Winnenden

Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule: Eltern enttäuscht vom OB

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7.24 Uhr am Winnender Bahnhof: Der Bus der Linie 210 fährt zum Schulbeginn nach Schwaikheim. © Benjamin Beytekin
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Am 23. Dezember vor einem Jahr nahm OB Holzwarth Unterschriften zum Neubau der Robert-Boehringer-Schule entgegen und wurde von einem Fernsehteam aufgenommen. © Habermann / ZVW

Winnenden. Die Geschichte der einzigen Winnender Gemeinschaftsschule ist kein Ruhmesblatt in der Amtszeit von Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Es ist eine Geschichte von enttäuschten Hoffnungen.

Wie geht es jetzt der Robert-Boehringer-Schule? Gut? Gut wäre etwas anderes. Gut wäre, wenn es überhaupt noch eine Boehringer-Schule gäbe und die Winnender Gemeinschaftsschule einen einzigen Ort hätte in Winnenden. Supergut wäre, wenn sie einen Neubau bekommen hätte. Aber nichts von dem ist der Fall.

Schule auf drei Standorte verteilt

Anruf unter der Winnender Nummer 6 86 03: „Robert-Boehringer-Schule, Winnenden“, meldet sich eine Frau am Telefon. Wenige Minuten später noch mal Anruf unter dieser Nummer: „Ludwig-Uhland-Schule, Schwaikheim, Außenstelle Winnenden, Huy“, meldet sich ein Mann. Es ist Konrektor Michael Huy, und er sagt es völlig korrekt: So heißt die Schule jetzt. Sie ist verteilt auf drei Standorte: Schwaikheim, Winnenden-Bildungszentrum II und Winnenden-Container-Schule. Außen am Bildungszentrum steht immer noch Boehringer-Schule, und die meisten Leute sagen auch diesen Namen. Aber er gilt nicht mehr.

Fünfte Klasse komplett in Schwaikheim

Die gute, alte Winnender Schule befindet sich im Übergangszustand. Ihre jüngste Klassenstufe, die fünfte, ist schon komplett in Schwaikheim. Sie ist aber auch sehr dünn ausgefallen. Nur fünf Winnender Schüler dieses Jahrgangs nehmen den Schulbus nach Schwaikheim. Sie hatten sich im Frühjahr für Winnenden angemeldet, und Bürgermeister Norbert Sailer verhandelte mit den Eltern, dass gleich die komplette Klasse nach Schwaikheim verlegt werden soll, weil die Uhlandschule von sich aus nicht einmal eine einzige komplette fünfte Klasse zustande gebracht hätte.

Eigentlich fand eine Mutter OB Holzwarth ganz sympathisch, aber ...

Es holpert beim Übergang der Winnender in die Schwaikheimer Schule. Eltern haben ihre Kinder anderswo angemeldet, sind auf eine Winnender Realschule ausgewichen. Eine Mutter hatte zwei Kinder an der Boehringer-Schule, eines hätte nach Schwaikheim fahren sollen, eines wäre in Winnenden geblieben. Jetzt sind beide an anderen Schulen, und die Mutter sagt: „Auch wenn ich Herrn Holzwarth ganz sympathisch fand: Mit der Gemeinschaftsschule hat er mich enttäuscht.“

Jasmine Lander, die sehr engagiert für den Schulneubau in Winnenden gekämpft hatte, ist weiterhin enttäuscht und hat selbst die Erfahrung gemacht, dass niemand weiß, wie die Schule jetzt wirklich heißt. Eine Mutter, deren Kinder die Schule wechselten, sagt mittlerweile: „Jede Schule hat ihre guten und schwachen Seiten.“ Sie würde nicht behaupten, dass die Leutenbacher Schule besser sei als die Ludwig-Uhland-Schule, Außenstelle Winnenden. Aber es gibt auch noch andere Faktoren: „Schwaikheim ist halt doch ein bisschen weiter weg.“ Dafür fährt in Leutenbach am Nachmittag der Schulbus zu ungeschickten Zeiten nach Winnenden. Der Standort Winnenden wäre für sie der beste gewesen.

Schwaikheim hat passable Anbindung

Genau betrachtet hat Schwaikheim eine ganz passable Anbindung. Die S-Bahn braucht drei Minuten von Bahnhof zu Bahnhof. In Winnenden sind die Busse mit der S-Bahn vertaktet. Der Bus der Linie 210 fährt stündlich nach Schwaikheim und braucht 16 Minuten vom Winnender Wunnebad bis zum Schwaikheimer Café Rommel, das nahe bei der Schule liegt. Um 7.24 Uhr fährt extra für Schüler ein Bus dieser Linie, damit sie zum Schulbeginn da sind.

Im nächsten Jahr keine sechste Klasse mehr in Winnenden

Dass Schüler von Winnenden nach Schwaikheim zur Gemeinschaftsschule fahren, ist eigentlich nichts Neues. In Zeiten, als Winnenden noch Werkrealschule und Schwaikheim schon Gemeinschaftsschule war, meldeten einige Winnender ihr Kind in Schwaikheim an. Die Kleinen von damals sind jetzt in der neunten und zehnten Klasse. Konrektor Huy berichtet von insgesamt 34 Schülern aus Winnenden, die in Schwaikheim unterrichtet werden. Die Klasse fünf ist komplett in Schwaikheim, wo trotz der Zusammenlegung mit Winnenden nur eine Klasse zustande kam.

