Winnenden

Piratenpolitiker Volker Dyken fordert OB Nopper heraus

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Volker Dyken. © Bernhardt

Backnang. Bei der Oberbürgermeisterwahl am 4. Februar 2018 werden die Backnanger voraussichtlich eine echte Wahl haben. Neben Amtsinhaber Frank Nopper will sich auch Volker Dyken um das Amt bewerben. Der Lehrer aus Waldrems ist Mitglied der Piratenpartei. Die Grünen waren mit ihrer Suche nach einem Gegenkandidaten hingegen erfolglos.

„Demokratie muss lebendig sein. Die Leute müssen eine echte Wahl haben“, findet Volker Dyken. Deshalb hat sich der 48-Jährige, der in Waldrems wohnt und an einer kaufmännischen Schule in Waiblingen Mathematik, Physik und Chemie unterrichtet, entschlossen, Frank Nopper herauszufordern.

Dyken kennt sich mit Kandidaturen aus: 2011 ist er bei der Landtagswahl für die Piratenpartei im Wahlkreis Backnang angetreten, 2013 bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Waiblingen und bei der Landtagswahl 2016 in Schwäbisch Gmünd.

Dyken braucht 50 Unterschriften von Unterstützern

„Ich habe unglaublich viel Spaß an Politik“, sagt Dyken, der nun aber erst einmal die erforderlichen 50 Unterstützerunterschriften sammeln muss, damit seine Bewerbung für die OB-Wahl zugelassen wird.

Weitere Kandidaten, die Frank Nopper Konkurrenz machen wollen, sind bisher nicht in Sicht. Die Grünen, die angekündigt hatten, nach einem Gegenkandidaten zu suchen, sind laut Willy Härtner nicht fündig geworden. Von den Leuten, die er im Auge hatte, habe er leider nur Absagen kassiert, berichtet der Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat.

Kein Kandidat bei den Grünen

Gegen einen OB, der seit 16 Jahren im Amt ist, rechneten sich die Angesprochenen offenbar keine Chancen aus. Härtner bedauert das: „Wir hätten gerne einen Kandidaten gehabt, der unsere Themen voranbringt“, sagt er. Beim Ausbau erneuerbarer Energien etwa zeige Frank Nopper längst nicht das Herzblut wie etwa sein Tübinger Amtskollege Boris Palmer.

Härtner hat deshalb auch über eine eigene Kandidatur nachgedacht. Nach einem Gespräch mit seiner Frau sei diese Idee aber schnell wieder vom Tisch gewesen: „Als OB muss man sein Familienleben praktisch aufgeben. Das möchte ich nicht.“

Die aktive Suche nach einem Kandidaten haben die Grünen laut Härtner inzwischen aufgegeben. Sollte sich noch jemand melden, der sich für grüne Themen starkmachen will, sei man aber nach wie vor bereit, diesen zu unterstützen. Wenn nicht, wollen sich die Grünen im Wahlkampf neutral verhalten.

SPD hat keinen Kandidaten gesucht

Auch von der SPD wird es keine Wahlempfehlung geben: „Eine OB-Wahl ist in erster Linie eine Persönlichkeitswahl, da wollen wir die Entscheidung jedem selbst überlassen“, sagt Gernot Gruber, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Backnanger Ortsvereins.

Die SPD hatte erst gar nicht nach einem eigenen Kandidaten gesucht. „Wenn wir jemanden ins Rennen schicken, muss der auch eine realistische Chance haben“, sagt Gruber. Doch ein Bewerber mit entsprechendem Format und Ambitionen suche sich für eine Kandidatur in der Regel eine Stadt, in der der Amtsinhaber nicht mehr zur Wahl steht. Auch Gruber selbst ist nicht interessiert: „Ich bin gerne Landtagsabgeordneter und strebe kein anderes Amt an.“

Mit Nopper "kann man ordentlich schaffen"

Statt auf Konfrontation will die SPD lieber auf Kooperation mit Frank Nopper setzen. Immerhin bescheinigt der Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Heinz Franke, dem OB, „dass man ordentlich mit ihm schaffen kann“. Nopper sei eher Pragmatiker als Parteipolitiker und akzeptiere auch andere Meinungen.

Bei einer öffentlichen Mitgliederversammlung im Januar will die SPD dem CDU-Mann an der Verwaltungsspitze noch einmal auf den Zahn fühlen. Vor allem bei sozialen Themen ist Noppers Engagement in Frankes Augen „noch ausbaufähig“.

Brunold will sich nicht aufstellen lassen

Einer, der Frank Nopper in den vergangenen Jahren immer wieder scharf kritisiert hat, vor allem beim Thema Hochwasserschutz, ist Andreas Brunold. Folglich fällt auch sein Name immer wieder, wenn es um mögliche Gegenkandidaten für die OB-Wahl geht.

Doch der Co-Vorsitzende des Ortsverbands Backnanger Bucht beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) erklärt auf Anfrage, er habe kein Interesse an einer Kandidatur: „Ich übe meinen Beruf als Hochschullehrer beziehungsweise als Politikdidaktiker für die Ausbildung von Politiklehrern gerne aus, so dass es mich nicht in ein neues berufliches Betätigungsfeld drängt“, erklärt Brunold, der eine Professur an der Universität Augsburg hat.

Seine Rolle sieht er auch künftig als „zivilgesellschaftlichen Gegenpol“ zur Verwaltung. Einen Gegenkandidaten aufzustellen, sei „ureigene Aufgabe des Gemeinderats“, findet Brunold.