Winnenden

Notfallplan für großen Stromausfall

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Winnenden. Das Einfachste wäre, wir wären zu 100 Prozent sicher, dass es nie einen flächendenkenden Stromausfall im Land geben wird. Sind wir aber nicht. Deshalb ließ die Stadt untersuchen, was beim Big Blackout passiert und wie sie von vorneherein das Allerschlimmste verhindern könnte. Ergebnis: Einige größere Generatoren wären hilfreich.

Schlimm wären schon die ersten zwei Stunden ohne Strom in der Stadt: Menschen würden in Aufzügen feststecken, die privaten Beatmungsgeräte von Kranken zu Hause würden abschalten, Festnetztelefone blieben stumm. Erst am Montag Abend erlebte Kernen einen längeren Stromausfall. 

Was ist dann mit der Feuerwehr? Im Feuerwehrhaus Mitte steht ein mobiler Stromerzeuger bereit, der auch ans Stromnetz des Hauses angeschlossen werden kann. Wenn er nicht gerade anderswo im Einsatz ist, könnten die Elektrogeräte, Telefone und Computer dort laufen, wie die Firma RBS-Wave bei einer Untersuchung herausgefunden hat.

Aufgabe der Stadt ist der Schutz ihrer Bürger

Die Stadt ist nach Gemeindeordnung für den Schutz ihrer Bürger verantwortlich, deshalb möchte sie wissen, wie sie handlungsfähig bleiben kann ohne Strom. Die Berater von Wave und der EnBW halten einen Stromausfall für unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen: „Stellen Sie sich vor: Es ist Mitte Dezember, fünf Grad Außentemperatur, Ihr Wecker klingelt, Sie merken: Kein Licht“, schildert Harald Müller, Kommunalberater der EnBW den Gemeinderäten die fiktive Lage.

Es gibt dann kaltes Frühstück bei Kerzenlicht. Kühltruhe und Kühlschrank tauen ab. Der Brenner der Ölheizung startet nicht. Und so weiter. Kein Licht auf der Straße. Keine S-Bahn. Vielleicht ein Bus. Das eigene Auto hat noch Benzin. Das Handynetz ist überlastet, aber vielleicht kommen noch Nachrichten durch, weil die Akkus der Umsetzer noch Strom haben.

Im Notfall kommen die Bürger zum Rathaus – Was dann?

Was machen die Leute dann in der Not? Wo suchen sie Hilfe? Bei der Feuerwehr? Im Rathaus? Wahrscheinlich. Deshalb hat die Stadt die Firma RBS-Wave beauftragt, das Rathaus, das Feuerwehrhaus Mitte, den städtischen Bauhof und die Gemeindehalle Höfen-Baach zu untersuchen, ob sie notfalltauglich sind.

Ergebnis: Im Augenblick wäre nur die Feuerwehr und der Bauhof einigermaßen aktionsfähig. Rathaus und Gemeindehalle wären lahmgelegt.

Notstromaggregat mit 100 Kilowatt Leistung würde helfen

Immerhin könnten im Foyer des Rathauses die Bürger mündlich informiert werden – dafür wäre das Erdgeschoss laut Gutachten „sehr gut nutzbar“. Aber man müsste im Rathaus Zettel ausdrucken, Notfallpläne verteilen, man bräuchte Licht und laufende Computer, vielleicht auch ein bisschen Heizung. Dafür empfiehlt der Berater ein größeres Notstromaggregat mit 100 Kilowatt Leistung plus einen mobilen Generator und eine Anschlussstelle für ihn. Dann wäre im Rathaus trotz Stromausfall einiges machbar.

Mit großer Mehrheit beschlossen, Untersuchungen fortzuführen

Die Gemeinderäte reagierten ganz unterschiedlich auf das Notfallszenario der Berater von EnBW und Wave. Frank Rommel (CDU) sprach von „Weltkriesgsszenarien“ und Siegfried Lorek (CDU) meinte, die EnBW solle lieber dafür sorgen, dass die Stromversorgung sicher sei, als solche Szenarien vorzutragen.

Der Winnender Gemeinderat beschloss mit großer Mehrheit, dass die Stadt selbst auf der Basis der jetzigen Erkenntnisse die Untersuchungen weiterführt und dass die Verwaltung Vorschläge zur Umsetzung ausarbeitet und dem Gemeinderat vorlegt.


Was würde passieren?

Im Feuerwehrhaus Mitte wäre das Notwendigste vorhanden, wenn der mobile Generator sicher am Ort wäre. Der städtische Bauhof neben der Feuerwehr wäre zurzeit ohne Strom. Die Berater halten einen Generator für sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig.

Bei längeren flächendeckenden Stromausfällen bräuchte die Stadt Hallen als Notunterkünfte. Als Beispiel wurde eine einzige Halle untersucht: die Gemeindehalle Höfen-Baach. Sie könnte 230 Personen aufnehmen, aber sie bräuchte dafür ein Aggregat mit mindestens 40 Kilowatt Leistung. Und diese Halle alleine würde niemals ausreichen: Eigentlich müsste jemand alle weiteren Hallen untersuchen, was laut Gemeinderatsbeschluss in den nächsten Jahren geschehen soll.

Mit einigen Generatoren könnten Pumpen die Trinkwasserversorgung auf niedrigem Niveau sichern – die müssten allerdings erst angeschafft und dann jährlich gewartet werden. Genauer müssten die Berater noch die Kläranlagen untersuchen. Sie vermuten, dass dort die Technik stillstünde. Am Zipfelbach würde dann das Winnender Dreckwasser ungeklärt durchrauschen Richtung Schwaikheim. Am Buchenbach gäb’s Stau im Kanal, weil die Hebewerke ohne Strom nicht laufen.

Kliniken wurden nicht betrachtet, weil sie selbst für Notfälle vorsorgen.


Tipps vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz

  • Mit warmer Kleidung lässt sich die Heizung eine Zeit lang ersetzen. Wer einen Kamin oder Ofen hat, sollte einen Vorrat an Kohle, Briketts oder Holz im Haus haben.
  • Halten Sie einen Vorrat an Kerzen und Taschenlampen (zum Beispiel eine Kurbeltaschenlampe oder auch Solar- und LED-Leuchten) sowie Ersatzleuchtmittel, Batterien, Streichhölzer oder Feuerzeuge im Haus.
  • Kleinere Mahlzeiten können Sie auf einem Campingkocher zubereiten.
  • Nutzen Sie einen Garten- oder Tischgrill, der mit Holzkohle oder Gas betrieben wird. Vorsicht! Nicht in der Wohnung oder im Haus grillen – es besteht Erstickungsgefahr!
  • Sorgen Sie dafür, dass die Akkus an Computern, Mobiltelefonen, Telefonen und so weiter geladen sind. Solarbetriebene Batterieladegeräte können eine Hilfe sein.
  • Denken Sie daran, eine ausreichende Bargeldreserve im Haus zu haben, da bei Stromausfall auch die Geldautomaten nicht mehr funktionieren.
  • Halten Sie ein batteriebetriebenes Radio bereit.