In Winnenden sind zurzeit die Klassen 6 und 7 im Hauptbau zusammen mit dem Lessing-Gymnasium, die Klasse 8 Gemeinschaftsschule ist in der Containerschule beim Wunnebad, und die Klassen 9 und 10, die noch Werkrealschule sind, sind auch in der Containerschule. Huy findet: „Es läuft relativ problemlos.“ Rektorin Heike Hömseder ist immer dienstags in Winnenden, Huy montags. So wechseln sie sich die Woche durch ab. Im nächsten Jahr wird es in Winnenden keine sechste Klasse mehr geben und vielleicht schon zwei fünfte Klassen in Schwaikheim – wenn alles so kommt, wie es Konrektor Michael Huy wünscht.

Der Schulbau

Ende Februar 2014 beschließt der Winnender Gemeinderat einen Architekten-Wettbewerb für den Neubau einer Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule. Bauplatz sollte ein Rasensportplatz beim Bildungszentrum II werden.

Anfang Juli 2015 hat ein Münchner Architektenbüro den Wettbewerb gewonnen mit einem großzügigen Entwurf, der die Gemeinderäte und Jurymitglieder überzeugt.

Im Frühling und Sommer 2016 sickern immer wieder Informationen durch, dass der Schulneubau teuer werden könnte.

Am 27. September 2016 beschließt der Winnender Gemeinderat, die Schule nicht zu bauen. Die geschätzten Kosten von 22 Millionen Euro könne die Stadt nicht verkraften. Auch OB Holzwarth befürwortet den Verzicht auf den Schulneubau. Gemeinderat und OB beschließen, mit der Gemeinde Schwaikheim über eine gemeinsame Schule in Schwaikheim zu verhandeln.

EinUnterschriften für den Neubau der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule. Aus der Sammlung wird die Initiative für ein Bürgerbegehren.

Die Initiative erreicht die notwendige Zahl von Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Trotzdem scheitert sie. Ein Jurist weist nach, dass das Bürgerbegehren in der vorgelegten Fassung rechtswidrig wäre.


Vorsichtshalber fragt Hartmut Holzwarth nach: „Habe ich den Neubau der Robert-Boehringer-Schule versprochen?“ Nein, müssen wir ihm bestätigen, dafür gibt es keine Beweise in unserem Zeitungsarchiv. Versprochen hat er den Neubau nicht, aber große Hoffnungen hat er geweckt. Oberbürgermeister und OB-Kandidat Hartmut Holzwarth weiß, dass Eltern der Boehringer-Schule enttäuscht sind, seitdem der Neubau abgeblasen ist.

"Die Schule wird von uns gleich gut behandelt wie bisher"

Ihm ist wichtig, dass die Schule auch jetzt von der Stadt gut versorgt werde. Die Stadt hatte Einrichtungen für die Ganztagspädagogik angeschafft. Die bleiben vorerst in den Räumen in Winnenden und sollen dann von Schwaikheim übernommen werden. „Die Schule wird von uns gleich gut behandelt wie bisher.“

Holzwarth beobachtet die Entwicklung der Schule, das Zusammenwachsen der beiden Schulen, und findet, dass auch die Lehrerkollegien zusammenfinden. Er freut sich über die neue Rektorin und den Konrektor, die beide zurzeit in Schwaikheim und Winnenden präsent sind.

Interkommunale Zusammenarbeit funktioniert gut

Auf den Schwaikheimer Gemeinderat und den Bürgermeister verlässt sich Holzwarth: „Schwaikheim wird die Schule bauen. Daran ändert auch die Bürgermeisterwahl nichts.“ Die interkommunale Zusammenarbeit funktioniere sehr gut an dieser Stelle, auch wenn sie anfangs holprig gewesen sei.

Gab es wirklich keine Möglichkeit?

Hat es denn wirklich gar keine Möglichkeit gegeben, auf Winnender Boden eine Gemeinschaftsschule einzurichten? „Der einzig mögliche Weg zu einer Gemeinschaftsschule wäre gewesen, wenn eine der beiden Winnender Realschulen mit der Robert-Boehringer-Schule zusammengegangen wäre. Aber diesen Weg hatten wir damals nicht gesehen, und dafür kam auch von niemandem eine Initiative.“

"Wir waren tatsächlich willens, die Schule neu zu bauen"

Warum haben OB Holzwarth und die Stadtverwaltung den Bürgern lange große Hoffnungen auf einen Neubau der Robert-Boehringer-Schule gemacht? „Wir waren tatsächlich willens, die Schule neu zu bauen.“ Bis sich herausstellte, dass die Schule zu teuer würde ... „Wir haben wirklich Zeit gebraucht, um zu erkennen, dass wir überfordert sind mit dem Schulneubau und allen anderen notwendigen Investitionen.“ Es war der Stadtverwaltung so ernst mit dem Schulneubau, dass sie Hunderttausende von Euro für Planungen ausgegeben hat. Die Pläne verschwinden in einer Schublade. Die Ausgaben wird die Stadt verschmerzen müssen.


Wahl-Check

Am Sonntag, 21. Januar, ist Oberbürgermeisterwahl in Winnenden. Bislang hat sich ein Kandidat für diese Wahl gemeldet: Amtsinhaber Hartmut Holzwarth.

Unsere Zeitung wird in der Serie Wahl-Check in mehreren Folgen fragen: Wie geht es den Bürgern mit dem, was OB und Gemeinderäte gestaltet und entschieden haben? Und wir werden jeden Kandidaten fragen, was er dazu denkt.