Winnenden

Nach Brand im Sägewerk: Produktionshalle ist Ruine

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© Alexander Becher

Murrhardt. Trister könnte das Bild nicht aussehen: ein grauer, wolkenverhangener Himmel über der Eisenschmiedmühle. Verkohlte Holzbalken und dicke Späne liegen kreuz und quer auf dem großen Areal verteilt. Einen Tag nach dem Großbrand bei der Junginger Naturholzwerk GmbH ist nur noch Schutt und Asche von der Produktionshalle übrig geblieben.

Am Morgen danach liegen eine knisternde Stille und eine rauchige Dunstwolke über dem Sägewerk. Gegen 8 Uhr sind immer noch wenige Feuerwehrmänner mit einem Wasserschlauch beschäftigt und löschen die letzten aufflackernden Glutnester. „Wir waren die ganze Nacht vor Ort, weil immer wieder kleine Flammen aufgelodert sind“, sagt Stefan Krehan, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Murrhardt. Die Müdigkeit ist ihm und seinen Kollegen ins Gesicht geschrieben. Kleine, weiße Rauchwölkchen steigen hier und da immer noch aus den verkohlten Holzteilen empor. „Das ist normal. Diese enorme Hitze ist hier überall noch vorhanden“, so Krehan. Trotz des Regens in der Nacht und am Morgen mussten die Löscharbeiten fortgeführt werden. Auch die Straßensperrung der L 1149 wird vorerst beibehalten.

Schadenshöhe noch nicht bezifferbar

Am Morgen reinigt ein Fahrzeug den Straßenrand. Drei Feuerlöscher liegen noch angelehnt an einem zusammengerollten Wasserschlauch. Zwei völlig ausgebrannte und zum Teil zerschmolzene Gabelstapler stehen direkt neben einer verbrannten Holzpalette. Der Geruch von verbranntem Gehölz, angekohltem Metall und zerschmolzenem Material ist immer noch beißend und brennt in den Augen. Bei dem Großbrand war am Mittwoch die komplette Produktionshalle des Sägewerks Eisenschmiedmühle Opfer der Flammen geworden. Die Schadenshöhe ist laut Polizei noch nicht bezifferbar, dürfte aber in die Millionen gehen. Es gilt nun zu klären, wie es zu dem verheerenden Feuer kam.

Löschwasser und Regen erschweren die Lage

„Ein Gutachter wird allerdings erst Anfang kommender Woche nach der Brandursache forschen“, sagt Polizeipressesprecher Holger Bienert. Im Moment habe der Sachverständige des Landeskriminalamts noch mehrere andere Fälle zu bearbeiten. Nach dem vielen Löschwasser und dem Regen wird man laut Polizei von einer eindeutigen Spurenlage sowieso Abstand nehmen müssen. Je nach Grad der Zerstörung sei es unheimlich schwierig, Erkenntnisse zu gewinnen und: Wo ein Feuer und viel Wasser gewütet hat, ist wenig übrig, was einen Hinweis auf die Entstehung des Brandes geben kann.

Die Arbeit muss irgendwie weitergehen

Im hinteren Bereich des Areals, das vom Feuer glücklicherweise verschont blieb, sind Mitarbeiter am Vormittag damit beschäftigt, große Holzpaletten zu verschieben und zu stapeln. Irgendwie muss die Arbeit weitergehen, trotz dieser beklemmenden und bedrückenden Situation.

Die Feuerwehr hat ihre Arbeit beendet. Stefan Krehan: „Wir werden nur noch die Filter aus der Murr entfernen, die wir für die Maßnahmen angebracht hatten, und dann können wir nichts mehr tun. Auf dem Gelände besteht keine Gefahr mehr.“

Brandursache: „ Zu 99 Prozent war es ein technischer Defekt“

Hans-Martin Junginger, einer der Geschäftsführer des Unternehmens, äußert seinen Verdacht klar, was die Brandursache war: „Ich gehe davon aus, dass es zu 99 Prozent ein technischer Defekt war.“ Junginger, der mit seinem Bruder die Firma leitet, hat die Löscharbeiten am Mittwoch verfolgt und musste schockiert beobachten, wie die Halle niederbrennt. In Worte könne man das alles nicht fassen. Junginger wundert sich allerdings, welche Gerüchte sich im Internet verbreiten: „Es ist von Toten die Rede“, sagt er betroffen. Laut Polizeiangaben sollen vier Menschen bei dem Brand verletzt worden sein – zwei Mitarbeiter des Betriebes und zwei Feuerwehrleute. Junginger schüttelt mit dem Kopf: „Das irritiert mich. Ein Mitarbeiter ist verletzt, ja. Aber ich weiß nicht, wer der zweite sein soll.“ Und die zwei Feuerwehrmänner? – „Denen ist es unter ihrer Schutzmaske etwas zu heiß geworden, so dass ihnen der Kreislauf zu schaffen gemacht hat. Und der eine Feuerwehrmann hat sich den Fuß verknackst.“ Auf nochmalige Nachfrage bestätigt die Polizei die vier Verletzten: zwei Feuerwehrmänner und zwei Firmenmitarbeiter. Bienert: „Einer der Mitarbeiter hat Verbrennungen erlitten und ein anderer hatte einen leichten Schwächeanfall, als er geholfen hat, das Feuer zu löschen.“


In Millionenhöhe

Das Ausmaß des Brandes ist für Geschäftsführer Hans-Martin Junginger in Zahlen noch nicht zu erfassen. Dass der Schaden in die Millionen geht, ist klar. Die Firma Junginger Naturholzwerk, die vor allem für Bauunternehmen wie beispielsweise Hammer Abbund in Fichtenberg oder Fertighaus Weiss in Oberrot produziert, hat insgesamt 55 Mitarbeiter, 25 davon sind in der Eisenschmiedmühle bei Fornsbach beschäftigt, wo das Familienunternehmen seit 1896 seinen Stammsitz hat.