Winnenden

Metzgerei Häfele feiert 50-jähriges Bestehen

Haefele201631
Werner und Margit Häfele im Stammgeschäft, das 1966 im Schelmenholz eröffnet worden ist. © Ralph Steinemann

Winnenden. „Wer hat schon seine Kunden von 1966 noch und kann sie zum Essen einladen?“, sagt Metzgermeister Werner Häfele. Er (!) und das Stammgeschäft im Schelmenholz haben am Donnerstag mit den Kunden ihr 50-Jahr-Betriebsjubiläum gefeiert. Werner und Margit Häfele bedienten die Kunden, als wäre aus dem Familienbetrieb in 13 Jahren nicht längst ein großes Unternehmen mit 200 Mitarbeitern und einem Schlachthof geworden.

Video: Werner und Margit Häfele feiern 50 Jahre Metzgerei Häfele im Schelmenholz.

Und trotzdem ist die Metzgerei Häfele immer noch ein Familienbetrieb, ein fröhlicher noch dazu: Die vier Söhne sind Chefs von insgesamt 50 Verkaufsstellen zwischen Heilbronn und Plochingen und vom Schlachthof. Sieben Marktautos bedienen pro Woche rund 50 Märkte in den Regionen Stuttgart und Heilbronn. „Ohne dass wir unsere Söhne gefragt haben, sind sie auf den Beruf gekommen. Weil sie erlebt haben, wie wir trotz der Selbstständigkeit persönlichen Freiraum und eine positive Lebensbeziehung hatten“, sagt Werner Häfele.

Im Stammgeschäft fangen die Lehrlinge an

Das muss schon zu Zeiten der Häfele-Eltern Irmtraudt und Georg so gewesen sein. Werners Schwester Inge Kamm arbeitet in Fellbach und Bad Cannstatt im Verkauf. Und noch räumt Werner Häfele täglich die Fleischtheke ein. Seine Schulkameraden sind fast alle inzwischen Rentner oder Vorruheständler und werden „scherrig“. Sie fragen, wann er aufhört. „Kann man als Vater und Opa von acht, bald zehn Enkeln, in Rente?“, fragt er dann mit seinem gewinnendsten Lächeln zurück. Aber er wird etwas ändern und sich demnächst nur noch auf die Markthallen konzentrieren. Nach der Winnender entsteht die nächste Markthalle in Ilsfeld in einer alten Kelter.

Margit Häfele ist, als die ersten beiden Jungs älter waren, in die Buchführung eingestiegen und hat dann „irgendwann“ die Leitung der Metzgerei übernommen. „Das war für mich als gelernte Erzieherin anfangs unvorstellbar“, sagt sie. „Aber ich bin froh, dass mein Mann und ich uns für dasselbe engagieren, sonst wäre es sehr anstrengend gewesen.“ Margit Häfele wird die Arbeit hinter der Theke reduzieren, aber Geschäftsführerin bleiben.

Werner Häfele unterrichtet an der dualen Hochschule Foodmanagement

Dass es das Stammgeschäft noch gibt, ist ein Stück Nostalgie. „Die Frequenz hat nachgelassen, wir müssten eigentlich auf einen Marktwagen zweimal die Woche umstellen“, sagt Werner Häfele. Der Fleischkonsum lasse nur leicht nach, das klassische Kilostück für einen Braten werde aber kaum mehr verlangt. Stattdessen wollen die Leute kleine Stücke und so weit wie möglich Vorbereitetes, Mariniertes zum Beispiel, „lauter bunte Sachen, acht bis zehn verschiedene Fleischstücke für die Grillplatte“, erläutert der 62-Jährige, der auch an der dualen Hochschule Foodmanagement unterrichtet.

Als Werner Häfele zwölf war, eröffnete sein Vater den Laden im Schelmenholz, und seitdem arbeitet Werner Häfele mit. Hinten hingen halbe Schweine und Kühe im Kühlraum. Geschlachtet wurde hier nie, aber die Tiere wurden zerlegt und es wurde Wurst gemacht. Als Familie Häfele bereits drei Filialen (am Rotweg und im Stöckach) und einen Marktwagen in Winnenden betrieb, war die Produktion an der „Brutstätte“ kaum mehr zu schaffen. Der eigene Schlachthof in Auenstein war 2004 die Folge.

Deutsche wollen kaum noch Metzger werden

Heute werden im Schelmenholz nur noch Salate und Maultaschen hergestellt. Außerdem ist das Stammgeschäft ein guter Ort, um Lehrlinge in Ruhe ihre ersten Schritte machen zu lassen. „Man hat Zeit, etwas zu erklären“, so Margit Häfele. Bei den Berufseinsteigern ist ein starker Wandel zu bemerken. Deutsche wollen kaum noch Metzger oder Fleischfachverkäufer werden. „Inzwischen haben wir eine tolle Mannschaft, Menschen aus Syrien, Afrika und dem Kosovo“, sagt Margit Häfele. Sogar eine Mitarbeiterin hat sie, die selbst gar kein Schweinefleisch isst. Und wenn sie dem Gambier Keba Komma beim Maultaschenmachen zuschaut, schwärmt sie: „So liebevoll hat das vor ihm noch keiner gemacht.“

Lebendiger Platz liegt Häfeles am Herzen

Das Schelmenholz und sein Herzstück, der Theodor-Heuss-Platz, liegen der Familie Häfele sehr am Herzen.

Neben dem Stammgeschäft hat sich früher der Spar-Lebensmittelmarkt von Ursula und Hermann Betsch befunden, von 1966 bis 1979. Die beiden verteilten beim Fest am Donnerstag in der Metzgerei Gutscheine an die Alt-Schelmenholzer, die schon am 6. Oktober 1966 hier gewohnt haben, und hielten ein Schwätzchen mit ihnen. „Die beiden sind die Seele vom Schelmenholz“, sagt Margit Häfele.

Der Sparmarkt zog 1979 in einen Neubau (heute „Invivo“ Physiotherapie und Sport), 1998 schloss der Laden. Inzwischen gibt es einen Bonusmarkt etwas unterhalb vom Platz.

Häfeles haben das Gebäude neben der Metzgerei von Betschs gekauft. Hier laufen alle Fäden der Häfele-GmbHs zusammen: Im „Meating“ (ein englisches Kunstwort aus meat für Fleisch und meet für Treffen) ist Platz für die Verwaltungsarbeiten, für Mitarbeitergespräche und Schulungen. Daneben ist eine Postagentur eingezogen. „Wir versuchen, als Vermieter Leben auf den Platz zu bringen“, sagt Werner Häfele.

Entstanden ist die Fußgängerzone mit Brunnen und Sitzplätzen erst vor 25 Jahren, das Schelmenholz selbst wurde 1964 nach und nach bebaut und bezogen.