Winnenden

Ohne Stau zur Deponie Winnenden? Neue Anlieferung soll Südumgehung entlasten

Deponie
Deponie Winnenden: Bei großem Andrang stauen sich die Autos vom Kassenhäuschen bis weit zurück auf die Südumgehung. © Schmitzer

Die Deponie Eichholz ist mit 20 Hektar die größte und zentralste des Rems-Murr-Kreises, betrieben von der Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM). Seit 2005 wird kein frischer Müll mehr deponiert, es werden allenfalls kleine Mengen Bauschutt eingebaut. Aber im Untergrund, da liegt der Schrott von Jahrzehnten. Obendrauf fungiert das Gelände als Müllumschlagplatz. Sperriger Restmüll wird dort gegen Gebühr und getrennt nach Material gesammelt und zur Verbrennung nach Stuttgart-Münster weitergeleitet. Kostenlos nimmt die AWRM dort Grüngut an, außerdem Papier und Kartonagen, Altmetall, Eletronikgeräte und auch Schadstoffe wie Lacke.

Schon länger plant die AWRM, und das hat sie bereits den Mitgliedern des Kreistags berichtet, das Gelände umzugestalten. Einerseits geht es da um die Renaturierung von Flächen, andererseits um den Bau einer großen Solarthermie- und Fotovoltaikanlage, aber auch um die Verwandlung des Recyclinghofs in ein modernes und übersichtliches „Entsorgungszentrum“.

Und dieser dritte Punkt, der hat einen ganz entscheidenden Vorteil für die Winnender Autofahrer. Sie können samstags wieder unbesorgter auf der Südumgehung unterwegs sein, da sich die Autos der Deponie-Kunden nicht mehr in einer Warteschlange bis auf die Straße hinaus stauen.

Der Geschäftsführer der AWRM, Gerald Balthasar, erläuterte den Winnender Gemeinderäten, wie das gehen soll: „Wir trennen die Anlieferung von gebührenpflichtigem Müll und kostenlos ablieferbaren Materialien.“ Dadurch entfällt das Nadelöhr Kassenhäuschen, das bislang jeder Kunde, egal was er loswerden möchte, egal ob er zahlen muss oder nicht, passieren muss. „Wir haben dann viel mehr Staufläche auf dem Deponiegelände, aber auch eine sicherere Verkehrsführung.“

Die Grüngutannahme werde optimiert, und der jetzige Recyclinghof wird erhalten und während des Umbaus verbessert, versprach Balthasar. Die alte Struktur sei über viele Jahrzehnte mit den neuen Müllverordnungen gewachsen, die Neuordnung garantiere dann wieder einen schnelleren Durchsatz. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und die Stadträte begrüßten die Pläne. Wermutstropfen: Bis es so weit ist, werden noch sechs, sieben Jahre ins Land gehen.

Erst abdichten, dann Anlagen bauen

ALi-Stadtrat Christoph Mohr wünschte sich gar, dass der Bau der Solarthermie- und Fotovoltaik-Anlage beschleunigt werde. Das geht nicht, erläuterte Gerald Balthasar. Erst muss sondiert werden, welche seltenen Arten auf dem Deponiegelände leben und wo für sie Ersatzhabitate geschaffen werden müssen. Dann muss die AWRM Setzungen des Müllbergs abwarten, bevor die Abdichtung des Mülls beginnt.

Ziel ist, das giftige Sickerwasser des verrottenden Mülls aufzufangen und gefahrlos zu entsorgen, ebenso wie das aus dem Müll aufsteigende klimaschädliche Methangas. „Es wird direkt auf der Deponie der Fernwärme Winnenden zur Verbrennung zugeführt“, erläuterte Balthasar. Der Altmüll, die Erde darüber und die alles abdichtende neue Geomasseschicht, vermutlich Lehm, werden schließlich mit den neuen Anlagen bebaut, die eventuell mit Sonnenstrom auch Wasserstoff erzeugen können. Ganz ausgereift sind die Pläne noch nicht.

Utopie: Schatz im Müllberg

Klar widersprach Gerald Balthasar der Idee, ob nicht wertvolle Rohstoffe wie seltene Erden aus dem Altmüll gewonnen werden könnten. „Wir müssen zwar einen Streifen Wald wieder neu anlegen ohne Müll im Untergrund. Aber wir wollen keinen Müll im großen Stil umlagern“, erläuterte der AWRM-Geschäftsführer auf die Frage von Stadtrat Thomas Traub (CDU). Und weiter: „Der Schatz im Müllberg ist eine Utopie.“ Denn früher habe man kaum seltene Erden verwendet, sie sind demnach auch nicht im Müll. „Es lief dazu mal ein sehr teures Experiment in Ludwigsburg“, führte Balthasar aus. „Wir müssten vier Millionen Kubikmeter Müll thermisch behandeln. Das ist finanziell utopisch.“ Auch so sei geplant, in die Umgestaltung mehrere Millionen Euro zu stecken.

Der neue Wald an der alten Stelle

2,5 Hektar wieder aufgeforsteter Wald sind Teil der Renaturierung, so viel wurde damals in Anspruch genommen für die Deponie. Das Forstamt beharrt darauf, dass der Wald an der gleichen Stelle entsteht, wo er war, auch wenn er dann vom Restwald isoliert dasteht wie eine Insel. Würde an anderer Stelle Wald gepflanzt, müsste die AWRM das auf deutlich mehr als 2,5 Hektar tun.

Die Deponie Eichholz ist mit 20 Hektar die größte und zentralste des Rems-Murr-Kreises, betrieben von der Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM). Seit 2005 wird kein frischer Müll mehr deponiert, es werden allenfalls kleine Mengen Bauschutt eingebaut. Aber im Untergrund, da liegt der Schrott von Jahrzehnten. Obendrauf fungiert das Gelände als Müllumschlagplatz. Sperriger Restmüll wird dort gegen Gebühr und getrennt nach Material gesammelt und zur Verbrennung nach Stuttgart-Münster weitergeleitet.

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