Winnenden

Notariat stehen zwei Auszüge bevor

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Akten ab dem Jahr 1900 lagern noch bis Februar in Winnenden, erläutern die Notare Maren Leuze und Alexander Weber. © Habermann / ZVW

Winnenden. Das Notariatsgebäude an der Wiesenstraße wird noch maximal ein Jahr und vier Monate benötigt. Die Grundbücher werden im Februar 2017 ausziehen, am 1. Januar 2018 folgen die Notare. Ein Gespräch mit Maren Leuze und Alexander Weber (45), die ab dem Stichtag selbstständig sein und ein Büro an der Bahnhofstraße haben werden.

Es sind gehörige Umwälzungen, die das Landesjustizministerium angebahnt hat, die aber ziemlich still vonstattengehen. Ende dieses Jahres werden im Winnender Notariat die Kisten mit Grundbuchakten gepackt, ein Jahr darauf ziehen die Schreibtische und EDV-Anlagen um. Wie das personell zu schaffen sein wird, ob technisch alles klappt, dahinter stehen für die beiden jungen Notare noch Fragezeichen.

Am wenigsten gram sind Notare und Mitarbeiter, das eingeschossige Gebäude verlassen zu können. Der dünnwandige Fertigbau war als Provisorium gedacht, wurde aber nie durch ein festes Haus ersetzt. Der muffig-modrige Geruch kommt sicher nicht nur von den alten Akten, die im Gebäude aufbewahrt werden. „Du riechst nach einem Tag, wie wenn du aus dem Keller kommst“, sagt Maren Leuze lachend.

Schwer zu finden: Neue, zentral gelegene Büroräume

Nachdem das Land sie als staatlich bestellte Notarin ausgewählt hat, wurde Maren Leuze im Januar nach Winnenden versetzt, damit sie ihre künftige Klientel und ihr Gebiet kennenlernen kann. Derzeit ist sie für Berglen zuständig. Die 34-Jährige hat allerdings einen Heimvorteil, stammt aus Leutenbach, ging aufs Lessing-Gymnasium, hat in Stuttgart 2006 die Notarprüfung abgelegt und seitdem in Winnenden als Vertreterin und in Backnang als Notarin gearbeitet. „Es ist mein Traum, dass das mit der Stelle geklappt hat.“ Dafür muss sie allerdings auch ihren Beamtenstatus aufgeben, ihr Kollege auch.

Alexander Weber wuchs in Waiblingen auf, besuchte das Salier-Gymnasium und wie Maren Leuze die Notarakademie in Stuttgart. Er hatte Stellen in Ellwangen, Aalen, Fellbach und Stuttgart inne, bevor er am 1. Juli in Winnenden begann, zuständig für Leutenbach.

Kennengelernt haben sie sich erstmals im April 2015, als klar war, dass beide staatlich bestellte, aber selbstständige Notare werden. „Wir sind froh, dass wir uns menschlich gut verstehen, das ist eine gute Basis für die künftige Geschäftsbeziehung“, sagt der 45-Jährige. Schwierig war es hingegen, zukunftsfähige Büroräume zu finden. Bei der Baugenossenschaft Winnenden (BGW) hatten die beiden Glück, sie werden in einem Neubau an der Bahnhofstraße zentral, gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und gut versorgt mit Tiefgaragenstellplätzen, unterkommen. Der Mietvertrag ist vergangene Woche unterzeichnet, das Baugesuch diese Woche eingereicht worden.

„Wir brauchen auf einer Ebene Platz für weitere Mitarbeiter und unser Archiv“, sagt Alexander Weber. Einige vom jetzigen Team werden übernommen und es gibt einen Notarvertreter bei Urlaub und Krankheit. „Wir ersetzen ab 2018 zu zweit den Schwaikheimer Notar und die vier Notare in Winnenden“, sagt Maren Leuze. „Die nächsten Freiberufler sitzen in Backnang und Waiblingen, der Kunde hat die freie Wahl, wie bei einem Arzt“, sagt sie über die Justizreform, die einen Sonderweg in Baden-Württemberg beendet. In 16 Monaten werden den Notaren die gerichtlichen Aufgaben entzogen, daher glaubt sie, dass zwei Leute das Pensum von bisher fünf gut schaffen.

„Wir bleiben die neutralen Personen, die beim Abschluss von Verträgen und Testamenten beraten und nicht Partei für eine Seite ergreifen. Deshalb sind wir auch staatlich bestellt, damit einen nicht die wirtschaftliche Situation dazu verleitet, parteiisch zu sein“, erklärt Alexander Weber. Faire Verträge bei Grundstücksgeschäften und Eheschließungen, ausgewogene Scheidungsvereinbarungen und eindeutige Testamente sind ihre Ziele.