Winnenden

Mit heulenden Sirenen vor dem Pflegeheim

1/2
Hauptübung Feuerwehr Winnenden Altenheim Schelmenholz_0
Die Drehleiter und außerdem auch Anlehnleitern kommen bei der Hauptübung der Feuerwehr am Pflegeheim Haus im Schelmenholz zum Einsatz. © Ralph Steinemann Pressefoto
2/2
FFWuebWI06
In Säureschutzmontur bergen Feuerwehrleute eine Verletzten-Darstellerin aus der Wäscherei. © Ralph Steinemann Pressefoto

Winnenden. Action am Samstagnachmittag bei der Hauptübung aller Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr: Blaulichtkaskaden und heulende Sirenen vor dem Pflegeheim Haus im Schelmenholz. Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, ein Dutzend Krankentransportwagen, Schlauchleitungen liegen kreuz und quer vor dem Gebäude, dazwischen wuseln an die Hundert Helfer.

Die Übungsannahme: Im dritten Stock des Alten- und Pflegeheims schlägt die Brandmeldeanlage an und meldet ein Feuer. Dicker schwarzer Rauch quillt aus einem Fenster hinaus ins Freie. Aufgrund des Feuers selbst und der starken Rauchentwicklung müssen aus dem Stockwerk 33 Personen evakuiert werden, über die Drehleiter und eine Anlehnleiter und durch das Gebäude hindurch, mit Rollstühlen, Rollatoren, in Schleifkörben und Decken, oder auch einfach untergehakt am Arm. Im rückwärtigen Bereich des Gebäudekomplexes an der Forststraße, in dem 128 Bewohner leben, schwärmt der Gefahrgutzug in ABC-Schutzanzügen aus – am Eingang zur Wäscherei ist man auf eine verdächtige Flüssigkeit gestoßen, die aufgefangen und abtransportiert werden muss.

Kommandant Feess: „Wir haben es uns nicht leicht gemacht“

Feuerwehr-Kommandant Kai-Benedikt Feess räumt ein: „Wir haben es uns heute mit dieser Übung nicht leicht gemacht.“ Im Gegenteil! Bei dieser Doppelaufgabe mischen sich Angehörige von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Malteser Hilfsdienst mit Zuschauern, Hausbewohnern, Besuchern und Mitarbeitern. Einige der insgesamt 165 Mitarbeiter und Auszubildenden des Pflegeheims sowie Angehörige der Jugendfeuerwehr spielen bei der Übung die Hausbewohner. Sie werden der von der Feuerwehr der gemeinsamen „Schnelleinsatzgruppe Transport“ des DRK Winnenden und des Malteser Hilfsdiensts Rems-Murr übergeben und in deren „Sichtungsstelle“ versorgt: Neben dem Haus im Schelmenholz haben die Rettungskräfte ein Zelt für die Verletzten und Betroffenen aufgebaut. Im Ernstfall müssten die Hausbewohner und verletzte Mitarbeiter von dort in Krankenhäuser gebracht werden. Und wer nicht verletzt wird, dessen Zimmer jedoch unbewohnbar ist, muss in einem anderen Pflegeheim untergebracht werden.

Somit, erklärt der Winnender DRK-Bereitschaftsführer Gerhard Lepschy, handle es sich bei dieser Übung für die Helfer des Malteser Hilfsdienstes und der Rotkreuzgruppen aus Winnenden, Fellbach, Oppenweiler, Sulzbach, Plüderhausen, Winterbach und dem Wieslauftal um eine hervorragende Gelegenheit, ihre Einsatzbereitschaft sowie die Zusammenarbeit untereinander und mit der Feuerwehr unter Beweis zu stellen.

Heimleiter Walker erleichtert: Bewohner sind in besten Händen

Er gehe sehr beruhigt aus diesem Nachmittag, betont der Heimleiter Frank Walker. Natürlich fänden im Haus regelmäßig Brandschutzübungen statt. Aber am Samstag haben sowohl die Einsatzkräfte der Rettungsdienste wie auch die Mitarbeiter des Hauses unter realitätsnahen Bedingungen bewiesen, dass die Bewohner bei ihnen in den besten Händen seien. Die Räumung des dritten Stocks habe hervorragend geklappt, nun sei er auf die Rückmeldungen der Bewohner gespannt, die er in den kommenden Tagen bekommen werde.


Revierleiter guckt sich Einsatz "eher privat" an

Unter den Zuschauern am Rande verfolgt der ehemalige Kommandant und Stadtbrandmeister Harald Pflüger das Geschehen. Selbstverständlich nehme er weiter Anteil an den Kameraden, betonte er, aber er schaue längst nicht mehr so genau hin wie noch während seiner aktiven Dienstzeit. Viel mehr genieße er es, an diesem Nachmittag einen Ausflug mit den Enkeln zu genießen.

„Es war ein spannender Nachmittag“, merkt auch Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth an, „sowohl für mich als Zuschauer wie sicherlich auch für die Bewohner.“ Auf alle Fälle nehme er die Gewissheit mit, dass auf die Winnender Feuerwehr und die Rettungsdienste stets Verlass sei.

Mittendrin im Geschehen befindet sich der Landtagsabgeordnete und Feuerwehrkamerad Siegfried Lorek. Unter der Atemschutzmaske ist er kaum zu erkennen. Er sei seit seinem elften Lebensjahr bei der Feuerwehr mit dabei und seit 2012 Angehöriger der Winnender Wehr. Selbstverständlich rücke er mit aus und nehme seinen Platz in der Mannschaft ein, versichert Lorek. Dies sei schließlich ein wichtiger Teil seines Lebens.

„Eher privat“ bewertet Erster Polizeihauptkommissar und stellvertretender Leiter des Polizeireviers Winnenden, Friedhelm Veigel, seine Anwesenheit. Er sei zusammen mit seiner Tochter hier und nutze die Gelegenheit, dazuzulernen, wie Feuerwehr, Rotes Kreuz und Malteser Hilfsdienst im Einsatz funktionieren. Im Ernstfall könne man gar nicht genug voneinander wissen, um sich zu verstehen.