Winnenden

Nächtliche Reparaturarbeiten im Klärwerk

1/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 33_0
Die Arbeiten im Abwasserklärwerk haben bereits in der Nacht auf Mittwoch begonnen und waren detailliert geplant. © Habermann / ZVW
2/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 32_1
Gegen 1 Uhr rücken THW-Helfer aus Backnang auf der Kläranlage in Weiler zum Stein an. © Habermann / ZVW
3/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 03_2
Lagebesprechung am Belebungsbecken: Klaus Hägele (Technischer Leiter des Zweckverbands Abwasserklärwerk Buchenbachtal), Steffen Hoffmann (Zugführer THW Backnang) und Thomas Kühner (stellvertretender Betriebsleiter des Klärwerks) diskutieren den nächsten Schritt. © Habermann / ZVW
4/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 18_3
Zum Abpumpen des Belebtschlamms legen die Ehrenamtlichen aus und versenken acht Pumpen in den beiden Becken. © Habermann / ZVW
5/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 11_4
Für die Dokumentation des Arbeitseinsatzes im Klärwerk, hat sich unser Fotograf auf den Faulturm gewagt und von dort aus fotografiert. © Habermann / ZVW
6/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 30_5
In einem provisorischen Becken wird das Material in hochkonzentriertem Chlorwasser gereinigt. © Habermann / ZVW
7/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 27_6
Mit insgesamt acht Pumpen leerte das THW die beiden Becken. Der Belebtschlamm wurde solange im Nachklärbecken zwischengelagert. © Habermann / ZVW
8/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 02_7
Nachdem die Belebungsbecken leergepumpt sind, können die 40 Jahre alten Rohre demontiert und die neuen oberirdischen angeschlossen werden. © Habermann / ZVW
9/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 17_8
Kranführer steuern vom Rand des Belebungsbecken aus. © Habermann / ZVW
10/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 05_9
Arbeiter einer Firma verschließen im Becken den alten Zulauf. Dahinter befinden sich Altrohre. © Habermann / ZVW
11/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 23_10
Mit Hilfe einer Hebebühne, die am Kran befestigt ist, verschließt der Arbeiter im Becken das Loch des alten Rohrs. © Habermann / ZVW
12/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 31_11
Im Belebungsbecken sorgt normalerweise die Belüftungsanlage am Grund für Sauerstoff, den die Bakterien zum Arbeiten benötigen. © Habermann / ZVW
13/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 28_12
Da der Belebtschlamm Bakterien enthält, musste das THW alle Gerätschaften im Anschluss reinigen. Die Gefahr besteht ansonsten, dass Wasser beim Folgeeinsatz verunreinigt werden würde. © Habermann / ZVW
14/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 07_13
Die neuen Rohre verlaufen oberirdisch, damit sie künftig bei Bedarf leichter repariert werden können. © Habermann / ZVW
15/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 22_14
Viel Zeit ist nicht mehr ... Bevor das Becken vollgelaufen ist, muss die Anlage wieder laufen. © Habermann / ZVW
16/16
Nachtaktion am Klärwerk - Bild 08_15
Sechs Meter tief sind die beiden Belebungsbecken. © Habermann / ZVW

Leutenbach-Weiler zum Stein. Wie Sand in einer Sanduhr läuft das Becken mit mechanisch gereinigtem Abwasser voll. Die Zeit drängt. Nebenan sitzt im leergepumpten Belebungsbecken auf einer Hebebühne ein Arbeiter und schraubt eine Metallplatte vor ein Loch in der Wand. Damit die Reparatur im Abwasserklärwerk reibungslos verläuft, haben Mitarbeiter den Tag monatelang geplant.

Im Video: Reparaturarbeiten am  Abwasserklärwerk des Zweckverbands Buchenbachtal.

Thomas Kühner atmet auf. Es ist 8.30 Uhr am Morgen. Zehn Minuten Pause. Ein Kaffee. „Für mich ist fast schon Mittag“, sagt der stellvertretende Betriebsleiter des Zweckverband-Abwasserklärwerks Buchenbachtal mit einem Augenzwinkern. Seit kurz nach Mitternacht ist er und viele andere auf der Anlage in Weiler zum Stein zugange. Das muss sein, denn nachts fällt am wenigsten Abwasser an.

„Man kann die Anlage nicht einfach stilllegen“

Grund für den Arbeitseinsatz sind kaputte Rohre im Belebungsbecken, wo Abwasser im Rahmen der biologischen Reinigung durch Mikroorganismen von Schmutzstoffen befreit wird. Ist ein Rohr defekt, ist das kein Problem. Das Becken wird abgelassen, die Wasserreinigung übernimmt solange das zweite Becken, der Betrieb läuft weiter.

