Winnenden

Oppenweiler sucht neuen Bürgermeister

a4d317c4-a3ef-4a6b-8330-0695cd362fa1.jpg_0
Zimmer frei: Im Wasserschloss in Oppenweiler soll schon bald ein neuer Rathauschef einziehen. © Steinemann

Oppenweiler. Der Tagesordnungspunkt „Bekanntgaben Sonstiges“ hatte es in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Oppenweiler in sich: Sascha Reber tritt als Bürgermeister zurück, eröffnete dessen Stellvertreter Wilfried Klenk. Für die Gemeinde bedeutet dies, dass der Prozess zur Findung eines Nachfolgers nun in Gang gesetzt wird. Noch Ende des Monats ist hierfür eine Sondersitzung anberaumt.

Lange Zeit war unklar, wie es im Oppenweiler Rathaus weitergeht, nun geht alles recht schnell: Der amtierende Bürgermeister Sascha Reber, der seit Februar wegen einer psychischen Erkrankung dienstunfähig war, tritt von seinem Amt zurück. „Ich möchte Sie hiermit informieren, dass Herr Bürgermeister Reber mit Wirkung zum 31. Oktober aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt ausscheiden wird“, verkündete der stellvertretende Bürgermeister Wilfried Klenk im Gemeinderat.

Doppelte Belastung für Klenk

Wie das Landratsamt auf Nachfrage bestätigte, tritt Reber in Kürze eine Stelle im Amt für Besondere Hilfen und Flüchtlinge im Landratsamt an. „Herr Reber wird einer neuen Tätigkeit nachgehen, was – hoffe ich – seiner Gesundheit zuträglich sein wird“, sagte Klenk. Für den Gemeinderat Oppenweiler bedeutet dies, dass in Kürze die Stelle im Staatsanzeiger ausgeschrieben wird – dafür laufen nun die Vorbereitungen. „Das ist ein ganz normales Prozedere, genauso wie wenn ein Amtsträger in Pension geht“, erklärte Wilfried Klenk. Der stellvertretende Bürgermeister hat in den vergangenen Monaten die Amtsgeschäfte übernommen – zusätzlich zu seiner Arbeit als Abgeordneter im Landtag. Von einer doppelten Belastung wollte Klenk dennoch nicht sprechen: „Ich habe das gern gemacht, auch wenn klar ist, dass das kein Dauerzustand sein kann.“

Rebers Projekte weitergeführt

Dennoch ist der stellvertretende Bürgermeister mit der Bilanz der vergangenen Monate zufrieden. „Es sind keine Projekte aufgrund von Zeit- oder Organisationsmangel liegengeblieben“, sagte er. Im Gegenteil, es seien sogar noch einige neue Dinge angegangen worden, wie etwa der Breitbandausbau in den Teilorten der Gemeinde. Auch Projekte, die Reber angestoßen hatte, seien konsequent weitergeführt worden. „Diese Übergangsphase ging deshalb so gut, weil der Gemeinderat zu hundert Prozent zusammengestanden hat“, lobte Klenk seine Kollegen. „Alle haben mitgezogen.“

"Zeit zusammen gut gemeistert"

Nicht nur seinen zusätzlichen Aufgaben widmete sich Klenk, er habe auch versucht, im Rathaus präsent zu sein. „Mal morgens, mal abends, manchmal auch den ganzen Tag“ sei er in Oppenweiler gewesen. In der Gemeinderatssitzung sprach Klenk auch die Diskussionen an, die Rebers Erkrankung in den ersten Tagen ausgelöst habe. „Wir als Gemeinderat haben unseren Teil dazu beigetragen, dass das schnell ein Ende gefunden hat“, erzählte er und war sich sicher: „Wir haben diese Zeit zusammen gut gemeistert.“ In diesem Sinne wolle er weitermachen, bis ein neuer Bürgermeister gefunden ist.

Neuwahl zu Beginn des neuen Jahres angestrebt

Auf die Frage, wer nun als Kandidat für das Oppenweiler Bürgermeisteramt infrage kommt, wusste Klenk noch keine Antwort. „Diese Entwicklung ist für uns alle noch ganz frisch“, sagte er. Erst einmal gehe es darum, die Stelle im Staatsanzeiger auszuschreiben. Zudem ist für den 27. Oktober eine Sondersitzung des Gemeinderats anberaumt, in der das weitere Prozedere besprochen und beschlossen werden soll. Angestrebt sei eine Neuwahl zu Beginn des kommenden Jahres, aller Voraussicht nach schon im Januar. „Bis dann allerdings ein neuer Bürgermeister sein Amt antritt, wird es wohl mindestens März werden“, schätzt Klenk.

"Klarheit darüber, wie es weitergeht"

Mit der von Gemeinde und Landratsamt in Absprache mit Reber gefundenen Lösung zeigte sich der stellvertretende Bürgermeister zufrieden. „Wir haben nun Klarheit darüber, wie es weitergeht, und ein Zeitfenster dafür, wann mit einem Nachfolger zu rechnen ist.“ Klenk äußerte im Namen des Gemeinderates seinen Dank für Rebers Engagement in Oppenweiler und wünschte ihm und seiner Familie alles Gute für die Zukunft. „Ich hoffe, dass Herr Reber in seiner neuen Tätigkeit Fuß fassen kann“, sagte er zum Abschluss.


Chronologie

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand der Kreis Backnang unter amerikanischer Militärverwaltung. Der zuständige Kommandeur ernannte mit Wirkung zum 1. Juni 1945 den Landwirt Albert Ritter zum Bürgermeister der Gemeinde. Um eine demokratische legitimierte Volksvertretung zu schaffen, wurde im darauffolgenden Jahr eine Bürgermeisterwahl abgehalten. Ritter wurde auf die Dauer von zwei Jahren von den Bürgern gewählt. Danach stellte er sich nicht mehr zur Wahl.

Trotz Mitbewerber wurde der damals 31-jährige Karl Julius Zehender 1948 mit 97 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister Oppenweilers gewählt. 30 Jahre lang stand er an der Spitze der Sturmfedergemeinde. 1978 trat Zehender in den Ruhestand. Neun Jahre später wurde ihm die Ehrenbürgerwürde zuteil.

Nicht ganz so leicht hatte es Bernd Brischke 1978. Im ersten Wahlgang konnte kein Kandidat eine absolute Mehrheit erlangen. Brischke lag sogar noch hinter Gegenkandidat Wolfgang Gabriel. Im zweiten Wahlgang entfielen jedoch 53 Prozent der Stimmen auf den 28-jährigen Brischke. Er verabschiedete sich im Februar 2010 in den Ruhestand. Ihm wurde 2014 das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Mit 98 Prozent der Stimmen wurde im März 2010 der damals 30-jährige Steffen Jäger zum neuen Bürgermeister Oppenweilers gewählt. Der Diplom-Verwaltungswirt blieb allerdings nicht lange im Wasserschloss. Im Juni 2014 wechselte Jäger als Erster Beigeordneter in den baden-württembergischen Gemeindetag.

Bei der Bürgermeisterwahl 2014 setzte sich der damals 34-jährige Backnanger Sascha Reber im ersten Wahlgang trotz fünf Mitbewerbern mit 86,6 Prozent der Stimmen durch. Nur Monate nach seiner Einsetzung erkrankte Reber, kehrte aber nach sechsmonatiger Auszeit zurück. Im Februar 2017 erkrankte Reber erneut.