Winnenden

Nach Weihnachtsmarkt in Winnenden: Giesser-Mitarbeiter spenden Gondel-Erlöse

Giesser  Spende
Spendenübergabe in der Ausbildungswerkstatt der Firma Alfred Giesser Messerfabrik: Anne Mettler, Simone Hesser und Andreas Maurer von der Paulinenpflege freuen sich über 5000 Euro. Fabienne Poremba, Marvin Korver und Fabian Levermann haben viel Energie in den Umbau der Skigondel gesteckt, damit diese ein Weihnachtsmarktstand werden konnte. © Gabriel Habermann

Die Gondel war der Hingucker schlechthin auf dem Winnender Weihnachtsmarkt Ende November. Vielleicht nicht im romantisch-dekorativen Sinne – Tannengrün und rote Schleifen suchte man an ihr vergebens. Aber in dem Trumm, das von 1969 bis 2010 sommers wie winters Touristen von Meran alpenaufwärts brachte, vereint sich eben so viel: Es steht symbolisch für entspannte Urlaube, hervorragende Gastgeber und die Faszination der Bergwelt. In ihrer neuen Heimat, dem Hof der Alfred Giesser Messerfabrik in Birkmannsweiler, fehlt der Gondel zwar die Seilbahn, aber sie stiftet weiterhin Sinn und sorgt für viele (neue) Verbindungen, wie bei einer nicht alltäglichen Spendenübergabe deutlich wurde.

Gutscheine wir für besondere Freizeitaktivitäten verwendet

„Der Erlös vom Stand auf dem Weihnachtsmarkt soll jedes Jahr einem guten Zweck zukommen, gegen Altersarmut helfen oder jungen Menschen etwas Gutes tun“, sagte Geschäftsführer Hans Werner Reinhard. Die Wahl 2022 fiel auf zwei Projekte der Paulinenpflege, und der geschäftsführende Vorstand Andreas Maurer sowie die stellvertretende Jugendhilfe-Bereichsgeschäftsführerin Anne Mettler sowie Sozialpädagogin Simone Hesser nahmen freudestrahlend 5000 Euro in Empfang und sagten den Ausbildungsleitern Fabian Levermann und Fabienne Poremba und Azubi Marvin Korver, wie das Geld eingesetzt wird. „Für besondere gemeinsame Aktionen wie einen Besuch von Tripsdrill oder der Sprungbude bekommen die Kinder und Jugendlichen der Wohngruppen, die zu Weihnachten nicht in ihre Familien gehen können, Gutscheine zu Weihnachten“, sprach Anne Mettler von der Verwendung von 1000 Euro. „Bei solchen Ausflügen müssen wir im Alltag leider etwas knausern.“

Tiergestützte Pädagogik hilft schwer traumatisiertem Kind weiter

4000 Euro gehen an die tiergestützte Therapie mit Jugendlichen auf dem Paulinenhof. Simone Hesser ist dort wie auch in der Bodenwaldschule tätig und sieht, welche Wirkung die beiden Esel und das Pferd auf die Jugendlichen haben. „Ohne Worte finden sie zueinander, und niemand schaut auf die Uhr, wenn die Zeit um ist, aber ein Tier noch nicht versorgt ist“, schildert Simone Hesser.

Gespannt lauschen die Giesser-Leute weiter, als Anne Mettler von einem hochbegabten, aber schwer traumatisierten Kind erzählt, das wochenlang sein Zimmer nicht verließ und bis heute mit niemandem redet. „Es hat sich den störrischsten Esel ausgesucht, kommuniziert nonverbal mit ihm, bewegt ihn und hat inzwischen sogar am internen Gottesdienst teilgenommen.“ Die ein bis zwei Besuche pro Woche auf dem Paulinenhof tun ihm offenbar gut – „unsere Pädagogik von Mensch zu Mensch war jedenfalls ausgereizt“. Weitere Jugendliche, die aus verschiedensten Gründen nicht klarkommen, „haltlos sind und erst lernen, Beziehungen aufzubauen“, wie Andreas Maurer sagt, profitieren ebenfalls vom betreuten Umgang mit den Tieren. „Die Angebote sollen ausgeweitet werden, aber viele Gebäude auf dem Hof sind in die Jahre gekommen, und leider ist auch die Produktion der Bio-Lebensmittel dort hoch defizitär“, freut sich Maurer über das Geld.

Gondel bringt die Giesser-Mitarbeiter wieder näher zusammen

„Hut ab vor Ihrer Arbeit“, sagte Hans Werner Reinhard. Und berichtet, dass die Gondel nicht nur geholfen hat, etwas mehr als 4000 Euro Umsatz zu machen (die Firma hat den Betrag dann noch aufgestockt), sondern tatsächlich auch dazu beitrug, die Giesser-Mitarbeiter wieder enger zusammenzuschweißen. „Corona hat für eine starke Entfernung gesorgt, der Umgang miteinander war nicht so wie davor“, berichtet er. Daher habe es ihn gefreut, dass rund 24 Kolleg/-innen sich für die Verkaufsschichten gemeldet hatten, „eine echte Teambuilding-Maßnahme also“. Und da jeder der 78 Mitarbeiter Verzehr-Gutscheine von der Firma bekam, ließen sich die meisten mit ihren Familien am Stand blicken.

Dass dieser so wunderbar funktionierte, dass aus der Transportkabine eine transportable Imbissbude wurde, haben indes die Ausbilder mit ihren Lehrlingen, gerade mal fünf Leute, geschafft. „Wir beide waren dann auch an allen drei Weihnachtsmarkttagen vor Ort, damit alles klappt, damit die Leute eingewiesen werden“, berichtet Fabienne Poremba über sich und Kollege Levermann. Nicht nur die Herstellung von frittierten Spiralkartoffeln und Glühaperol hat nichts mit ihrem eigentlichen Beruf zu tun, auch der Einbau einer Industriespülmaschine samt Frischwasser-Zuleitung und Abwasserrohr sowie der Stromanschlüsse war ihnen alles andere als geläufig und somit eine große Herausforderung. „Dazu mussten wir Stauraum haben und alles hygienisch unterbringen“, so Fabienne Poremba. „Die Nervosität war groß, weil sich zur Premiere auch gleich der Wirtschaftskontrolldienst angekündigt hatte“, ergänzt Fabian Levermann.

Die Gondel war der Hingucker schlechthin auf dem Winnender Weihnachtsmarkt Ende November. Vielleicht nicht im romantisch-dekorativen Sinne – Tannengrün und rote Schleifen suchte man an ihr vergebens. Aber in dem Trumm, das von 1969 bis 2010 sommers wie winters Touristen von Meran alpenaufwärts brachte, vereint sich eben so viel: Es steht symbolisch für entspannte Urlaube, hervorragende Gastgeber und die Faszination der Bergwelt. In ihrer neuen Heimat, dem Hof der Alfred Giesser Messerfabrik

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper