Winnenden

Nur noch vier Stunden kostenlos Parken

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Die P&R-Anlage ist morgens immer voll belegt. Wenn wie angekündigt Gebühren eingeführt werden, könnten Berufspendler verstärkt in die Nachbarschaft ausweichen und damit Anwohnern noch mehr als bislang die Stellplätze wegnehmen und ihre Zufahrten zuparken, so die Befürchtung. © Palmizi/ZVW (Archiv)

Schwaikheim. In der Nachbarschaft des Bahnhofs solle es künftig Anwohnerparken geben, eine „Parkraumbewirtschaftungszone“ ausgewiesen werden. Die Gemeinde reagiert damit auf das voraussichtliche Ausweichen von Bahnreisenden, die mit dem Auto zum Bahnhof kommen, wenn auf der P&R-Anlage Gebühren erhoben werden. Ziel der Regelung ist, das Dauerparken von Bahnreisenden in den angrenzenden Wohngebieten zu verhindern.

Diese Zone wird an den betreffenden Straßen mit entsprechenden Schildern ausgewiesen. Das Verkehrsplanungsbüro BS Ingenieure aus Ludwigsburg hat vorgeschlagen, dem Dauerparken vor allem von Berufspendlern, die in der Regel ja morgens kommen und bis in den späten Nachmittag ihr Auto abstellen, mit einer Parkscheibenregelung vorzubeugen.

Entsprechend der Beschilderung soll das Parken mit einer Parkscheibe von montags bis freitags im Zeitraum von 7 bis 14 Uhr für maximal vier Stunden möglich sein. S-Bahn-Pendler, die wie bisher einen Stellplatz den ganzen Tag über, also länger als vier Stunden, belegen, würden damit also eine Ordnungswidrigkeit begehen.

Die Verkehrsplaner halten eine kürzere Zeitdauer, etwa maximal zwei Stunden, und damit einen schnelleren Wechsel der Stellplatznutzer für nicht erforderlich, weil es in der geplanten Zone kaum Geschäfte gibt.  Die Vier-Stunden-Regelung lässt es auf der anderen Seite aber durchaus zu, dass S-Bahn-Reisende am Vormittag etwa nach Stuttgart fahren und dort einen Termin wahrnehmen oder etwas erledigen können.

Das Ende der Parkscheibenpflicht um 14 Uhr bedeutet, dass außerdem diese Stellplätze ab dem Nachmittag und am Abend frei nutzbar sind - sofern sie eben nicht bereits belegt sind.

Nummerierte Parkausweise für Jahresgebühr

Die Parkscheibenpflicht und die Zeitbegrenzung sollen nicht für die Anwohner gelten, das wird ebenfalls entsprechend ausgeschildert. Voraussetzung für diese zum freien Parken ist allerdings, dass sie einen entsprechenden nummerierten Parkausweis haben. Diese Ausweise sollen von der Gemeindeverwaltung gegen Gebühr ausgegeben werden. Üblich ist eine Jahresgebühr. Die Höhe muss noch festgelegt werden, dabei liegt die mögliche Spanne zwischen zehn und 30 Euro.

Ausweis gilt nur für Halter des betreffenden Fahrzeugs

Die Anwohner haben einen Anspruch auf diese Ausweise, die sie auf Antrag erhalten. Sie müssen dafür in der Zone aber tatsächlich auch wohnen und gemeldet sein. Jeder Anwohner erhält nur einen Parkausweis für ein auf ihn als Halter zugelassenes oder nachweislich von ihm dauerhaft genutztes Fahrzeug. Der Ausweis gilt also nur für das betreffende Fahrzeug, nicht etwa für den gesamten Fuhrpark eines Haushalts. Außerdem gibt es auch mit Ausweis keinen Anspruch darauf, dass tatsächlich ein freier Stellplatz zur Verfügung steht.

Die Verkehrsplaner haben außerdem vorgeschlagen, das künftig ebenfalls angrenzende Gebiet Heiße Klinge in die Zone mitaufzunehmen. Der Gemeinderat hat die Verwaltung beauftragt, bei der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes die Genehmigung für die Einführung von Bewohnerparkplätzen entsprechend dem Konzept einzuholen und es anschließend umzusetzen.



Schwaikheim.
Zweifel, ob die neue Regelung überhaupt notwendig ist, äußerte nach der Vorstellung des Konzepts im Gemeinderat Dr. Kirsten Adam-Schumm, Grüne. Es könne doch durchaus sein, dass als Reaktion auf die Gebühren am P&R-Platz einfach weniger Pendler von auswärts kommen als bislang. Einerseits sei ja gewollt, gewünscht, dass Pendler auch mit dem ÖPNV zum Bahnhof kommen, so Edgar Schwarz, ebenfalls Grüne. Andererseits sei die Frage, ob denn nicht die Alternative, mehr P&R-Plätze, sinnvoller wäre. Die Parkscheibenregelung würde Belästigungen der Anwohner zwar einen Riegel vorschieben, „aber sind die so groß, dass das wirklich nötig ist?“ Er schlage deshalb vor, erst noch abzuwarten, wie sich die Einführung der Gebühren auswirken wird.

Helmut Bähr, SPD, widersprach energisch: Die Situation sei für die Anwohner jetzt schon haarsträubend. Erfahrungen sprächen nun mal dafür, dass sich die Befürchtung, die Pendler würden wegen der Gebühren in die Nachbarschaft ausweichen, bewahrheiten werden. „Anwohnerparken ist da der richtige Weg.“ Dass wegen der Gebühren Pendler ausweichen werden, das sage einem der gesunde Menschenverstand, so Dr. Wolfgang Rauscher. Das Anwohnerparken sei also richtig. Die Begrenzung nur bis 14 Uhr sei aber nicht sinnvoll, weil so das Problem, dass die Anwohner, wenn sie heimkommen, keinen freien Parkplatz finden, nicht gelöst werde. Aber es beuge dem vor, dass auswärtige Pendler den ganzen Tag die Plätze belegen können, hielt Anja Wenninger, SPD, dagegen, die anregte, mehr Anreize zu schaffen, mit dem Rad zum Bahnhof zu kommen.

Sinn des vorgeschlagenen Konzepts sei es ja nicht, Pendler an sich zu „vergraulen“, sondern dem Problem zu begegnen, dass sie in die Umgebung ausweichen, so Verkehrsplaner Wolfgang Schröder. „Es geht also um die Pendler, die den ganzen Tag da sind, und es geht auch um weitere Angebote für die Pendler, wie etwa ausreichende und gute Fahrradabstellplätze“. Im Übrigen befinde man sich in Schwaikheim im Schwäbischen. Und da sage eben die Erfahrung, dass Pendler eher weite Fußwege in Kauf nehmen, als dass sie bereit sind, eine selbst geringe Parkgebühr zu zahlen. Das Konzept wurde mit großer Mehrheit angenommen, zwei Neinstimmen kamen von den Grünen.

Belegung der Stellplätze am und beim Bahnhof

Das Planungsbüro hat ermittelt, dass es am Bahnhof und in seiner Umgebung knapp 700 Stellplätze gibt. Am Dienstag, 17. April, gab es zwei Rundgänge, einen gegen 11 und einen gegen 20 Uhr, bei denen die Belegung erfasst wurde.

Dabei wurden auch die Kennzeichen erfasst, um unterscheiden zu können, ob es jeweils Bewohner des Gebiets waren oder es sich um „Fremdverkehr“ handelte.

Im westlichen Bereich, Bahnhofstraße und jenseits davon, betrug die Belegung um 11 Uhr etwa 70 Prozent, um 20 Uhr knapp 80 Prozent. Die südliche Bahnhofstraße war um 11 Uhr sogar voll ausgelastet. Knapp ein Drittel der Fahrzeuge kam von auswärts.

Im östlichen Bereich, östlich der Bahnhofstraße bis zur Seitenstraße, lag die Auslastung niedriger, um 11 Uhr bei etwas über 50 Prozent, um 20 Uhr bei etwas über 60 Prozent. Ausnahme ist allerdings die ganz nahe am Bahnhof liegende Fritz-Müller-Allee (etwas über 80 Prozent, um 11 Uhr dort aber freie Plätze). Der Anteil der auswärtigen Fahrzeuge war etwas höher als im westlichen Bereich.

Die P&R-Anlage war um 11 Uhr ausgebucht. Zwei Drittel der Fahrzeuge kamen von auswärts. Um 20 Uhr betrug die Belegung noch etwas mehr als 20 Prozent.

Im Bereich Süd (Industriegebiet) betrug die Auslastung - wobei dort nur der öffentliche Straßenraum erfasst wurde, nicht die Parkplätze von Firmen - um 11 Uhr fast 80 Prozent, um 20 Uhr 40 Prozent.