Winnenden

Mysteriöser Todesfall im Alexander-Stift

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Der Totschlag geschah in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. © Jörg Fiedler

Großerlach. Es ist im Ort großes Gesprächsthema: Im Alexander-Stift in Neufürstenhütte soll es zu einem mysteriösen Todesfall gekommen sein. Die Polizei bestätigt gestern auf Nachfrage den Tatbestand des Totschlags. Dabei ist eine 91-Jährige getötet worden.

Die Gerüchteküche habe schon am Freitag gebrodelt, sagt der Großerlacher Bürgermeister Christoph Jäger. „Das ist sehr tragisch, was da passiert ist, und bewegt einen sehr. Vor allem war das Opfer nicht unbekannt im Ort.“ Schnell machte es die Runde, dass es im betreuten Wohnen des Alexander-Stifts einen Mord gegeben haben soll. In der Gemeinde war es schnell das Gesprächsthema Nummer eins: Man habe eine 62-jährige psychisch kranke Frau neben einer Toten vorgefunden.

Schlafzimmerschlüssel steckte von innen

Die 91-Jährige sei am Boden ihres Schlafzimmers gelegen, während die 62-Jährige danebengesessen haben soll. Das Zimmer sei völlig durchwühlt gewesen. Im betreuten Wohnen sei es üblich, dass die Türschlüssel immer außen steckten, so dass das Pflegepersonal immer die Möglichkeit habe, einzutreten. In diesem Fall sei das nicht so gewesen – der Schlafzimmerschlüssel steckte von innen. Die Tür sei abgeschlossen gewesen. So sei einer der Pflegemitarbeiter überhaupt erst aufmerksam geworden, dass da etwas nicht stimmen konnte. Die Feuerwehr habe die Tür aufbrechen müssen. Passiert ist das am Freitag.

Polizeisprecher bestätigt massive Gewalteinwirkung

Weiter wird im Ort erzählt, dass die 62-Jährige einen Stock tiefer wohnte und des Öfteren die ältere Seniorin über ihr besucht haben soll. Zudem habe es schon den einen oder anderen Vorfall mit der 62-Jährigen gegeben, zu dem die Polizei gerufen wurde. Diesen Aspekt konnte die Pressestelle der Polizei Aalen gestern aus ermittlungstaktischen Gründen jedoch weder bejahen noch verneinen.

Was Polizeipressesprecher Ronald Krötz hingegen bestätigt: „Eine 91-jährige Seniorin ist zwischen Donnerstagabend und Freitagvormittag in der Einrichtung für betreutes Wohnen durch massive Gewalteinwirkung zu Tode gekommen.“

Ermittlungen dauern an

Die Polizei hat am Tatort eine 62 Jahre alte Nachbarin festgenommen, die unter dem dringenden Tatverdacht steht, die Seniorin getötet zu haben. „Die 62-jährige Tatverdächtige machte einen verwirrten Eindruck. Es liegen auch Hinweise auf eine psychische Erkrankung vor“, so Krötz. Sie wohne im selben Gebäude und bewohnt „quasi eigenständig eine Wohnung“. Zur Tat äußerte sich die 62-Jährige gegenüber der Polizei bisher noch nicht. Sie wurde am Samstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart dem Haftrichter vorgeführt, der die Unterbringung in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung anordnete. Dorthin wurde sie noch am Samstag eingeliefert. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand wird davon ausgegangen, dass die Tatverdächtige die Tötung unter dem Eindruck einer psychischen Erkrankung ausgeführt hat“, so der Polizeipressesprecher. Ein anderes Motiv oder eine Vorbeziehung seien derzeit nicht erkennbar. Krötz: „Am Montag wurde das Opfer obduziert. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Waiblingen und der Staatsanwaltschaft Stuttgart gehen derweil weiter.“

Träger Diakonie Stetten schockiert

Bestürzung herrscht nicht nur im Alexander-Stift, auch die Diakonie Stetten ist als Träger schockiert. „Die Mitarbeiter trauern mit den Bewohnern und Angehörigen. Wir sind sehr betroffen und durch den Wind“, sagt Hannah Kaltarar, Pressesprecherin der Diakonie Stetten, auch im Namen der Geschäftsführung des Alexander-Stifts.

Das Opfer sei sehr vielen Mitarbeitern bekannt gewesen, denn die 91-Jährige habe seit 1995 in der Wohnung gelebt. Seit Oktober 2016 gebe es das sogenannte betreute Wohnen der Diakonie Stetten nicht mehr: „Wir vermieten die Wohnungen seither nur noch, da wir den Standort in Neufürstenhütte zum 30. September aufgeben“, fügt Kaltarar hinzu. Die mutmaßliche Täterin habe seit etwa vier Jahren eine Wohnung angemietet gehabt und ist laut Kaltarar nicht auffällig in Erscheinung getreten. Die Pressesprecherin bestätigt, dass die Schlafzimmertür des Opfers von innen abgeschlossen gewesen sei, und als ein Pflegedienstleister die Türe nicht öffnen konnte, habe er Feuerwehr und Polizei verständigt.

Gesprächskreise für Bewohner und Mitarbeiter

Die Diakonie Stetten sei bemüht, jede erdenkliche Hilfe zu leisten: „Wir bieten Gesprächskreise für die Bewohner und Mitarbeiter an, um das, was passiert ist, gemeinsam verarbeiten zu können. Ebenso ist die Seelsorgerin im Haus“, sagt Hannah Kaltarar. Man hoffe, dass das ein wenig Kraft und Halt in dieser Situation geben könne.