Da beide Rohre kaputt sind, konnte man das Becken nicht leerpumpen. Abwasser wurde zwischen den Becken hin- und hergeschoben. Eine Reparatur ist so unmöglich. Zunächst war guter Rat teuer. Auf dem Klärwerk kommt permanent neues Abwasser aus Leutenbach sowie den Winnender Stadtteilen Birkmannsweiler, Hertmannsweiler, Baach und Höfen an. „Man kann die Anlage nicht einfach stilllegen“, sagt Kühner. Schließlich fand man zusammen mit dem Technischen Leiter des Zweckverbands, Klaus Hägele, eine Lösung.

„Den Luxus haben wir sonst nicht“

Gegen 1.30 Uhr also Startschuss. Ein Stromaggregat der Winnender Feuerwehr regelt die aufgestellte Beleuchtung. Ehrenamtliche des THW Backnang pumpen mit acht Pumpen die beiden Becken leer. Fünf Stunden brauchen sie für 3 800 000 Liter. Normalerweise lassen sie die Pumpen an Seilen hinab.

Hier hat die Arbeit einer der beiden Kräne übernommen, die am Dienstag auf dem Gelände aufgestellt wurden. Zwei Kranführer steuern sie. „Den Luxus haben wir sonst nicht“, sagt Benjamin Wieland, der beim THW Backnang Fachgruppenführer Wasserschaden/Pumpen ist. Er und seine Kameraden haben sich von ihrer Arbeitsstelle freistellen lassen.

Nichts wurde beschädigt

Unten am Grund des sechs Meter tiefen Belebungsbeckens verläuft eine Belüftungsanlage, welche den Mikroorganismen Luft zum Arbeiten gibt. Es ist phänomenal, wie präzise die Pumpen neben der Belüftungsanlage platziert wurden, so Kühner. Nichts wurde beschädigt. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass man im Belebtschlamm nicht einmal die Hand vor Augen sehen würde.

Der Schlamm samt Mikroorganismen wurde im Nachklärbecken zwischengelagert. „Das ist gut so“, sagt Thomas Kühner, „so kann der Betrieb rasch wieder aufgenommen werden.“ Das Zurückpumpen übernimmt die eigene Pumpanlage, wie sie es sonst auch tut.

Kran hebt rostübersäte Stahlrohre aus dem Becken

Während ein Kran die Hebebühne steuert, von welcher aus Arbeiter ihre Arbeit verrichten, ist der zweite Kran für den Transport zuständig. Er hebt das alte Stahlrohr, das von Rostlöchern übersät ist, aus dem Becken. An der Stelle, wo es einst in der Wand verschwand, wird ein Pfropfen ins Loch gesetzt und mit einer Stahlplatte abgedichtet.

Die alten Rohre bleiben vorerst im Erdboden. „Der Aufwand wäre zu groß“, weiß Thomas Kühner. Die neuen Rohre aus rostfreiem Stahl verlaufen oberirdisch. So kann man sie leichter reparieren.

Kaum ist das neue Rohr angeschlossen, die letzte Schraube an der Stahlplatte im Becken festgezogen, dreht der Mitarbeiter, der eben noch im Beckeninnern gearbeitet hat, die Schleusen auf. Klärwerksmitarbeiter stoppen den Abwasserzulauf zum Speicherbecken, laufen geschäftig auf der Anlage - geschafft. Der Betrieb läuft wieder. Jetzt ist das zweite Becken dran.


Der Regenschauer

Tagelang haben die Mitarbeiter des Zweckverbands den Wetterbericht verfolgt. Damit die Reparatur reibungslos abläuft, wurde die Abwassermenge, die am Klärwerk ankommt, genau berechnet. Zusätzliches Regenwasser ist dabei unerwünscht. Hätte der Wetterbericht für Mittwoch Regen angesagt, wäre die Aktion verlegt worden. Denn die Speicherkapazitäten für sind begrenzt. Bis zu fünf Millionen Liter Abwasser (5000 Kubikmeter) wurden im Überlaufbecken im Kanal, in zwei Becken auf der Anlage sowie in dem früheren Klärschlammbecken zwischengespeichert. Als am Morgen kurz vor 6 Uhr ein heftiger Regenschauer einsetzte, ist allen Beteiligten der Atem gestockt. Nach 20 Minuten hörte der Regen auf - zum Glück!