Winnenden

Nach 36 Jahren in der Paulinenpflege ist Schluss

Gebert-Ballmann
Susanne Gebert-Ballmann (links) mit ihrer Nachfolgerin Nadine Schüler. © Knödler

„Jede einzelne Begegnung mit meinen Menschen mit Behinderung zeigt mir, warum ich das hier alles gemacht habe. Die Highlights meines Berufslebens in der Paulinenpflege sind meine Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Susanne Gebert-Ballmann an einem ihrer letzten Arbeitstage als Bereichsgeschäftsführerin der Paulinenpflege. Matthias Knödler berichtet.

Im Dezember 1985 startete Susanne Gebert-Ballmann demnach in der Paulinenpflege als Gruppenleiterin einer Wohngruppe, die es noch gar nicht gab: „Mitte der Achtziger war im Stadtbereich Winnenden vieles im Umbruch. Die Azubis und die Verwaltung sind ins neu erbaute Berufsbildungswerk nach Schelmenholz gezogen, so konnten wir in der Behindertenhilfe unsere Wohngruppen neu strukturieren und erweitern.

Mein Auftrag war es, gemeinsam mit einer Kollegin die jungen gehörlosen Frauen aus dem Heinrich-Bässler-Haus ins Ex-Verwaltungsgebäude in die Schlossstraße umzuziehen und dort eine Außenwohngruppe aufzumachen.“ Und damit war selbstständige Kreativität und kraftvolles Anpacken angesagt. „Wir haben uns alte, ausgemusterte Möbel von anderen Wohngruppen zusammengesucht und diese dann mit den Hausmeistern in die Schlossstraße rübergeschleppt. Das war einfach toll, es war von Anfang an unsere Gruppe, wir konnten alles frei gestalten“, freut sich Susanne Gebert-Ballmann noch heute. Acht gehörlose Frauen aus dem sogenannten „Frauenasyl“ durften dann im Januar 1986 hier einziehen.

Vor Mauerfall in den Zug gesetzt wurde

Wenig später kam das sogenannte „Maierhaus“ in der Ringstraße mit sechs gehörlosen Männern dazu: „Auch hier war die Kommunikation am wichtigsten und so haben wir ganz schnell die Gebärdensprache gelernt - teilweise von den Klienten und dann auch in ersten Gebärdensprachkursen, die damals in der Paulinenpflege gestartet sind.“

Bis heute sind ihr viele Originale in Erinnerung geblieben: „Ein Gehörloser wurde noch vor dem Mauerfall in der DDR einfach in den Zug gesetzt und zu uns rübergeschickt. Da stand er dann irgendwann bei uns vor Tür. Sein Traum war ein Videorekorder, den wir dann für ihn organisiert haben. Dafür hat er sein Kleidergeld vom Sozialamt auf einmal für eine Lederjacke auf den Kopf gehauen.“

Zu Herzen gegangen ist ihr in dieser Zeit eine Begegnung mit einer älteren Dame aus Winnenden, die ihr drei runzlige Äpfel überreicht hat mit den Worten: „Das ist für die armen Behinderten. Ich bin froh, dass ich gesund bin - da will ich gerne was abgeben.“ Vermutlich hatte die Frau selbst nicht genug zu essen. „Das hat mich berührt und auch geerdet. Jemand gibt was, obwohl sie selbst fast nichts hat.“

Und so ist Susanne Gebert-Ballmann auch mit der Berufung zur Heimleitung 1991 nie abgehoben, schon gar nicht, als aus diesem Posten im Jahr 2003 die Bereichsgeschäftsführung der Wohnangebote Behindertenhilfe wurde. Obwohl in dieser Zeit in diesem Bereich viel passiert ist: „Als ich die Heimleitung übernommen habe, war ich für knapp 100 behinderte Menschen in Wohngruppen in Winnenden, auf dem Paulinenhof und in Backnang zuständig. Heute sind es rund 550 Klienten inklusive vielen im ambulant betreuten Wohnen. Die Mitarbeiterzahl ist von 60 auf über 300 gestiegen.“

Die Nachfolgerin heißt Nadine Schüler

Nachfolgerin von Susanne Gebert-Ballmann ist Heilerziehungspflegerin und Sozialmanagerin Nadine Schüler. Sie ist ein Eigengewächs der Paulinenpflege und war zuletzt Gruppenleiterin des Seniorentreffs Winnenden.

„Jede einzelne Begegnung mit meinen Menschen mit Behinderung zeigt mir, warum ich das hier alles gemacht habe. Die Highlights meines Berufslebens in der Paulinenpflege sind meine Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Susanne Gebert-Ballmann an einem ihrer letzten Arbeitstage als Bereichsgeschäftsführerin der Paulinenpflege. Matthias Knödler berichtet.

Im Dezember 1985 startete Susanne Gebert-Ballmann demnach in der Paulinenpflege als Gruppenleiterin einer Wohngruppe, die es noch gar nicht

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