Winnenden

Neuer Anlauf für die Gewaltprävention ist aus Schulsicht nötiger denn je

Verein für Präventionsarbeit
Der Vorstand des Vereins für Präventionsarbeit vor seiner neuen Postanschrift (v. l.): Gino Karsch, Maureen Klein, Tobias Sellmaier. © Gabriel Habermann

Gino Karsch hört mit Sorgenfalten auf der Stirn Nachrichten. Lkw-Fahrer geraten in Streit, der eine bringt den anderen um. In Memmingen verhindert die Polizei mit Verhandlungen einen Amoklauf. Aggression und Menschen im psychischen Ausnahmezustand scheinen allgegenwärtig. Der Junge war erst 14 Jahre alt.

In Winnenden ist am 11. März 2009 das Unfassbare geschehen, ein weiterer Schul-Amoklauf in Deutschland. Seitdem setzen Angehörige und ihre Unterstützer sich dafür ein, dass die Tat nicht vergessen wird, aber auch, dass so etwas nie wieder passiert.

Gino Karsch will, dass der Verein mehr Mitglieder und Sponsoren bekommt

Gino Karsch (57), ehemaliger Albertville-Schüler, trommelt als Zweiter Vorsitzender des neu benannten Vereins für Präventionsarbeit mit Nachdruck und Charme um Zuwachs für die 124 Mitglieder und neue Sponsoren. Seine Blitzschutztechnik-Firma gehört auch dazu, und sie führt ihn regelmäßig in Schulen, Firmen und Vereine. Oft muss er mit Absagen klarkommen, die ärgern ihn vor allem bei großen Clubs.

Ein Projekt kombiniert Theorie und Praxis zusammen mit einem Theaterpädagogen

Der Verein will, dass die Projekte gegen Gewalt, Aggression, Mobbing, und die Projekte für Zusammenhalt und Miteinander, buchbar von Schulen und Vereinen, wieder Fahrt aufnehmen. Es sind Handbücher und Unterrichtsmaterialien, Filme, aber auch praktisches Training in Kooperation mit speziell ausgebildeten Theaterpädagogen und Schulsozialarbeitern vorhanden oder in Arbeit. Außerdem gibt es ein Kreativprojekt, „Stories against violence“ genannt.

Alles ist professionell aufgezogen und hoch willkommen bei den Schulen: „Es gibt immer weniger AGs, weil die Lehrerversorgung so schlecht ist, dabei steigt der Bedarf an Anti-Gewalttrainings bei Schülern und Eltern an“, gibt Tobias Sellmaier, Erster Vorsitzender, Worte des Albertville-Schulleiters sinngemäß wieder. Auch der 47-Jährige ist von Anfang an dabei. Die Familie der ermordeten Jana Schober wohnte über ihm im Haus. Seine jüngste Tochter ist bis heute traumatisiert, obwohl sie damals nicht an der Schule war. Mit Herzblut und professionellem Rüstzeug – er arbeitet im Marketing einer Firma und nebenbei als Pressefotograf – setzt sich Sellmaier ein, legt Kränze in München und Erfurt nieder, lehnt aber Kommentare zu aktuellen Fällen wie an der Uni Heidelberg grundsätzlich ab. Das steht seiner Meinung nach Externen nicht zu, würde die Betroffenen verletzen und seinen Verein unglaubwürdig machen, findet er. Lieber macht er ihn durch Fußballturniere zugunsten des Vereins bekannter. Stolz ist er auf den Freitagskick. „Die Mannschaft hat besondere Regeln und Werte, wer sie nicht einhält, kann nicht mitmachen. Wir fallen regelmäßig durch unseren Teamgeist und Fairplay bei Turnieren auf.“ Tobias Sellmaier betont, dass der Verein offen ist für alle Ortschaften in Deutschland, daher fehlen bewusst „Winnenden“ und „2009“ im Namen.

Maureen Klein will sich auch um diverse Fördergelder kümmern

Die beiden Männer entscheiden alles für den Verein gemeinsam mit Kassiererin Maureen Klein (56). Die Schwester des Stiftungsvorstands Dirk Bloksma arbeitet in seinem Unternehmen als Finanzbuchhalterin. „Ich werde mich um Sponsorengewinnung kümmern und schauen, welche Förderungen wir beantragen können.“ Es sei so, dass zwar die Erfolge des Vereins gar nicht direkt sichtbar seien, gleichwohl werde der Vorstand „darüber reden und zeigen, wie wertvoll die Projekte sind“. Die drei stünden für einen sorgsamen Umgang mit Mitgliedsbeiträgen und Spendengeldern, und dass Anliegen schnell und unbürokratisch bearbeitet werden. „Wenn wir einen Bedarf nicht bedienen können, vermitteln wir etwas anderes Passendes“, verspricht Maureen Klein. Auch das Amoktelefon, bei dem Hinweisen auf bevorstehende Taten vertraulich, aber zuverlässig und schnell nachgegangen wird, betreibt der Verein weiter.

Warum sich der Förderverein der Stiftung gegen Gewalt an Schulen umbenannt hat

Seit November 2009 gab es die „Stiftung gegen Gewalt an Schulen“, und sie wurde finanziell unterstützt vom Förderverein der Stiftung. Weil in der Zeit der Pandemie die Arbeit der Stiftung schlichtweg unmöglich, Projekte und Seminare nicht durchführbar waren, blieben auch Sponsoren, Spenden und Unterstützer aus, die Verantwortlichen suchten einen Weg, um die Werte, Ziele und Projekte der Stiftung fortführen zu können.

Erster Schritt: Ausgaben auf null fahren, die Geschäftsstelle in der Wallstraße wurde aufgegeben, der hauptamtliche Mitarbeiter fand eine neue Arbeit. Zweiter Schritt: Der Förderverein der Stiftung sollte zum Verein für Präventionsarbeit umbenannt werden. Die Satzungsänderung ist in der Mitgliederversammlung Ende Juli 2022 einstimmig beschlossen worden.

Doris Kleisch, deren Tochter Stefanie beim Amoklauf ermordet wurde, war laut Vereinsmitteilung erleichtert: „Ich bin sehr froh, dass mit dem neuen Verein die Arbeit fortgesetzt wird und es hier und heute nicht zu Ende ist!“

Jeweils einstimmig für zwei Jahre gewählt wurden: 1. Vorsitzender Tobias Sellmaier (Wohnort Leutenbach), 2. Vorsitzender Gino Karsch (Burtenbach/Bayern), Kassiererin Maureen Klein (Kernen), 1. Kassenprüferin Doris Kleisch (Leutenbach), 2. Kassenprüfer Gerald Ocker (Backnang). Die Adresse des Vereins lautet künftig: Verein für Präventionsarbeit e.V. c/o Albertville-Realschule Winnenden, Albertviller Straße 32, 71364 Winnenden. Bis zur Neugestaltung der Homepage gelten die alte Internetadresse www.fv-sggs.de und E-Mail-Adresse info@foerderverein-sggs.de

Gino Karsch hört mit Sorgenfalten auf der Stirn Nachrichten. Lkw-Fahrer geraten in Streit, der eine bringt den anderen um. In Memmingen verhindert die Polizei mit Verhandlungen einen Amoklauf. Aggression und Menschen im psychischen Ausnahmezustand scheinen allgegenwärtig. Der Junge war erst 14 Jahre alt.

In Winnenden ist am 11. März 2009 das Unfassbare geschehen, ein weiterer Schul-Amoklauf in Deutschland. Seitdem setzen Angehörige und ihre Unterstützer sich dafür ein, dass die Tat

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