Winnenden

Nach tödlichem Wohnhausbrand in Winnenden: Überlebender schildert Rettungsversuch

1 Tote bei Wohnhausbrand, Bachstr., Winnenden, 21.12.2020.
Beim zweiten Brand nach 21.45 Uhr musste der Dachstuhl gelöscht werden. © Benjamin Beytekin

Am Tag nach dem Brand in der Bachstraße ist die Brandursache noch nicht ermittelt. Zu schwer beschädigt ist das Haus. Es muss erst weiter abgesichert werden, bevor es von Brandschutzsachverständigen betreten werden kann, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. An diesem Tag wurde auch bekannt, dass es vor Eintreffen der Feuerwehr einen privaten Rettungsversuch gab für die 69-Jährige, die im Feuer ums Leben gekommen ist.

Es brennt: Wo im Haus ist die Frau?

Als das Feuer ausgebrochen war, befand sich die Frau alleine im Haus. Ihr 73-jähriger Mann war mit dem Hund spazieren, wie er in einem kurzen Gespräch berichtete. Er kam nach Hause. Da machte ihn ein Unbekannter auf das Feuer aufmerksam: „Ist das Ihr Haus? Es brennt!“ Die Feuerwehr sei alarmiert. Der Mann dachte sofort an seine Frau und ging ohne Zögern ins Haus, durchsuchte die unteren Räume, fand sie nicht und ging nach oben, packte einen Feuerlöscher, traf auf die Hitze und das Feuer und löschte, was mit dem kleinen Gerät zu löschen war. Aber der war schon nach einer Minute leer. Die Hitze im Haus war so groß, dass er es nicht mehr aushalten konnte. Er musste umdrehen, sonst wäre er im Feuer umgekommen. „Ich habe alles versucht, aber ich hatte keine Chance“, sagt er. In letzter Minute rannte er aus dem brennenden Haus. Draußen traf er auf die Feuerwehr und auf Kriminalpolizisten, die ihn gleich zum Gespräch baten. „Sie waren sehr freundlich“, erzählt der 73-Jährige. Seinen Bericht nahmen sie zu Protokoll, und am Dienstag bestätigte die Polizeipressestelle die Schilderungen des 73-Jährigen im Gespräch mit unserer Zeitung.

Es brennt erneut: Zwei Drehleitern im Einsatz

Der Brand in der Bachstraße war eine große Herausforderung für die Rettungsdienste, zumal er um 21.45 Uhr erneut und mit noch größerer Wucht ausbrach. Die Winnender Feuerwehr mit ihrem Einsatzleiter Tobias Distler war noch mit voller Besetzung vor Ort, suchte nach Glutnestern im ausgebrannten und baufälligen Haus und beobachtete, wie plötzlich die Flammen aus dem Dach schlugen. Wie Kommandant Yosh Dollase berichtet, riefen sie schnell die Fellbacher und die Waiblinger Feuerwehr zu Hilfe. Die Fellbacher lieferten am Abend die Atemschutzlogistik, den Nachschub an Atemschutzmasken und Sauerstoffflaschen. Eine zweite Drehleiter kam aus Waiblingen. Mit ihr griffen die Feuerwehren von zwei Seiten den Dachbrand an und von ihr aus lösten sie Dachpfannen aus dem Dach, öffneten es, um mit dem Löschwasser an die Flammenherde zu gelangen.

Innenangriff: Das Risiko der Feuerwehrleute

Vier Stunden vor diesem Volleinsatz war die große Herausforderung für die Winnender Feuerwehr der Innenangriff in dem brennenden Haus. Den Feuerwehrleuten war bekannt, dass eine Frau vermisst wurde. Langsam tasteten sie sich in das brennende Haus hinein mit Atemschutzausrüstung und Schutzkleidung. „Dieser Innenangriff ist eine der gefährlichsten Sachen, die unsere Feuerwehrkameraden leisten“, sagt Yosh Dollase, „man weiß: Eine Person ist drin.“ Feuerwehrleute riskieren dann viel, denken aber auch an ihren Selbstschutz und mussten in diesem Fall am Montag um 18 Uhr feststellen, dass die Frau nicht mehr zu retten war.

Notfallseelsorger betreuten den Ehemann und Verwandte der Verstorbenen. Oberbürgermeister Holzwarth und Dezernent Haas kamen zum Brandort und boten Hilfe an, falls jemand eine Unterkunft bräuchte. Familienangehörige und Nachbarn schauten nach dem überlebenden Mann. Für eventuelle Besprechungen hatte das Rote Kreuz einen Raum in der Stadt bereitgestellt, der dann aber nicht gebraucht wurde, weil Nachbarn den vom Unglück schwer getroffenen Mann bei sich aufnahmen. „Es ist mein Glück im großen Unglück, dass ich so liebe Nachbarn habe“, sagt er.

Verpflegungszelt: Wie das DRK der Feuerwehr hilft

Die Feuerwehr kämpfte noch lange nach Mitternacht mit den Glutresten im Brandhaus, das eben wie die meisten älteren Häuser viele Brandlasten hat. Nachts um 23 Uhr baute der Ortsverein des Roten Kreuzes ein Verpflegungszelt auf, damit die Einsatzkräfte endlich mal etwas zu essen bekamen, denn einige von ihnen waren um 17 Uhr von der Arbeit weg in den Einsatz gerückt. Die Arbeiten am zerstörten Haus gehen weiter. Erst am Mittwoch um 10 Uhr soll es so weit gesichert sein, dass wieder Autos vorbeifahren können. So lange ist die Bachstraße noch gesperrt.

Am Tag nach dem Brand in der Bachstraße ist die Brandursache noch nicht ermittelt. Zu schwer beschädigt ist das Haus. Es muss erst weiter abgesichert werden, bevor es von Brandschutzsachverständigen betreten werden kann, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. An diesem Tag wurde auch bekannt, dass es vor Eintreffen der Feuerwehr einen privaten Rettungsversuch gab für die 69-Jährige, die im Feuer ums Leben gekommen ist.

Es brennt: Wo im Haus ist die Frau?

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