich der Winter wieder zurückgemeldet hatte. Erst mal hat man geschaut, wie es weitergeht, wo man so schnell Container herbekommt. Die Container (drei fürs Büro, einer für Sanitäranlagen und vier Lagercontainer für Kleinteile und andere Gerätschaften) hat im Übrigen ein Schraubenlieferant organisiert. „Es war gigantisch, wie die Firma zusammengehalten hat“, sagt er. In der Folge habe man geschaut, was noch zu retten ist. „Sie haben kaum an den Feierabend gedacht und alles aus den verrußten Räumen rausgeräumt“, erinnert er sich. Hierzu trugen alle Masken mit einem Atemfilter. Abends war man schwarz, die Kleidung hat nach verbranntem Kunststoff gerochen. Dafür, dass nicht mehr Schaden entstanden ist, und für den umsichtigen Einsatz, ist Besa der Feuerwehr auch sechs Wochen nach dem Brand noch sehr dankbar.

Den Platz, auf dem die Container stehen, hat die Firma Kärcher gestellt. Die benachbarte Firma Weng wie auch die Gemeinde Leutenbach hätten ebenso ihre Hilfe angeboten. Die Gemeinde habe den Betrieb unbürokratisch unterstützt, als es um einen Wasseranschluss ging. „Die Wasserversorgung haben wir selber hergestellt“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

„Versicherung sehr kulant“

Mittlerweile ist die Firma genauso aufgestellt wie vor dem Brand. Die PCs sind eingerichtet und vernetzt, einige Maschinen mussten neu beschafft werden. „Die Versicherung hat sich sehr kulant gezeigt“, so Besa. Seit zwei Wochen kommt die Mannschaft wieder ihren Aufgaben nach, was Sanitäreinrichtungen, Lüftungsanlagen in Neubauten, Heizung oder auch die Überprüfung von Trinkwasserhygiene sowie den Kundendienst betrifft.

Im alten Gebäude laufen inzwischen die Sanierungsarbeiten. Besa geht davon aus, dass der Firmensitz für ein Jahr in den Containern bleiben wird. Im Moment ist noch offen, ob sie sich dann in neuen Räumen in Leutenbach einrichten werden oder am alten Standort, so Besa, der den Betrieb 2004 neu gegründet hat, nachdem er im Kern den Handwerksbetrieb von seinem Vater übernommen hatte.

Lars Besa und seine Punkband Normahl

Vielleicht sind ein paar Plakate der Punkband Normahl bei dem Brand im Sanitärbetrieb verbrannt, die dort in der Firma waren, erklärt Lars Besa mit einem verschmitzten Grinsen. Dieses Jahr feiert Normahl sein 40-jähriges Band-Jubiläum.

Im Sommer geht er zusammen mit seinen Band-Kollegen Mick, Manny und Scobo auf Deutschlandtour. Auftritte in Berlin, München, Nürnberg oder Hamburg sind unter anderem geplant. Wann die Band wieder hierzulande zu sehen und zu hören ist, steht aktuell noch nicht fest.

Als „Dusel“ bezeichnet Lars Besa die Tatsache, dass er mit Normahl das letzte Konzert in Gaildorf kurz vor dem Brand gegeben hat, jetzt erst mal Konzert-Pause ist und er sich ganz auf den Wiederaufbau seiner Firma konzentrieren kann. Zugegeben, so Besa, die Hamburger PR-Agentur musste er in Sachen Band-Porträts und weiteren Texten erst mal vertrösten.