Winnenden

Mehr Menschen, mehr Geld für die Stadt: Alles zum Zensus 2022 in Winnenden

Zensus
Rund 28 500 Menschen leben aktuell in Winnenden. Jetzt wird die Einwohnerzahl im Rahmen des „Zensus“ neu erhoben. © Alexandra Palmizi

Wie viele Menschen leben in Winnenden? So lautet die Kernfrage beim Zensus 2022, dessen Erhebung Mitte Mai beginnt. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth will, dass gründlich gezählt wird. Schließlich geht es beim Zensus für die Stadt um viel Geld: je mehr Einwohner, desto höher die Finanzzuweisungen für die jeweilige Kommune. Jede einzelne Person ist für Winnenden rund 1000 Euro pro Jahr wert.

Die Stadtverwaltung hat deshalb – wie Backnang, Fellbach und Schorndorf auch – im Oktober 2021 eine eigene „Erhebungsstelle“ im Rathaus eingerichtet und das Zählen nicht dem Landkreis überlassen. Über die nächsten zehn Jahre werde sich die Investition in die beiden Mitarbeiter und das Büro mit Sicherheit auszahlen, glaubt Hartmut Holzwarth. Denn der Zensus 2011, als viele Städte in ihrer amtlichen Einwohnerzahl „heruntergerechnet“ wurden, schmerzte. Geld aus dem kommunalen Finanzausgleich oder EU-Fördergeldern wurde weniger. Dieses Mal soll besonders sorgfältig nachgezählt werden.

Mehr Einwohner zu erfassen, als da sind, ist aber auch nicht drin: Das Statistische Landesamt wird die Ergebnisse bis in den Herbst hinein erneut überprüfen und gegebenenfalls Nacherhebungen anstellen, ehe sie erst im November 2023 veröffentlicht werden.

Von Mitte Mai an ziehen 26 Ehrenamtliche durch die Stadt und erheben Daten

In Winnenden leitet Thomas Petschi die Erhebungsstelle, unterstützt wird er von Svenja Kirchner. Sie arbeiten im früheren OB-Zimmer und sind direkt dem Oberbürgermeister unterstellt. Die Stelle ist aus Datenschutzgründen vom Rest der Verwaltung abgeschottet.

Der Zensus ist eine Art Volkszählung, eine statistische Erhebung darüber, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. EU-weit wird der Zensus alle zehn Jahre durchgeführt. In Deutschland wurde er im Jahr 2021 wegen der Corona-Pandemie verschoben und wird jetzt nachgeholt. Die aktuelle offizielle Einwohnerzahl von 28 461 (Stand: 31. September 2021) basiert auf dem Zensus von 2011 und ist vom Statistischen Landesamt seither fortgeschrieben worden.

Startschuss für den Zensus 2022 ist am 15. Mai: 26 Ehrenamtliche, die in den vergangenen Tagen dafür ausgebildet wurden, ziehen bis Ende Juli durch Winnenden und befragen rund 3200 Menschen an 420 Anschriften, berichtet Petschi. Das heißt: Jede und jeder Einzelne hat rund 120 Menschen zu befragen. Insgesamt werden nur circa zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland befragt. Die Haushalte wurden vom Statistischen Landesamt repräsentativ und stichprobenartig ausgewählt. Sie erhalten in diesen Tagen eine Ankündigung des Besuchs in den Briefkasten. Wichtig: Wer ausgewählt wurde, ist per Gesetz zur Auskunft verpflichtet. Wer sich weigert, muss laut Thomas Petschi mit Mahnungen und der Anordnung von Zwangsgeld rechnen.

Erster Schritt: „Existenzfeststellung“, danach geht’s in die Tiefe

Bei den Befragungen durch die Ehrenamtlichen vor Ort geht es zunächst um die „Existenzfeststellung“. Erfragt werden zum Beispiel Name, Geschlecht, Familienstand und Staatsangehörigkeit. In einem zweiten Schritt werden „soziodemografische Merkmale“ erhoben, die Fragen drehen sich dann unter anderem um Schulausbildung und Beruf. Diese Abfrage soll „zu 70 bis 80 Prozent“ online erfolgen, kündigt Thomas Petschi an, ersatzweise per Papierfragebogen oder vor Ort im Rathaus mit Unterstützung am Computer.

Aus den Erkenntnissen lassen sich später „Argumentationshilfen für politisches Handeln“ ableiten, sagt OB Holzwarth, der an die Winnender appelliert, den Zensus als Chance zu begreifen, nicht als Überwachung oder Eindringen in die Privatsphäre. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben, sondern gelangen verschlüsselt an das Statistische Landesamt. Rückschlüsse auf Einzelfälle sind nach der Veröffentlichung nicht möglich.

Menschen in Gemeinschaftsunterkünften werden vollständig erfasst

Menschen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, fließen gesondert in die Zählung ein. Sie werden nicht nur stichprobenartig, sondern vollständig erfasst. Sie fallen in Winnenden besonders ins Gewicht: Rund 850 Personen leben laut Thomas Petschi in 80 Einrichtungen, zum Beispiel Pflege- oder Flüchtlingsheimen, und damit viel mehr als in den anderen Großen Kreisstädten. In einem Altenheim ist die Leiterin gegenüber der Erhebungsstelle auskunftspflichtig.

Andere Schutzsuchende, aktuell sind das viele Menschen, die aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind, fließen ebenfalls in den Zensus ein, wenn sie sich länger als drei Monate in Deutschland aufhalten.

Erfasst werden im Zensus aber nicht nur Menschen, sondern auch Wohnungen und Gebäude. Alle Eigentümer werden dazu direkt vom Statistischen Landesamt per Post befragt.

Wie viele Menschen leben in Winnenden? So lautet die Kernfrage beim Zensus 2022, dessen Erhebung Mitte Mai beginnt. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth will, dass gründlich gezählt wird. Schließlich geht es beim Zensus für die Stadt um viel Geld: je mehr Einwohner, desto höher die Finanzzuweisungen für die jeweilige Kommune. Jede einzelne Person ist für Winnenden rund 1000 Euro pro Jahr wert.

Die Stadtverwaltung hat deshalb – wie Backnang, Fellbach und Schorndorf auch – im Oktober

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