Winnenden

Rems-Murr-Kliniken wollen 69 Millionen Euro investieren

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Kliniken-Geschäftsführer Dr. Marc Nickel präsentierte am Montag die neue Medizinkonzeption für die beiden Krankenhäuser in Winnenden und Schorndorf. Seine Hoffnung ist, mit dem von ihm favorisierten ersten Szenario den Jahresverlust der Rems-Murr-Kliniken bis 2024 auf jährlich rund fünf Millionen Euro senken zu können. © Habermann / ZVW

Winnenden/Schorndorf. Das sanierungsbedürftige Schorndorfer Krankenhaus war vor beinahe einem Jahr der Anlass, eine gemeinsame Medizinkonzeption für beide Rems-Murr-Kliniken zu erstellen. Herausgekommen ist ein 238 Seiten dickes Werk mit dem Titel „Gemeinsam für unsere gesunde Zukunft“. Die Kliniken planen, rund 69 Millionen Euro in die Sanierung von Schorndorf und den Ausbau von Winnenden zu investieren.

Video: Drei Fragen an Dr. Marc Nickel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken.

Die Medizinkonzeption wagt nicht nur einen Blick in eine rosige Zukunft, sondern zieht auch einen Schlussstrich unter die Fehler der Vergangenheit, die zu tiefroten Zahlen führten. „Die Krankenhäuser werden ein Zuschussbetrieb bleiben“, stellte jedoch Landrat Dr. Richard Sigel ganz realistisch am Montag bei einem Pressegespräch in Backnang fest, in dessen Mittelpunkt die Medizinkonzeption stand. Allerdings sollen die heute zweistelligen Verluste bis 2024 auf rund 5,5 Millionen Euro jährlich sinken.

Kurzer Rückblick: Es handelt sich nun um den zweiten Anlauf einer Medizinkonzeption. Der erste hatte im April 2016 mit einem Eklat geendet, nachdem zwölf Winnender Chefärzte angesichts der horrenden Sanierungskosten das Totenglöckchen für Schorndorf geläutet haben. Aus Sicht der Winnender Chefärzte wie auch ihrer Schorndorfer Kollegen ist dieser Brief Schnee von gestern, an den sie am liebsten nicht mehr erinnert werden. „Wir schauen nach vorn“, erklärte Dr. Fotios Kefalianakis, ärztlicher Direktor des Schorndorfer Krankenhauses, beim Pressegespräch. „Wir leben das Konzept.“ Aber auch sein Winnender Kollege Dr. Rolf Rauch wollte sich zu dem unkollegialen Brief nicht äußern.

Über 100 Betten mehr für Winnender Klinikum

Immerhin sorgte der Eklat für einen Reset in der Krankenhausdebatte, bei dem auch die Fehler benannt werden. Mehr als 100 Menschen haben sich im vergangenen halben Jahr ausführlich mit den beiden Krankenhäusern beschäftigt und keinen Stein auf dem anderen gelassen, sagte Klinikengeschäftsführer Dr. Marc Nickel bei der Vorstellung der neuen Medizinkonzeption. Der Tenor war bekannt, nämlich die Sanierung des Schorndorfer Krankenhauses im Bestand und ein Ausbau des erst vor zweieinhalb Jahren in Betrieb gegangenen Klinikums. Neu sind hingegen die Pläne, die Nickel für Winnenden vorstellte: Das mit 550 Betten geplante Krankenhaus soll von heute 624 auf 743 Betten ausgebaut werden. Notwendig sind Umbauten im Bestand sowie zwei Anbauten, ein Modulbau mit 40 Betten für den Übergang sowie ein neuer Pflegetrakt mit zunächst 88 Betten als Erweiterung in Richtung Osten.

Patientenzahlen steigen

„Wir brauchen mehr Betten“, lautet das Credo von Dr. Marc Nickel. „Wir können uns gegen die Patienten nicht wehren.“ Und die Kliniken wachsen tatsächlich, wie die steigenden Patientenzahlen, die behandelten Fälle und vor allem die hohe Auslastung der Häuser zeigen. Der Marktanteil von aktuell 50 Prozent ist folglich ausbaufähig. Zudem trage der Kreis mit 200 Betten je 100 000 Einwohner die rote Laterne bei der Bettenversorgung im Land. Der Durchschnitt in Baden-Württemberg liegt bei 475 Betten. Dass die Rems-Murr-Kliniken bei ihren Ausbauplänen mit dem baden-württembergischen Sozialministerium über Kreuz geraten, bringt Nickel nicht aus der Fassung. Minister Lucha hat angekündigt, ein Fünftel der 250 Krankenhäuser schließen und Betten abbauen zu wollen. Nickel hofft indes auf die Einsicht des Sozialministers, dass dieser Landkreis bei den Krankenhäusern seine Hausaufgaben erledigt hat und ein Bettenaufbau vor dem Hintergrund der großen Nachfrage gerechtfertigt – und somit auch bedarfsgerecht sei. Die Investitionen sind vorsichtshalber jedoch mit einem Minimum an Fördermitteln seitens des Landes kalkuliert.

„Krankenhäuser sind zum Wachstum verdammt“

Bei der Planung des Klinikums in Winnenden mit zunächst 550 Betten sei der qualitative Sprung übersehen worden, der das neue Krankenhaus mit sich gebracht hat, so Nickel. Mit 300 (heute: 292) Betten in Schorndorf und rund 750 (620) in Winnenden würden sich die Rems-Murr-Kliniken bis 2025 nachhaltig aufstellen. „Krankenhäuser sind zum Wachstum verdammt“, wies Nickel auf die Schere zwischen Erlösen und Kosten, die im Gesundheitswesen aufgehe.

Rechnungen enthalten keine laufenden Instandhaltungskosten

Drei Szenarien werden in der Medizinkonzeption erörtert. Sowohl ein Neubau in Schorndorf wie auch eine Schließung kamen aus medizinischer wie auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht infrage. Ein Neubau hätte Investitionen von 230 Millionen Euro inklusive der Erweiterung in Winnenden erfordert; eine Schließung schlage mit 77,5 Millionen Euro zu Buche. Geblieben ist das Szenario 1, bei dem die Kliniken mit Investitionen in Höhe von 69 Millionen Euro kalkulieren: 33 Millionen Euro für die Sanierungen in Schorndorf sowie 35,7 Millionen für den Ausbau in Winnenden – in beiden Rechnungen sind laufende Instandhaltungskosten nicht enthalten.

Die Aussichten mit dem Szenario 1 sind rosig. 2019 werden die Rems-Murr-Kliniken erstmals ein positives operatives Ergebnis erzielen, weist die Medizinkonzeption aus. Sollte ein Marktanteil von 60 Prozent erreicht werden, ließen sich ab 2021 die Ergebnisse sogar noch weiter verbessern und bis 2024 der jährliche Verlust für den Landkreis Rems-Murr auf 5,5 Millionen Euro verringern.