Winnenden

Markus Malle aus Winnenden taucht nach Müll und klaubt ihn aus dem Meer

Malle Müll
Das Surfbrett als Müllsammelstelle: Markus Malle mit seiner Tagesbeute von 45 Freitauchgängen bei Tisno (Kroatien). © Ksenia Malle

Markus Malle und seine Frau Ksenia haben im Sommer einen tollen Bootsurlaub in Kroatien verbracht. Das machen sie seit 1999, so weit, so völlig normal. Doch der Turner und Ninja-Warrior-Teilnehmer aus Birkmannsweiler hat vor drei Jahren gelernt, auch ohne Sauerstoffflaschen zu tauchen. Nur mit Schnorchel und Luftanhalten. Frei- oder auch Apnoetauchen nennt man das. „Und dieses Talent habe ich nun genutzt, um den Meeresboden aufzuräumen“, sagt der 51-Jährige augenzwinkernd in einer Video-Schalte mit unserer Zeitung.

Bitte was? Er hat im Mittelmeer aufgeräumt? Ein Foto macht sofort klar, dass Markus Malle Müll vom Meeresboden aufgesammelt, somit klar Schiff unter der Wasseroberfläche gemacht hat. Ah, jetzt können wir wieder mitreden. Was an Land die Kreisputzede ist, hat der Vorwerk-Kobold-Mitarbeiter in seiner Urlaubszeit an der Adria vollbracht – ganz alleine.

Von Beruf Cheftrainer und Ausbilder bei Vorwerk-Kobold

Das Engagement hat nichts mit seinem Beruf zu tun. Er ist zwar Cheftrainer und Ausbilder bei Vorwerk-Kobold Deutschland, hat also durchaus auch mit technischen Geräten für die Raumreinigung zu tun. Doch: „Der Grund ist meine Prägung, für die ich meinen Eltern dankbar bin“, sagt er über seine Kindheit und Schulzeit in Waiblingen und an der Salier-Grund- und Hauptschule: „Es wird nichts in die Natur geschmissen.“ Punkt.

Gott sei Dank ist es so, dass das Mittelmeer nicht so vermüllt ist wie beispielsweise der Indische Ozean, in dem sich bereits durch Strömungen und Strudel ein eigener Müll-Kontinent bildet. Fotos von Umweltschützern, die im Plastikabfall-Teppich schnorcheln, rütteln auf, denn vieles dort stammt auch aus unseren Gelben Tonnen, sind (doch nicht) recycelte Verpackungen.

Plastik landet irgendwann im Fisch, weil er die Kleinteile für Futter hält

„Nein“, sagt Markus Malle, „das ist überhaupt nicht vergleichbar von der Menge her. Und doch stört es mich, dass Plastik im Meer und hauptsächlich, durch die Strömung, in den Buchten landet, wo die Boote ankern. Da wird einem regelrecht der Müll zugespült.“ In früheren Jahren schon nahm er daher ein auf den Wellen lapperndes Obst-Henkeltütchen und packte da die Bier- und Fischdosen rein, die andere verloren oder vergessen hatten wieder mitzunehmen. „Manches landet durch Wind, Sturm oder Wellen sicher versehentlich im Meer, aber es gibt auch verantwortungslose Menschen, die den Müll einfach über Bord werfen.“ Vor allem Plastikflaschen und Plastikgegenstände sowie Netze fischt der 51-Jährige aus dem Wasser, weil er letztlich auch gerne abends im Restaurant plastikfreien Fisch essen möchte. Und er will auch nicht, dass Tiere sich in den Geisternetzen verheddern und verenden.

Dieses Jahr lag Markus Malle mit seinem 7,5 Meter langen Konsolenboot bei Tisno vor Anker, die nächstgrößere Stadt heißt Betina. Eine Woche lang waren auch die Enkel Liam (7) und Lilou (5) mit auf dem Boot, lernten schnorcheln und Stand-up-Paddling. Und gingen mit dem Opa auf Mülljagd. Das lief folgendermaßen ab: Das SUP-Brett wurde mit zwei Fund-Fischkisten zur Sammelstelle, verankert und optisch gesichert, damit kein Bootsunfall mit Freitaucher Malle passiert.

Täglich 45 Freitauchgänge, nur mit Schnorchel und Flossen, bis zu zwölf Meter tief

„Das Wasser ist so klar, da sieht man mit Taucherbrille bis auf den Grund.“ Die Enkel zeigten dem Opa, wenn sie wieder eine Dose oder einen Reifen gesehen hatten. Und er tauchte ab. Zwischen vier und zwölf Meter tief, als Hilfsmittel nur die überdimensionalen Flossen an den Füßen. Ein erstaunliches Sporttraining kam auf diese Weise zusammen: Täglich ging Markus Malle 45-mal in die Tiefe. „Für die Kinder war es wie eine Schatzsuche. Lilou trötete irgendwann nur noch in meinen Schnorchel rein: ,Opa, Müll!'“, erzählt er von der witzigen Gemeinschaftsaktion.

Wobei die drei natürlich auch zusammen Fische beobachtet haben: Sardinenschwärme oder die lustigen Putzerfische, die zwischen den Schuppen der größeren Doraden ihrerseits für Sauberkeit sorgen. „Tatsächlich sieht man auch mal eine Grundel, die eine Dose als ihr Zuhause eingerichtet hat, da musst du dir überlegen, ob du sie dem Fisch lieber dalässt.“ Malle hat auch Oktopusse gesehen, die ihr Versteck in einem alten Autoreifen hatten. Nun denn, auch in der Unterwasserwelt gibt es Kulturfolger, die sich notgedrungen anpassen.

„Interessant waren auch die Reaktionen der anderen Urlauber und Einheimischen an Land, wenn ich abends meinen Müll an die Mole gestellt und flach gedrückt habe.“ So konnte er alles in öffentlichen Mülleimern entsorgen. Währenddessen dankten ihm die anderen mit Worten oder Gesten, oder sie schüttelten fassungslos den Kopf darüber, was sich am Meeresboden alles im Lauf der Zeit angesammelt hatte. „Man sah ja am Algenbewuchs, dass es schon länger dort lag“, sagt Markus Malle. Sein Ziel, die Menschen aufzurütteln und zu sensibilisieren, ist auch mit seinem Instagram-Post gelungen, die ersten Nachahmer haben schon bekundet, im nächsten Urlaub ebenfalls Müll einsammeln zu wollen.

Markus Malle und seine Frau Ksenia haben im Sommer einen tollen Bootsurlaub in Kroatien verbracht. Das machen sie seit 1999, so weit, so völlig normal. Doch der Turner und Ninja-Warrior-Teilnehmer aus Birkmannsweiler hat vor drei Jahren gelernt, auch ohne Sauerstoffflaschen zu tauchen. Nur mit Schnorchel und Luftanhalten. Frei- oder auch Apnoetauchen nennt man das. „Und dieses Talent habe ich nun genutzt, um den Meeresboden aufzuräumen“, sagt der 51-Jährige augenzwinkernd in einer

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