Winnenden

Paul Haag (84) malt Winnenden, wie es früher ausgesehen hat

Kunst im Schaufenster
Paul Haag (84) hat seine Winnender Motive in einem Bildband gesammelt. © Alexandra Palmizi

Viele Orte in Winnenden, die Paul Haag aus seiner Kindheit kennt, sehen heute ganz anders aus als damals noch, vor mehr als 70 Jahren. In seinen Gemälden, die jetzt im Schaufenster des ehemaligen Modegeschäfts Hardy zu sehen sind, erinnert der 84-Jährige an seine Heimatstadt, wie sie einmal war. Den feinen Pinselschwung hat sich der gelernte Maler und Tapezierer, der lange Jahre als Schwimmmeister in Waiblingen gearbeitet hat, selbst beigebracht.

Bis in den Sommer hinein werden Winnender Künstlerinnen und Künstler ihre Werke in der Marktstraße präsentieren. Am Montag fand hier eine kleine Eröffnungsfeier statt. Organisiert hat die Ausstellung der Winnender Stadtrat Diethard Fohr mit seiner Initiative Stadtmuseum.

Noah Schäftlmeier, der im Ex-Hardy aktuell ein Schnelltestzentrum betreibt, hat ihn unterstützt und die Schaufenster bereitgestellt.

Winnenden, wie es früher war: „Man hängt halt an den alten Ecken“

Eines der Werke aus dem Bilderreigen „Alt-Winnenden“, mit denen Paul Haag jetzt als Erster in die Auslage eingezogen ist, zeigt just das Gebäude, wie es an dieser Stelle um 1868 stand – damals als „Ellenwaren Handlung Hespeler“. Auf anderen Gemälden Haags sind der Bengelplatz zu sehen, als hier noch die Feuerwehr untergebracht war, oder die Alte Stadtmauer mit Häusern, die längst Neubauten gewichen sind. „Vieles ist verschwunden“, sagt Paul Haag, der die Stadt auch im Zweiten Weltkrieg erlebt hat, als sie teilweise in Trümmern lag. „Man hängt halt an den alten Ecken.“

Die Erinnerung an diese Ecken wachzuhalten, Motive von schwarz-weißen Postkarten mit Farbe zu beleben, das ist seine Mission. Die Aquarelle entstehen in seinem Malzimmer in der Winnender Wohnung, in das er sich oft stundenlang zurückzieht, während seine Frau Bernhilde Haag liest, im Garten schafft, oder „stundenlang telefoniert“.

„Das ist sein Rückzugsort“, weiß die Gattin, die bei der Eröffnungsfeier dabei ist und ihren Mann bei der Malerei seit jeher unterstützt. Vergangene Woche haben die beiden Diamanthochzeit gefeiert.

30 Jahre lang als Schwimmmeister in Waiblingen gearbeitet

Rund 30 Motive aus Winnenden hat Paul Haag bislang auf die Leinwand gebracht, noch mal so viele aus der näheren Umgebung kommen hinzu, außerdem Landschaftsgemälde aus anderen Regionen. Beigebracht hat sich der 84-Jährige das alles selbst.

Circa mit neun oder zehn Jahren habe er sein Talent dafür entdeckt, berichtet der Winnender. Gelernt hat er Maler und Tapezierer, einen großen Teil seines Berufslebens aber am Wasser verbracht: In Waiblingen war er 30 Jahre lang Schwimmmeister im Hallenbad und im Freibad.

Die Bilder, die jetzt ausgestellt werden, sind verkäuflich. Mit dem Erlös will Paul Haag die Sanierung der Stadtkirche unterstützen. Dort könnten in Zukunft auch Ausstellungen stattfinden. Dass es dafür in Winnenden kaum Räume und auch kein richtiges Museum gibt (einen Umstand, den Diethard Fohrs Initiative Stadtmuseum unbedingt ändern möchte), ärgert den 84-Jährigen. Viele tolle Künstler aus Winnenden blieben deshalb unentdeckt: „Man glaubt gar nicht, was für Talente im Stillen existieren“, sagt Paul Haag.

Viele Orte in Winnenden, die Paul Haag aus seiner Kindheit kennt, sehen heute ganz anders aus als damals noch, vor mehr als 70 Jahren. In seinen Gemälden, die jetzt im Schaufenster des ehemaligen Modegeschäfts Hardy zu sehen sind, erinnert der 84-Jährige an seine Heimatstadt, wie sie einmal war. Den feinen Pinselschwung hat sich der gelernte Maler und Tapezierer, der lange Jahre als Schwimmmeister in Waiblingen gearbeitet hat, selbst beigebracht.

Bis in den Sommer hinein werden

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