Winnenden

Neues öffentliches WC am Bahnhof Winnenden nur nach Münzeinwurf benutzbar

Bausbahnhofsklo
Das neue öffentliche Klo am Busbahnhof. Der Eintritt kostet 50 Cent. © Gabriel Habermann

Große Erleichterung schafft ein neues öffentliches Klohäuschen für all jene, die mit voller Blase am Winnender Bahnhof ankommen oder abfahren wollen. Es soll selbstreinigend sein und vandalensicher – und hat die Stadt 275.000 Euro gekostet. Weil es eigentlich zwei Toiletten sind, eine für Busfahrer/-innen, die andere für Fahrgäste. Wir haben uns angeschaut, wie es funktioniert und ob es funktioniert.

Zunächst ist das gute alte Münzgeld gefragt. Der Eintritt kostet 50 Cent, die man am besten als Fuffzgerle oder als Zehnerle und Zwanzgerle einwirft. Einen Euro nimmt der elektronische Einlass übrigens auch an – aber Achtung, das Kleingedruckte darunter besagt, dass kein Wechselgeld ausbezahlt wird. Apropos gedruckt: Unter den Knöpfen findet sich die Brailleschrift, die blinde Menschen ertasten können. Schließlich war der ganze Umbau des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) ja für die Barrierefreiheit.

Alternativ zum Münzeinwurf gibt es – irgendwann – Kartenzahlung

Die moderne Anlage hat allerdings auch noch ein Kartenlesegerät. Aber nur für Kreditkarten, nicht die normalen Girokonto-Karten. Das gibt Minuspunkte. Ist das dennoch die Lösung für Menschen mit einem gewissen Bedürfnis, aber ohne nötiges Kleingeld? Noch nicht. Die Taste „Start-Stopp“ an dem Lesegerät macht keinen Muckser, es springt auch nicht an, wenn man mit der Kreditkarte vor ihm herumwedelt oder den Magnetstreifen durch den Schlitz zieht. Schade.

Keine Schiebetür, ist das nicht ein Hindernis für Rollstuhlfahrer?

Die grüne Lampe brennt, das WC ist frei. Also dann, den Kollegen angeschnorrt, rein mit seinen 50 Cent in den Münzschlitz, und ein angenehmer heller Summton ertönt. Jetzt muss man selbst am Griff ziehen, die Tür öffnet sich nach außen. Doch Moment mal, wie ist das für Rollstuhlfahrer? Das alte WC hatte eine Schiebetür ... Der Anruf bei einem Betroffenen gibt Entwarnung: „Wenn die Tür genug Platz zum Aufschwingen hat und der Zugang ebenerdig ist, dann geht das“, sagt der Winnender Günther Lerchner. Okay, passt, und schwer ist die Tür auch nicht. Im Übrigen müssen Rollstuhlfahrer auch nichts bezahlen, sie öffnen die Tür mit einem speziellen Schlüssel.

Nun denn, dann schauen wir uns mal um in dem Raum. Rechts die Kloschüssel mit hochgeklappten Haltegriffen für Rollstuhlfahrer, links und rechts daneben, vom Sitz aus nicht erreichbar, die Klopapierrollen. Also muss man bedenken, sich bereits mit Papier ausgerüstet niederzulassen. Wer eigene Hygienetücher vergessen hat und dem Reinigungsprogramm misstraut, kann Papier zunächst mal am Desinfektionsspender befeuchten und die Brille abwischen. Männliche Stehpinkler haben’s besser, sie stellen sich an das separate Urinal, es ist ganz aus Edelstahl.

Die Spülung springt erst beim Türöffnen an

So, jetzt geht der Fotograf raus und die Tür zu, dazu drückt man den roten Knopf. Ohne dass es was zu spülen gäbe, löst die Klospülung aus. Aha. Nach erfolgter Erleichterung wedelt der Automatik-Klo-Erfahrene vor dem Sensor herum, jetzt geht die Spülung aber nicht an. Doof, wenn man eigentlich schnellstmöglich unappetitliche Gerüche loswerden will oder noch ein bisschen mit der Plastik-Klobürste nachhelfen hätte wollen. Die Spülung rauscht erst los, wenn der grüne Tür-Öffnen-Knopf gedrückt wird.

Am Waschbecken, das eher eine Wasch-Fläche ist, denn man kann sie mit dem Rollstuhl unterfahren, fällt erneut die gute Erkennbarkeit der Bedienknöpfe auf. Sie lassen nun tatsächlich Wasser und Seife raus, schon wenn man sich ihnen mit dem Finger nähert. Etwas enttäuschend ist nur der Händeföhn, nach zwei Trockenrunden sind sie trotz kräftigen Rubbelns immer noch feucht. Wahrscheinlich hat deshalb jemand das Klopapier zum Abtrocknen benutzt, aber leider nicht in die Schüssel geworfen, sondern versucht, es in den Abfalleimer zu stopfen, ohne die Klappe zu berühren. Die eine Hälfte hängt noch raus, das sieht nicht gerade prickelnd aus.

Ein klappbarer Wickeltisch und eine kleine Abfallbox

Zum Schluss noch eine gute Nachricht für alle Eltern von Kindern im Windelalter: Ein herunterklappbarer Wickeltisch erleichtert das Windelwechseln. Das volle Teil bitte kompakt zusammenkleben, denn wie gesagt, die Klappe des Abfalleimers ist recht klein bemessen. Aber wie gesagt, so lange Wasser, Seife und Desinfektionsmittel im Spender sind, dürfte auch diese Entsorgung kein Problem sein.

Wieder draußen, bleibt die rote Lampe brennen und die gelbe für „Reinigung“ springt zusätzlich an. Alles in allem kann man für den Anfang sagen: Das ist schöner pinkeln am Busbahnhof.

Busfahrer haben Schlüssel für die separate Personal-Toilette

So ähnlich sehen es auch die Fahrer/-innen von der Omnibusfirma Dannenmann. „Wir hatten bisher nur ein Dixiklo. Das war im Winter zugefroren und im Sommer randvoll, einfach eklig. Händewaschen konntest du auch nicht“, berichtet ein Fahrer, den wir spontan befragen. Nun zahlt sein Chef an die Stadt einen mittleren dreistelligen Betrag, und jeder Beschäftigte hat einen Schlüssel, mit dem er das Personal-WC aufschließen kann. Es ist ebenfalls in dem neuen Komplex mit dem öffentlichen Klo untergebracht und funktioniert ganz ähnlich. „Das ist nicht wenig Geld, aber unsere rund 40 Fahrerinnen und Fahrer haben nun eine saubere, funktionierende Toilette“, sagt Betriebsleiter Markus Dezius.

Einer, der die Personal-Toilette nicht benötigt, ist der Winnender Busunternehmer Harald Römer. „Meine Fahrer kommen in ihren Pausen einfach in den Betriebshof.“ Deshalb spart er sich den neuerlichen Extra-Kostenfaktor.

Große Erleichterung schafft ein neues öffentliches Klohäuschen für all jene, die mit voller Blase am Winnender Bahnhof ankommen oder abfahren wollen. Es soll selbstreinigend sein und vandalensicher – und hat die Stadt 275.000 Euro gekostet. Weil es eigentlich zwei Toiletten sind, eine für Busfahrer/-innen, die andere für Fahrgäste. Wir haben uns angeschaut, wie es funktioniert und ob es funktioniert.

Zunächst ist das gute alte Münzgeld gefragt. Der Eintritt kostet 50 Cent, die man am

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